Der Fakten-Check zu Weihnachten Was wirklich geschah

In den Details nicht ganz akkurat, als Familienfest aber leuchtend schön: Weihnachten Foto: imago/Panthermedia/manae

Wieso wird Weihnachten im Dezember gefeiert? Waren es wirklich drei Könige, die dem Heiland Geschenke gebracht haben? Und wie passt der Tannenbaum nach Betlehem? Was Sie schon immer über Weihnachten wissen wollten.

 

Betlehem - Aus Gründen der Legendenbildung verändern sich Details der Weihnachtsgeschichte auf die eine oder andere Art und Weise. Ein Beispiel für fantasievoll-christliches Storytelling sind die Heiligen Drei Könige, die anfangs weder einen heiligen noch einen königlichen Status hatten: In der Bibel werden die Besucher des Jesuskindes griechisch „magoi“ genannt, was mit Magier oder Sternendeuter übersetzt werden kann. Von der Zahl Drei ist zu Beginn ebenfalls noch nirgendwo die Rede.

Zu drei Königen werden die „magoi“ erst später. Anfangs heißen die Herrschaften Appelius, Amerius und Damascus. Im Laufe der Geschichte werden sie zu königlichen Repräsentanten verschiedener Kontinente: Caspar kommt aus Afrika, Balthasar aus Asien und Melchior aus Europa – zur Ankunft des Heiland passen hochwohlgeborene Gäste eben viel besser als Sternendeuter.

Freunde eines kleinen Latinums wissen übrigens, dass die Buchstaben C-M-B, die Sternsinger an die Türe schreiben, nicht für königliche Vornamen, sondern für „Christus mansionem benedicat“ stehen: „Christus segne dieses Haus“.

Wir schreiben das Jahr 2028

Dass Jesus Christus gestorben ist, als Pontius Pilatus Präfekt in der Provinz Judäa war, gilt dank diverser römischer Quellen als gesichert. Leider ist die Quellensituation in Bezug auf das Geburtsjahr weniger eindeutig. In den Evangelien nach Lukas und Matthäus wurde Jesus geboren, als Kaiser Augustus regierte, also zwischen 31 vor und 14 nach Christus. Außerdem sei er zur Welt gekommen, als König Herodes im Amt und Quirinius Statthalter von Syrien war. Dummerweise ist Herodes schon vier Jahre vor dem angeblichen Geburtsjahr Christi gestorben, während Quirinius erst nach der vermeintlichen Stunde null ins syrische Amt kam.

Herodes wird im Gegensatz zum römischen Gouverneur in mehreren Quellen genannt, also geht die Forschung heute davon aus, dass Jesus zwischen 8 und 6 vor Christus auf die Welt kam. Wir schreiben also womöglich schon das Jahr 2028 – kein Wunder, läuft 2020 alles so langsam aus dem Ruder.

Der Tag des Sonnengotts

In der christlichen Heilslehre wird dem Tod Jesu und seiner Auferstehung deutlich größere Bedeutung beigemessen als seiner Geburt. Seit vielen Jahrhunderten wird der Termin für das Osterfest nach folgender Formel berechnet: Ostern fällt auf den ersten Sonntag nach Vollmond nach Frühlingsanfang.

Für die Errechnung von Christi Geburt gibt es keine ähnliche Herleitung, dafür aber mehrere Theorien: Eine besagt, dass der 25. Dezember im damals gebräuchlichen Kalender der kürzeste Tag war, der Zeitpunkt, an dem das Licht wieder zunahm. Die Römer feierten an diesem Tag den Geburtstag des Sonnengottes. Die Kirche widmete diesen Tag kurzerhand um in Jesu Geburtstag.

Eine andere Theorie besagt, dass ein Datum gebraucht wurde, das weit genug weg vom Osterfest sein musste, um Touristenströme besser steuern zu können: Die Pilgerströme nach Bethlehem waren schon immer gewaltig – bis Corona kam.

