Delfine in der Ostsee Verstärkung für Selfie und Delfie

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Seit Monaten tummeln sich zwei Delfine in der Ostsee. Nun vergnügt sich ein drittes Tier in der Nähe von Kiel – und lockt zahlreiche Schaulustige an. Die Wasserschutzpolizei rät zur Vorsicht.

Zwei Schwimmer wagen sich ganz nahe an den Delfin, der sich derzeit in der Kieler Förde aufhält. Meeresbiologen und die Wasserschutzpolizei sehen das gar nicht gerne. Foto: dpa
Zwei Schwimmer wagen sich ganz nahe an den Delfin, der sich derzeit in der Kieler Förde aufhält. Meeresbiologen und die Wasserschutzpolizei sehen das gar nicht gerne. Foto: dpa

Kiel - Ein Delfin in einer Schleuse – das gibt es wahrlich nicht alle Tage: Derzeit hält sich einer dieser Meeressäuger im Bereich Kieler Förde und Nord-Ostsee-Kanal auf – wobei ihm die Schleuse Holtenau besonders Spaß zu machen scheint: „Der Delfin schleust munter hin und her“, berichtete Matthias Visser vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt. Und er begleitet Beobachtungen zufolge auch gerne Schiffe – vor allem Segelboote – auf ihrer Fahrt durch den Kanal. Offenbar wartet er dabei gezielt auf eine Möglichkeit, die Schleuse zu nutzen: Wenn die Glocke der Schleuse ertöne, komme er angeschwommen, berichtete ein Schleusenführer der Presse.

Aufgrund des vorliegenden Bild- und Videomaterials halten Meeresbiologen den Kieler Delfin für einen Großen Tümmler. Zu dieser Art gehören auch die beiden Delfine Selfie und Delfie, die seit vergangenem Winter die Menschen an der deutschen Ostseeküste begeistern. Diese beiden Tiere halten sich derzeit Beobachtern zufolge an der Brücke über den Großen Belt auf – und scheinen sich ganz offensichtlich wohlzufühlen. Auch den Kieler „Schleusendelfin“ haben die Experten schon einige Zeit im Zuge seiner Reise durch dänische Gewässer im Visier; die Beobachtungen sind auf der Internetseite hvaler.dk dokumentiert. Vergangene Woche etwa wurde er bei der Insel Aeroe gesichtet. Er soll auch dabei gefilmt worden sein, wie er einen Schweinswal getötet hat – ein aggressives Verhalten, das Große Tümmler immer wieder gegenüber den kleineren Walen an den Tag legen.

Diesen Vorfall nehmen Meeresbiologen und Behörden zum Anlass, vor allzu großer Nähe zu dem Delfin zu warnen. Denn in den vergangenen Tagen wollten nicht wenige Schnorchler und Schwimmer dem Tier möglichst nahe sein – vor allem im Bereich der Schleuse. Den Delfin schien das nicht weiter zu stören, wie Fotos und Videos zeigen. Gleichwohl wies die Wasserschutzpolizei darauf hin, dass das Baden nahe Schleusen untersagt sei, weil es gefährlich sei und den Schiffsverkehr behindere. Zudem solle man Rücksicht auf den Delfin nehmen, der sich bedrängt fühlen könnte. Niemand wisse, wie er in einem solchen Fall reagiere.

Das Tier einzufangen, ist allerdings nicht geplant – schließlich handelt es sich um einen frei lebenden Delfin, der sich offensichtlich in seiner Umgebung wohlfühlt. Dabei kann man nur hoffen, dass er einen gebührenden Abstand von Schiffsschrauben einhält – was aber gerade Großen Tümmlern meist nicht schwerfällt: Sie lieben es weltweit, sich in unmittelbarer Nähe von Schiffen aufzuhalten und dabei mühelos auf der Bugwelle zu surfen.

Um die Zukunft des Kieler Delfins machen sich die Meeresbiologen somit keine großen Sorgen. Nahrung dürfte er in der Ostsee genügend finden – das haben in den vergangenen Monaten auch die beiden Delfine Selfie und Delfie gezeigt. Zudem könnte das nun zugeschwommene Tier jederzeit den Nord-Ostsee-Kanal durchschwimmen und damit in die Nordsee und in den Atlantik gelangen, wo diese Delfine natürlicherweise vorkommen. Auch den Weg zurück durch dänische Gewässer zu finden, erscheint keineswegs aussichtslos. Außerdem kommen die Tiere auch in trüben Gewässern zurecht – dank guter Augen sowie der Hilfe von Klicklauten und Echoortung.

Ob sich allerdings nach den ungewöhnlichen Delfinsichtungen in diesem Jahr Große Tümmler auf Dauer in der Ostsee ansiedeln, halten Experten für eher unwahrscheinlich. Dazu müssten sich vor allem fortpflanzungsfähige Partner finden. Zudem müssten die Tiere in kalten Wintern mit dem Eis in der Ostsee klarkommen, also stets rechtzeitig ein Loch zum Atmen finden.




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