Auf den ersten Blick könnten Annette Preuninger-Klaffke und Joel Jetter nicht unterschiedlicher sein. Er ist 18 Jahre jung, steckt mitten in den Abiturprüfungen und ist schon länger politisch aktiv. Joel Jetter träumt davon, einmal Politikwissenschaft zu studieren, will nach dem Abi aber zunächst eine Ausbildung zum Altenpfleger machen. Sie ist Ende 50, arbeitet für ein internationales Unternehmen und hat sich bis vor wenigen Monaten noch überhaupt nicht politisch engagiert.
Ihre Tochter ist mit ihm auf die gleiche Schule gegangen – so haben sich Preuninger-Klaffke und Jetter kennengelernet. Eine ganze Generation trennt die beiden und dennoch bereiten sie gerade gemeinsam eine Veranstaltung vor, die es so in Leinfelden-Echterdingen noch nicht gegeben hat und die möglicherweise der Auftakt zu einer ganzen Reihe an Veranstaltungen sein könnte. In jedem Stadtteil eine, das ist der Plan.
Unter der Überschrift „Die Demokratie ist unser höchstes Gut. Lasst sie uns gemeinsam schützen “ wollen Annette Preuninger-Klaffke und Joel Jetter am Sonntag, 5. Mai, von 14 Uhr an, möglichst viele und möglichst unterschiedliche Menschen auf dem Leinfelder Rathausplatz zusammenholen. Mit einer Versammlung wollen sie die Verbundenheit ihrer Stadt für die Demokratie demonstrieren und so zeigen, dass sich auch Leinfelden-Echterdingen an dem Zeichen beteiligt, das gerade in vielen anderen Städte gesetzt wird. Nur eben auf eine etwas andere Art.
„Ich war auf mehreren Demos gegen rechts“, sagt Annette Preuninger-Klaffke. In Stuttgart und auch in Filderstadt. Richtig wohl habe sie sich dort nicht gefühlt. Denn: „Wir wollen nicht mit dem Finger auf andere Menschen zeigen – auch nicht auf Personen, die extrem rechts wählen“, sagt sie. Joel Jetter ist überzeugt: „Viele, die aktuell die AfD wählen, tun dies aus Verzweiflung.“ Das sei eine sehr heterogene Wählergruppe. Er hegt die Hoffnung, dass ein großer Teil dieser Wähler zurückgeholt werden könne. Denn die Demokratie habe so viel zu bieten.
Die beiden wollen Menschen zusammenbringen, die die Demokratie stärken wollen. Menschen aus der Kirche, der Wirtschaft und dem Bildungswesen werden bei der Versammlung darüber sprechen, was für sie die Demokratie bedeutet. „Wir haben ja nicht nur die Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit, wir dürfen hier so viel, das ist einfach nur Wow“, sagt Annette Preuninger-Klaffke. „Das muss man einfach schützen.“
Die Initiatoren wollten mit ihrem Anliegen raus aus dem Wohnzimmer und sind dafür ins kalte Wasser gesprungen. „Wir sind Neulinge, was die Organisation von Versammlungen betrifft“, sagt er. 300 Leute haben sie bei der Stadt angemeldet. Das Ordnungsamt wird an dem Tag die Parkplätze auf dem Rathausplatz sperren. Die Organisatoren müssen acht Ordner stellen, erkennbar an entsprechenden Westen. Joel Jetter wird mit seiner Band Cutting Edge auftreten und die Versammlung musikalisch begleiten.
Auch wenn beide auf der SPD-Liste der anstehenden Gemeinderatswahl stehen, ist ihnen wichtig zu betonen, dass sie die Versammlung als Privatmenschen organisieren, dass diese Aktion keine Wahlveranstaltung ist. Alle Menschen, die am Erhalt und an der Stärkung der Demokratie interessiert sind, seien bei der Versammlung herzlich willkommen, egal, bei welcher Partei oder Wählervereinigung sie am 9. Juni ihr Kreuzchen machen, betonen sie. Die Veranstaltung solle Türen öffnen. Überzeugte Nazis aber, die dürften gerne zu Hause bleiben, erklären sie.
Für die Demokratie und deren Werte
Versammlung
Die Versammlung „Die Demokratie ist unser höchstes Gut. Lasst sie uns gemeinsam schützen“ beginnt am Sonntag, 5. Mai, 14 Uhr auf dem Leinfelder Rathausplatz. Die genaue Rednerliste wird noch bekannt gegeben.
Statement
Anfang April hat sich der Gemeinderat und Otto Ruppaner, der neue Oberbürgermeister der Stadt Leinfelden-Echterdingen, zu den Grundwerten der freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekannt. Die aktuell im Gemeinderat von Leinfelden-Echterdingen vertretenden Fraktionen, sowie der Rathauschef haben dazu Statements verfasst, die auf einer Doppelseite im Amtsblatt zu lesen waren.