Kaffeeduft liegt in der Luft, geschäftiges Treiben im Saal des Blarerhauses, und ein permanenter Run auf die Kuchentafel. „Das dürfte das größte Kuchenbuffet Esslingens sein“, sagt Elke Walkenhorst-Mayer, die 77-jährige Vorsitzende vom Verein Trott-war – Bürger für Berber.
An den festlich geschmückten Tischen nehmen Männer und Frauen jeden Alters, Kinder und Jugendliche Platz. Mancher Besucher hatte auch seinen Hund mitgebracht. Es sind Menschen die wohnungslos sind, Sozialhilfeempfänger, die sich wenig leisten können, queere Menschen, auch Gehandicapte. Ein Junge bittet seinen seinen Bruder auf die Bühne, um ihm mit dem ganzen Saal ein Geburtstagsständchen zu singen. Dieses Mal seien besonders viele Ältere dabei, aber auch kinderreiche Familien, sagt Elke Walkenhorst-Mayer. Es gibt jedoch nicht nur Kuchen, sondern auch ein warmes Abendessen mit Nachtisch. Geschenktüten mit haltbaren Lebensmitteln, Gutscheinen für Wäsche und ein Geldbetrag von 40 Euro hat die Firma Kaufland beigetragen. Die Papiertüten, die extra haltbar sein mussten, hat Modepark Röther beigesteuert. Die Spielsachen für die Kinder haben die Grundschulen Sulzgries und Lichtenwald gespendet. Das Abendessen wurde vom Neckar Center gesponsert und vom Grünen Kranz in Plochingen frisch zubereitet. Die Kuchen sind als Gaben von Esslinger Bürgern auf dem Tisch gelandet.
Elke Walkenhorst-Mayer hat das Fest zum 33. Mal organisiert
Für Unterhaltung sorgten die Linedancer vom Tanzverein Schwarz-Weiß-Club, aktuelle Musik vom Band und gemeinsames Singen. Elke Walkenhorst-Mayer hat das Fest zum 33. Mal organisiert. „Es nimmt mich jedes Mal noch emotional mit“, sagt sie angesichts der vielen Menschen, die wieder gekommen sind. „Es sind so viele dabei, die in Situationen geraten sind, die sie nicht selbst verschuldet haben“, fügt sie hinzu. Alkoholiker, Drogenabhängige, Spielsüchtige, Menschen mit einem „Webfehler“ – Walkenhorst-Mayer hat über den Verein in den vergangenen Jahrzehnten etlichen Menschen helfen können. Sie hat Klinikaufenthalte für Entgiftungen organisiert, Therapien finanziert und für Arbeitsplätze gesorgt. „Mich hat der Verein gerettet“, sagt Wolfgang, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will. Er berichtet von seinem über Jahre andauernden Alkoholmissbrauch, seiner Abhängigkeit von Kokain und Heroin. Und von Elke Walkenhorst-Mayer, die nicht locker gelassen habe und ihn immer wieder aus Schlägereien gezogen und von der Straße aufgelesen habe.
„Ganz ehrlich, ohne Elke und den Verein wäre ich heute nicht mehr am Leben“, sagt der 56-Jährige, der sich ins Leben zurückgekämpft hat und heute ein kleines Transportunternehmen betreibt. Zur Weihnachtsfeier kam er nicht, um kostenlosen Kuchen zu essen, sondern um an der Garderobe und beim Einlass zu helfen, „um etwas zurückzugeben“.
Elke Walkenhorst-Mayer freut sich über solche Geschichten. Sie sieht aber auch eine bedenkliche Entwicklung über die Jahre. „Es wird schwieriger, Hilfen anzubieten“, erklärt sie und verdeutlicht das: „Es gibt so gut wie keine bezahlbaren Wohnungen mehr, und es gibt keine einfachen Arbeitsplätze mehr“. Zu früheren Zeit habe man jemandem einen Gabelstaplerführerschein finanziert, um ihn in ein auskömmliches Arbeitsverhältnis zu bringen. „Dafür sind die Anforderungen so stark gestiegen, dass das nicht mehr so einfach möglich ist“, beklagt sie.
Probleme auch beim Verkauf der Zeitschrift Trott-war
Auch Sebastian Huber sieht die Probleme. Er ist der neue hauptamtliche Geschäftsführer des Vereins Trott-war – Bürger für Berber, der 2022 durch die Fusion beider Einzelvereine entstanden ist. Er, der die Verkäufe des Straßenmagazins Trott-war koordiniert, hat festgestellt, dass seine Verkäufer nun immer mehr mit einer Menge an Kleingeld zurückkommen.
„Früher haben die Leute den Verkäufern öfter Papiergeld in die Hand gedrückt, das hat sich geändert.“ Er beklagt auch den Trend, obdachlose Menschen aus den Stadtgebieten zu vertreiben. „Der Kontakt zwischen den Bedürftigen und uns, die wir Hilfen anbieten, wird dadurch erschwert“, betont Sebastian Huber.
Die Fusion soll beiden Vereinen helfen
Fusion
Im vergangenen Jahr haben die Vereine Bürger für Berber aus Esslingen und Trott-war aus Stuttgart fusioniert. Beide Vereine hatten Probleme mit ihrer jeweiligen Führung. Durch das Zusammengehen hoffen sie, voneinander zu profitieren. Die Fusion wurde im Jahr 2022 auf den Weg gebracht.
Bürger für Berber
betreibt die Kleiderkammer in der Eberspächer Straße sowie eine Holzwerkstatt, in der Bedürftige schreinern und Vogelkästen, Ställe für Kaninchen oder Hühner, Schaukästen für Künstler, Mobiliar für Kindergärten und anderes mehr herstellen. Der Stuttgarter Verein Trott-war betreibt das Magazin Trott-war, schafft so Arbeitsplätze für die Verkäufer und Verkäuferinnen und bietet Stadtführungen unter der Regie obdachloser Menschen an.
Verein
Der Gesamtverein hat jetzt rund 120 Mitglieder, 70 allein der Verein Bürger für Berber. Die Anfänge von Bürger für Berber liegen in Einzelaktionen von Elke Walkenhorst-Mayer, die sich ab dem Jahr 1989 um Randgruppen gekümmert hat. Im Jahr 1995 wurde der Verein gegründet. Seit rund 20 Jahren hat er sein Domizil in der Eberspächerstraße. Trott-war wurde im Jahr 1994 gegründet.