Deportationen in KZ Von Stuttgart in den Tod

Seit 2006 gibt es die Gedenkstätte „Zeichen der Erinnerung“ zu den Deportationen von Stuttgart in die Konzentrationslager. Das zehnjährige Bestehen ist Anlass für eine Gedenkveranstaltung.

Die Gedenkstätte „Zeichen der Erinnerung“ dokumentiert die Deportationen von Stuttgart in die Konzentrationslager. Foto: Achim Zweygarth
Die Gedenkstätte „Zeichen der Erinnerung“ dokumentiert die Deportationen von Stuttgart in die Konzentrationslager. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Mit einer Gedenkveranstaltung wird am Donnerstag, 14. Juli, von 17 Uhr an das zehnjährige Bestehen der Gedenkstätte zur Deportation der Juden, Sinti und Roma erinnert. Vom Inneren Nordbahnhof aus – dort, wo heute an der Otto-Umfrid-Straße die Gedenkstätte „Zeichen der Erinnerung“ ist – startete im Dezember 1941 der erste Transport mit eintausend württembergischen Juden ins lettische Riga, bis ins Frühjahr 1945 wurden mehr als 2600 Menschen in Zügen unter unmenschlichen Bedingungen in die Konzentrationslager gefahren, in denen fast alle ermordet wurden. Nur wenige überlebten. Seit dem Jahr 2006 gibt es die schlichte und beeindruckende Gedenkstätte, zu deren zehnjährigem Bestehen spricht am Donnerstag Klaus Töpfer, der schon die Rede zur Einweihung gehalten hatte.

„Auch in Stuttgart nahm der Holocaust seinen Anfang. Es überlebte der Ort, die Schienen, die Schwellen, die Prellböcke, der Schotter“, sagt Roland Ostertag, der Vorsitzende des Vereins Zeichen der Erinnerung, der die Gedenkstätte betreibt, in der eine lange Wand mit Namen an die Deportierten erinnert. Bis die Gedenkstätte eingerichtet wurde, habe es fast zwei Generationen gedauert, sagt Ostertag: „Die Vorgeschichte dieses Ortes, aber auch der Umgang mit der Gestapo-Leitzentrale, dem Hotel Silber, ist beschämend.“ Beide Gedenkorte sind erst durch bürgerschaftliches Engagement vor dem Abbruch gerettet worden. Dabei würden die Erinnerungsorte immer wichtiger, weil es immer weniger Zeitzeugen gebe, sagt Ostertag.

Erinnerung auch auf dem Killesberg

Zeichen der Erinnerung – in Form eines Gedenksteins, einer Gedenktafel und einer Gedenkstätte – gibt es auch im Killesbergpark, wo die dem Tod geweihten gesammelt wurden, und an der Martinskirche, die sie auf ihrem Marsch zum Nordbahnhof passierten. Untergebracht, oder besser eingepfercht bis zum Abtransport wurden die Menschen in der zur Reichsgartenschau 1939 erbauten „Ehrenhalle des Reichsnährstands“, der sogenannten Blumenhalle, auf deren Fundamenten nach dem Krieg die Messehalle 9 erbaut wurde. An ihrer Sandsteinfassade war seit 1949 das Relief „Weinfreuden“ des Bildhauers Alfred Lörcher, der auch Professor an der Kunstakademie war, zu sehen. Für Ostertag, der nicht nur Vorsitzender des Vereins ist, sondern sich auch für den Erhalt stadtbildprägender Bauwerke einsetzt, wäre Lörchers Relief ein weiteres sichtbares Zeichen, das an das dunkelste Kapitel der Stuttgarter Geschichte erinnert.

Die Halle 9 wurde im Zuge des Messeumzugs auf die Filder und des Baus der ­Killesberghöhe abgerissen, das Relief wurde bei den Abbrucharbeiten aber nicht zerstört und liegt nach Angaben aus dem Stuttgarter Rathaus mittlerweile wohl beim städtischen Garten-, Friedhofs- und Forstamt. Eigentlich war geplant gewesen, das Kunstwerk im Zuge der Neuordnung der Grünflächen auf der Killesberghöhe wieder aufzubauen. 2009 waren dafür von der Stadt sogar 60 000 Euro eingeplant gewesen, die dann aber wegen geänderter Pläne nicht mehr zur Verfügung standen.

Das Relief liegt auf einem Betriebshof – was damit geschehen soll, weiß offenbar niemand so genau. Ein Zeichen der Erinnerung, das dem Vergessen anheimfällt.