Denkmalschutz Magazin über den Hoppenlaufriedhof

Von Thomas Borgmann 

An dieser Stelle kommt Friedrich Pfäfflin ins Spiel, der treffliche Schöpfer des legendären Marbacher Magazins und fast dreißig Jahre lang ein prägender Motor des Schiller-Nationalmuseums sowie des großartigen Literaturarchivs. 1991 hat der mittlerweile im Unruhestand lebende Pfäfflin dem Hoppenlaufriedhof ein 300 Seiten umfassendes Marbacher Magazin gewidmet. Weil diese bibliophile Rarität inzwischen vergriffen ist, hat sich der Autor, unterstützt von seiner Frau Waltraud, schon vor längerer Zeit an die Arbeit gemacht.

"Der Friedhof ist leider in keinem guten Zustand", kritisiert Pfäfflin. Sein Plan, ein kräftig aktualisiertes Buch auf der Basis des alten Magazins herauszubringen, habe eigentlich nur zwei Ziele: "Der Politik laut und deutlich sagen, welche Bedeutung dieser Friedhof tatsächlich hat, und allen Interessierten, namentlich den Familien, die dort Vorfahren haben, wichtige Informationen liefern." Noch fehlt Pfäfflin ein Verlag, der seine Arbeit herausgibt.

Ein paar wenige Namen derer, die unweit der Liederhalle und des Max-Kade-Hauses ihre letzte Ruhe gefunden habe, mögen fürs Erste genügen: der Verleger Johann Friedrich Cotta, der nicht nur Goethe und Schiller druckte. Johann Heinrich Dannecker, einer der größten Bildhauer seiner Zeit. Christian Gottfried Elben, der Historiker und Gründer des "Schwäbischen Merkur". Ludwig Gundert, Kaufmann und Urgroßvater von Hermann Hesse.

Wilhelm Hauff, der romantische Dichter. Gottlob Heinrich Rapp, Tuchhändler, Bildungsbürger und Mittelpunkt des Stuttgarter Geisteslebens am Anfang des 19. Jahrhunderts. Otto Reiniger, einer der besten schwäbischen Landschaftsmaler. Philipp Scheffauer, populärer Bildhauer. Christian Friedrich Daniel Schubart, der aufmüpfige Dichter, der für seine Unbotmäßigkeit zehn Jahre auf dem Hohen Asperg gefangen blieb. Schließlich Friedrich Steinkopf, der Buchhändler, und Emilie Zumsteeg, die Komponistin und Gründerin des Frauenliederkranzes.

Ohne private Initiative geht es nicht

Der klangvollen Namensreihe kurzer Sinn: es muss bald etwas passieren, soll der Niedergang des Hoppenlaufriedhofs nicht in einer Blamage für ganz Stuttgart enden. Timo John vom Schwäbischen Heimatbund sieht das ebenso: "Es ist höchste Zeit, dass sich ein Kreis von verständigen Leuten zusammenfindet, um einen Förderverein zu gründen. Denn ohne private Initiative geht es wohl nicht."

Dies zeigten die vergleichbaren Beispiele anderer alter Begräbnisstätten in der ganzen Republik. John ist "sehr traurig darüber, dass der Gemeinderat die dringend notwendigen 100.000 Euro für die kommenden zwei Jahre doch nicht bewilligt hat". Er wäre bereit, sich zu engagieren.

Engagieren würde sich auch Dieter Angst, der Geschäftsführer der Denkmalstiftung Baden-Württemberg: "Die Stadt Stuttgart tut leider wenig für den Denkmalschutz. Wir würden Geld geben für den Hoppenlaufriedhof, das Landesdenkmalamt ebenfalls." Deshalb habe er, Angst, den Oberbürgermeister jüngst angeschrieben. Wolfgang Schuster habe geantwortet, ihm sei "das Problem bekannt". Nichts weiter.

Und die Moral von der Geschicht? Viele wissen, dass dringend etwas getan werden müsste - aber kaum einer tut etwas. So nagt der grässliche Zahn der Zeit weiter an diesem schwäbischen Heldenfriedhof. Wer ergreift mutig die Initiative?

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