Nikolaus trinkt Cola

Der Weihnachtsmann ist keine Erfindung von Coca-Cola, sondern basiert auf der historischen Figur des Nikolaus, der im 4. Jahrhundert nach Christus Bischof von Myra in der heutigen Türkei war.

Der Getränkekonzern hat das Aussehen von Santa Claus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aber tatsächlich entscheidend geprägt, hin zu einem gemütlich aussehenden, alten, weißen Mann mit Rauschebart und Pausbacken, gekleidet in saftigem Coca-Cola-Rot.

Jungfrau oder junge Frau?

Im Evangelium des Matthäus erscheint Josef im Traum ein Engel. Er sagt ihm, dass Maria „schwanger sei vom Heiligen Geist“. Josef wird auf die Rolle des gutmütigen Patchwork-Papas reduziert, während Maria mit Jesus auf göttliche Weise schwanger wird. Bei Marias Jungfräulichkeit handelt es sich aber wohl nur um einen Übersetzungsfehler. Während im hebräischen Bibel-Text von Maria als „junge Frau“ die Rede ist, wird im Griechischen eine Jungfrau aus ihr.

Geburten von Gottes Gnaden sind keine Erfindung des Alten Testaments. Dieses biologische Phänomen gab es schon bei den alten Griechen, als etwa Zeus mit Alkmene Herkules zeugte, dabei aber in die Gestalt von Amphitryon schlüpfte.

Betlehem oder Nazareth?

„Zu Bethlehem geboren . . .“ Oder doch ganz woanders? Markus, der dienstälteste Evangelist, weiß noch nichts von Bethlehem als Geburtsort des Gottessohnes. Stattdessen wird Jesus hier noch nach Nazareth verortet. Wieso pilgern dann bis heute alle nach Bethlehem? Weil die Stadt im Westjordanland, die im Norden an Jerusalem grenzt, über das bessere Stadtmarketing verfügte?

Nein, weil Jesus in der gleichen Stadt wie König David geboren sein muss, wegen der Inszenierung als neuer Messias: So wird bei Lukas, dessen Evangelium vermutlich zwischen 80 und 90 nach Christus verfasst wurde, die Geschichte von der Volkszählung des Quirinius eingeführt, als literarischer Kunstgriff: Laut Lukas musste für die Zählung jeder in seine Geburtsstadt aufbrechen, weshalb „auch Josef von der Stadt Nazareth in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt“, gezogen sei.

Die Tanne des Lebens

Wer hat’s erfunden? Die Deutschen! Also den Weihnachtsbaum. Quellen zufolge wurde der erste Christbaum im Jahr 1419 in Freiburg im Breisgau aufgestellt. Die Schwarzwald-Bäcker schmückten ihre Tanne mit Naschereien, die an Neujahr an die Kinder verteilt wurden. Handelsgilden in Europa griffen diese Idee auf und präsentierten fortan ebenfalls geschmückte Bäume.

Der Legende nach ist der Weihnachtsbaum aus dem Paradiesbaum entstanden. Laut Papst Johannes Paul II. erinnere der Tannenbaum die Christen an den Baum des Lebens aus der Genesis, seine immergrüne Gestalt sei ein Zeichen des ewigen Lebens. Allerdings hatten schon Ägypter, Druiden und andere Heiden mit immergrünen Zweigen im Winter darauf hingewiesen, dass nach dem Frost in der Regel wieder ein Frühling kommt. Wenn alles gut läuft, auch 2021: Das sind doch keine schlechten Aussichten.

Literaturtipps zum Thema

Simone und Claudia Paganini, Von wegen Heilige Nacht! Der große Faktencheck zur Weihnachtsgeschichte, Random House, 160 Seiten, 14 Euro

Christopher Winn, Das Weihnachtsbuch , Bräuche und Traditionen aus aller Welt, Dumont, 176 Seiten, 20 Euro

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