Der Bürgermeister von Waldenbuch geht Der Gentleman der Kommunalpolitik verlässt die Bühne

Blumen für den scheidenden Bürgermeister Michael Lutz Foto: Eibner-Pressefoto/Sandy Dinkelacker

Zur Verabschiedung von Bürgermeister Michael Lutz im ungezwungenen Talkformat gab es Lob ohne Grenzen – sogar das Potenzial zum Filmstar kam mehrfach zur Sprache.

Wer am Donnerstagabend zur Verabschiedung von Bürgermeister Michael Lutz ins Forum der Oskar-Schwenk-Schule geladen war, musste zunächst warten. Eine lange Schlange hatte sich gebildet. Denn alle seine Gäste begrüßte das scheidende Stadtoberhaupt mit Namen und persönlichem Handschlag.

 

An so eine Szene erinnerte sich auch Elisabeth Mack, Gemeindereferentin der Katholischen Kirchengemeinde, in der Talkrunde. Sie hatte die letzte Seniorenfeier stark beeindruckt, zu der alle Waldenbucher Bürger über 75 Jahren geladen waren. Der Bürgermeister kannte hier nicht nur fast alle Namen, sondern dazu Wohnorte und Lebensumstände der Gäste.

Der Ex-Regierungspräsident erzählt Anekdote

Auch Johannes Schmalzl, Regierungspräsident a. D. und Bürger der Stadt, bestätigte, dass Lutz die Beziehungspflege sehr ernst nehme. Als Beispiel erzählte er die Geschichte der gelungenen Eheschließung eines georgischen Au-Pair-Mädchens mit einem Taiwanesen, die der Stadtchef trotz aller bürokratischen Widrigkeiten vollziehen konnte.

Wie nah Michael Lutz an den Menschen war, verdeutlichte ebenso eine Episode von Barbara Willert, Leiterin des Ritter-Museums. Bei einer Gastreise nach Varese in Italien hielt Lutz seine Grußrede komplett auf Italienisch, obwohl er der Sprache nicht mächtig war. Er hatte seine deutsche Ausführung übersetzen lassen und so gut geübt, dass das Publikum fast glaubte, einen echten Italiener vor sich zu haben. Zudem ist die Museumsleiterin von seiner wertschätzenden Art begeistert. Fast alle 40 Eröffnungen im Museum habe er besucht und das Museum einen Sechser im Lotto genannt, was er auch stets vermittelt habe.

Landrat: „Die süßeste Stadt mit dem süßesten Bürgermeister“

Auf der unternehmerischen Seite kam Alfred T. Ritter, Gesellschafter von Ritter Sport und Ehrenbürger der Stadt zu Wort. Er hatte ihn einst als sportlichen Menschen bei einem Seifenkistenrennen kennengelernt und würdigte nicht nur seine Verlässlichkeit und Verbundenheit zum Unternehmen, sondern auch seinen hohen Einsatz bei Firmenveranstaltungen. So ließ der Bürgermeister die Ortsschilder zum Jubiläum „100 Jahre Ritter Sport“ austauschen und machte die Stadt für eine Woche zur Schokoladen-Stadt.

Ein überdurchschnittliches Maß an Menschlichkeit, Umsicht, Entschlossenheit und Loyalität wurde Michael Lutz von allen Seiten zugesprochen. Manche Redner verglichen ihn sogar mit einem Filmstar und dies nicht nur wegen seines Aussehens, das Landrat Roland Bernhard in seiner Ansprache mehrfach betonte und gar meinte: „Die süßeste Stadt mit dem süßesten Bürgermeister“.

Bei dieser Zahl kann die Zukunft nur unter einem guten Stern stehen

Auch Steffen Jäger, Präsident des Gemeindetags Baden-Württemberg, meinte, Lutz hätte wohl vor seinem Amtsantritt eine Karriere als Filmstar starten können. Besonders die Ausdauer und Tatkraft, die sich an den vielen Vorstandsaktivitäten in kommunalen Verbänden und Sporteinrichtungen zeige, mache dies deutlich. „Michael, du warst immer ein Mensch mit Vertrauen und Geradlinigkeit. Was du sagtest, galt. Ein echter Gentleman der kommunalen Politik“, lobte der Präsident.

Von Amtsbeginn an galt es, mit viel Elan und Dynamik Schwerpunkte zu setzen, ließ Annette Odendahl (FWV), Gemeinderätin und erste stellvertretende Bürgermeisterin, in ihrer Rede wissen. Bis zum letzten Tag sei dies unvermindert durchgezogen worden. Hauptamtsleiterin Katharina Jacob sprach lobende Worte im Namen der Rathausmitarbeiter: „Sie haben uns gefordert, gefördert und immer wertgeschätzt. Wir verabschieden Sie am 24.4.24 als Chef und bei der Zahl kann die Zukunft nur unter einem guten Stern stehen.“

Mit dem Zitat von Michael Ende, „Die ganze Welt ist eine große Geschichte und wir spielen darin mit“, läutete der Bürgermeister selbst, wie er sagte, Michaels Ende ein. Dann setzte er sein typisch spitzbübisch verschmitztes Lächeln auf, wie er es immer tat, wenn ihm etwas gelungen war, und verließ die Bühne.

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