Einst wurde sie für die Praktikantin gehalten: Westwing-Chefin Delia Lachance ist ein Star der Start-up-Szene und setzt im Jahr 431 Millionen Euro um. Im Stuttgarter Breuninger hat sie einen Store eröffnet – und viele verblüfft.
In den Anfangsjahren dachte so manch ein Geschäftspartner, sie sei die Praktikantin. Delia Lachance, die vor ihrer Hochzeit mit dem kanadischen Immobilienhändler Maxime Lachance Delia Fischer hieß, ist einer der Stars der Start-up-Szene. Als „Deko-Queen“ wird sie in den bunten Blättern gefeiert, wo Homestorys mit Promis erscheinen, die stolz ihre vier Wände daheim zeigen, die Westwing eingerichtet hat.
Als Modejournalistin bei „Elle“ hat die heute 38-Jährige angefangen und präsentierte ihren Leserinnen damals Möbel- und Deko-Trends. Die schönen Dinge, die sie weltweit auf Messen fand, waren jedoch für Menschen mit durchschnittlichem Gehalt oft zu teuer oder nur schwer erhältlich. Wäre das nicht eine Marktlücke, Stilvolles preisgünstig übers Internet anzubieten? Damit war ihre Geschäftsidee geboren, für die sie Mitstreiter fand. Zwölf Jahre ist das nun her.
Ein bisschen ist’s wie beim Tindern, heißt es beim Event im Stuttgarter Breuninger Flagship-Store, zu dem nach Ladenschluss etwa 100 Gäste eingeladen sind, darunter Influencer wie Nadine Berneis, die frühere Miss Germany, und Karo Kauer, aber auch Sängerin Vanessa Mai, Moderatorin Jennifer Knäble und Snocks-Chef Johannes Kliesch. Ans Tindern erinnert Westwing deshalb, weil man auch bei dem Life-Style-Unternehmen die Produkte erst im Netz kennen gelernt hat, bevor es nun bei der Store-Eröffnung zum ersten Live-Date kommt.
Westwing bei Breuninger. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt
Den einzigen stationären Laden hat die Firma Westwing, die mit ihrem Online-Shop groß und in der Pandemie noch größer geworden ist (der Jahresumsatz lag zuletzt bei 431 Millionen Euro mit 1500 Beschäftigten in elf Ländern), bisher nur in Hamburg betrieben. Nun also kommt Stuttgart mit über 170 Quadratmetern im vierten Breuninger-Stockwerk dazu, was der Chefin auch aus persönlichen Gründen sehr wichtig ist. Aufgewachsen ist sie in einem kleinen Dorf im bayerischen Nördlingen, das näher an Stuttgart liegt als an München.
Als Kind fuhr sie mit ihren Eltern oft zu Breuninger nach Stuttgart
„Meine Eltern sind zum Einkaufen am liebsten nach Stuttgart zu Breuninger gefahren“, erzählt die Westwing-Gründerin, die inzwischen selbst Mutter von zwei Kindern ist. Wer gehört zur Zielgruppe des neuen Stores? „Design-Lover“, lautet die Antwort – das Alter ist dabei egal.
Ganz unglücklich ist man an der Breuninger-Zentrale nicht darüber, dass das alte Breuninger am Rande des Bohnenviertels abgerissen wird und dort ein moderner Mobility-Hub entsteht. Bis der Neubau fertig ist, fallen allerdings über 600 Parkplätze weg. Joachim Aisenbrey, Geschäftsführer des Breuninger-Hauses in Stuttgart, ist sicher, dass die Kunden in der Übergangszeit andere Stellplätze nutzen werden, etwa die Tiefgarage im Dorotheen-Quartier.
Der sichtbare Abriss des Breuninger-Parkhauses beginnt im April
Anfang dieser Woche haben in dem nun geschlossenen Parkhaus die Rückbauarbeiten begonnen, Leitungen und Beläge werden entfernt, Tierschützer bringen die Tauben mit ihren Nistplätzen an einen anderen Ort. Der eigentliche Abriss, so heißt es bei Breuninger, beginnt Anfang oder Mitte April und soll bis Anfang Juni beendet sein.
Beim Nachtevent zur Store-Eröffnung spricht die Westwing-Chefin im Talk mit Gerhard Schmalholz, dem zweiten Geschäftsführer von Breuninger Stuttgart, über Trends, die sie mitkreieren will. In der Mode wie auch bei den Möbeln dominieren Weiß-, Creme- und Beigetöne, also Naturfarben. Das Ambiente im Store ist überwiegend hell. Nachhaltigkeit sei ihr sehr wichtig, betont Lachance, der Luxus, für den sie steht, solle „nahbar“ sein, also sich nicht nur an absolute Spitzenverdiener richten. „Schöner Wohnen“ will sie in die Wohnzimmer bringen, weiß aber auch, dass zum „Schöner Leben“ mehr gehört als nur Ästhetik.
Die persönlichen Interieur-Tipps der Westwing-Chefin
Wie sehen ihre persönlichen Tipps aus? Das riesige Sofa war gestern, findet sie, mit runden Sesseln schaffe man einen Blickfang. Außerdem empfiehlt die Westwing-Chefin neue Kissenbezüge. Ihre Tipps: „Gelbtöne statt Beige, Pink und Lila statt Blau, edles Dunkelgrün statt Grau.“ Blumen oder Zweige brächten Frische ins Heim, die man in außergewöhnlichen Vasen in Szene setzen solle.
Wichtig ist für sie die Beleuchtung: Damit es daheim auch mal etwas edler aussieht, lohne sich die Investition in hübsche Tischlampen. „Nichts verändert die Stimmung in einem Raum so schnell wie das Licht“, sagt Delia Lachance. Indirekte Beleuchtung durch Tischleuchten sorgt für eine angenehmere Stimmung als reine Deckenlampen.
Die Kundschaft ist in erster Linie weiblich
Ihre Kundschaft ist in der Mehrzahl weiblich. In erster Linie würden Frauen Deko einkaufen. Delia Lachance hat eine Erfolgsstory hingelegt – viele junge Frauen können sich mit ihr identifizieren und sehen sich deshalb in ihrem immer weiter wachsenden Sortiment gern um. Delia Lachance lebt obendrein vor, wie man Unternehmensleitung und Familie verbindet. Nach dem Event fährt sie noch in der Nacht nach München zu ihrem Mann und ihren Kindern zurück.