Las Vegas - „What’s my Age again“ ist der Hit, der 1999 aus drei kalifornischen Kindsköpfen Stars macht. Mark Hoppus, Travis Barker und Tom DeLonge werden mit ihrem farbenfrohen Poppunk zu Megastars. Manche werden sich noch an den Videoclip erinnern, in dem sie damals splitterfasernackt durch Los Angeles flitzten.
Verhältnismäßig bieder erscheint das heute, bedenkt man, dass Gitarrist und Sänger Tom DeLonge, zwar seit sechs Jahren nicht mehr Mitglied von Blink-182, dafür aber Unternehmer und eine gefragte Größe in den USA ist. Seine Themenschwerpunkte: Ufos, Aliens, Technologie und die mutmaßlich bestgehüteten Geheimnisse der US-Regierung.
Beste Kontakte zum Pentagon
Von Ufo redet er trotzdem nicht gerne, DeLonge bevorzugt „Unidentified Aerial Phenomenon“, unbekannte Phänomene am Himmel. Schenkt man seinen Ausführungen Glauben, pflegt der 45-Jährige mittlerweile beste Kontakte bis in die höchsten Kreise des US-Verteidigungsministeriums.
Im April des vergangenen Jahres erlangt sein Unternehmergeist bizarre Höhen: Das Pentagon veröffentlichte drei Videoclips: FLIR.mp4, GOFAST.wmv und GIMBAL.wmv. Darauf zu erkennen: von Piloten gefilmte Flugobjekte, die sich in unerklärlicher Weise bewegen und urplötzlich wieder verschwinden. Die Videos waren bereits Jahre zuvor von „New York Times“ und DeLonges To The Stars Academy ans Internet durchgestochen worden.
Neu ist, dass die US-Regierung sich zur offiziellen Meldung hinreißen lässt, dass es auch nach sorgfältiger Prüfung keine Erklärung für diese Phänomene gäbe. Es handle sich somit um tatsächlich unbekannte Flugobjekte – Ufos.
Doch kein Verschwörungsfreak?
Tom DeLonge jubelte. Nicht nur, weil er durch die Veröffentlichung der Videos Druck auf das Verteidigungsministerium ausgeübt hatte, sondern auch weil ihn die Anerkennung der US-Regierung ein Stückchen weniger wie einen verrückten Verschwörungsfreak mit zu viel Geld wirken ließ.
Für sein Unternehmen ist diese Wertschätzung ebenfalls Gold wert: Mit der 2017 von ihm mitgegründeten To The Stars Academy beackert DeLonge mehrere Felder: Science-Fiction-Unterhaltung, Comics, Fernsehproduktionen und die Musik seiner neuen Band Angels & Airwaves. Ein anderer Bereich befasst sich mit Forschung, wie beispielsweise Künstliche Intelligenz. Eine Sparte des Unternehmens widmet sich der Flugtechnologie.
Grob verknappt: DeLonge und seine Partner, teils ehemalige Kräfte der CIA, des Verteidigungsministeriums und des Rüstungskonzerns Lockhead Martin haben sich zum Ziel gesetzt, außerirdische Technologien zu ergründen und sie einem irdischen Nutzen zuführen. Gemeinsam mit dem US-Verteidigungsministerium arbeite man, sagt DeLonge, bereits vertrauensvoll an einigen Projekten. Näheres könne er leider nicht verraten – weil: streng geheim.
Keine Zeit für das Rockstar-Leben
Dass der 45-Jährige ein gewitzter Unternehmer ist, stellt sich bereits während seiner Karriere als Rockstar heraus: Er gründet erfolgreiche Modefirmen und fertigt als einer der Ersten vegane Turnschuhe in Massenproduktion an. Als DeLonge vor sechs Jahren Blink-182 verlässt, gibt er an, er könne das Arbeitsaufkommen als Popstar nicht mit dem seiner Ufo-Arbeit vereinen. Zu viel zu tun.
Ein unterhaltsamer Verschwörungsfreak sei er, sagen Freunde und Bandkollegen. DeLonge sei einer, der die Stelle kenne, wo Atlantis im Meer versunken sei, und er wisse, wer John F. Kennedy wirklich ermordet habe und dass Ufo-Forscher wie er nur lächerlich gemacht würden, weil die „ganze Wahrheit“ zu erschreckend wäre. Die Schwellen zwischen kindlicher Ufo-Faszination, Fachwissen und Irrsinn überschreitet DeLonge regelmäßig.
Er wusste zu viel
In die Kreise, in denen ihm mutmaßlich streng geheime Informationen des Pentagon zuteil wurden, rückte er nach eigenem Bekunden durch penetrantes Nerven – und weil er in Eigeninitiative Geheimnisse der US-Regierung lüftete. Offizielle seien danach an ihn herangetreten.
Ein Punkt scheint wahr: Als 2016 die E-Mails von Hillary Clinton durch Wikileaks öffentlich gemacht werden, finden sich darunter Mails von DeLonge an deren Wahlkampfleiter John Podesta. Er bittet um ein Treffen, es ginge um „wichtige Dinge“.
Alles weitere: streng geheim
Was DeLonge vom gängigen Verschwörungserzähler unterscheidet: Er bekleidet die Rolle des Experten, der von „denen da oben“ teilweise eingeweiht wurde. Er bescheinigt der US-Regierung, dass sie gut daran tue, diese schockierenden Erkenntnisse unter Verschluss zu halten. DeLonge sagt, er sei nun behilflich, die Wahrheit häppchenweise und schonend für die Welt aufzubereiten. Alles weitere, na klar: streng geheim.
„Besteht die Möglichkeit, dass Sie ein bisschen wahnsinnig sind?“, fragte ihn der Moderator einer Radiosendung. „Könnte man vermutlich annehmen“, sagt DeLonge. „Doch hier geht’s nicht um Science Fiction. Das ist alles sehr real – und die kommenden Jahre werden das belegen.“