InterviewDer Feuerwerker Joachim Berner zum möglichen Ende des Seenachtsfests „Nach fünf Minuten verschwindet alles im See“

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Seit 39 Jahren ist Joachim Berner (59) für das Feuerwerk beim Konstanzer Seenachtsfest verantwortlich. Jetzt will die Stadt das Feuerwerk dem Klimaschutz opfern. Der vielfache Pyrotechnik-Weltmeister aus Ehningen bei Böblingen hält davon gar nichts.

Joachim Berner aus Ehningen bei Böblingen gestaltet auch für viele große Feuerwerke in der Region Stuttgart. Foto: Michael Steinert
Joachim Berner aus Ehningen bei Böblingen gestaltet auch für viele große Feuerwerke in der Region Stuttgart. Foto: Michael Steinert

Konstanz -

Herr Berner, Konstanz hat den Klimanotstand ausgerufen. Als eine der ersten Maßnahmen soll vom kommenden Jahr an das Feuerwerk beim Seenachtsfest gestrichen werden. Sie sind dafür seit 39 Jahren verantwortlich. Was halten Sie davon?

Mir erschließt sich nicht, wieso sich eine touristische Stadt zum Katastrophenschutzgebiet erklärt. Das Konstanzer Seenachtsfest gibt es seit 70 Jahren und es gehört mit den „Kölner Lichtern“ und dem „Rhein in Flammen“ zu den Top drei in Deutschland. Das tut schon weh.

Wie klimaschädlich sind Ihre Raketen denn?

Das ist sehr relativ. Unser Großfeuerwerk wiegt etwa 650 Kilogramm. Wenn wir das abschießen, entsteht in 200 Metern Höhe etwa 70 bis 80 Gramm Feinstaub. Das ist aber kein Dieselruß und kein Gummiabrieb. Das hat alles schon reagiert. Giftige Stoffe wurden in den letzten 20 Jahren immer mehr herausgenommen. Das Feuerwerk dauert 20 Minuten. Spätestens 5 Minuten später sind die „Feinstaubpartikel“ vom Wind großflächig verteilt und lösen sich im See völlig neutral auf. Nochmals um sich das zu verdeutlichen: Wir sprechen von 70 bis 80 Gramm! Hier wird meiner Meinung nach doch nur von den eigentlich wichtigen Maßnahmen abgelenkt.

Glauben Sie, dass dies generell das Ende vieler Feuerwerke bedeutet?

Ich hoffe, dass andere Städte anders überlegen. Unsere Branche ist klein und hat kaum Einfluss, aber es hängen auch bei uns 5000 Arbeitsplätze daran. Hinzu kommen 50000 bis 100000 Arbeitsplätze in anderen, meist armen Ländern. Das wird oft vergessen.

Dieses Jahr dürfen Sie Ihr Feuerwerk noch einmal zünden. Es soll nach dem Willen der Stadt klimaneutraler sein. Wie geht das?

Da können wir kaum noch etwas machen. Wenn wir ein kleineres Feuerwerk mitbringen, haben wir 50 000 enttäuschte Zuschauer. Allenfalls können wir noch in der Logistik einsparen: kürzere Wege für das Material. Aber auch bei uns ist in den vergangenen Jahren das Umweltbewusstsein gestiegen. Früher fuhr jeder mit dem Privatwagen nach Konstanz. Zum Transport nutzten wir eigene kleinere Lieferwagen. Heute wird eine Spedition beauftragt die mit einem Euro-6-Lastwagen alles transportieren kann. Wir selbst mieten uns einen Transporter und fahren gemeinsam zum Seenachtsfest.