Der frühere Porsche-Betriebsratschef Wie haben Sie die Tiefschläge verkraftet, Herr Hück?

Uwe Hück schaut teils reumütig auf sein Wirken bei Porsche und in der SPD zurück. Foto: dpa/Uli Deck

In unserer Serie „Wie geht es eigentlich . . . ?“ beleuchten wir Menschen, die aus dem Rampenlicht getreten sind. Heute: Uwe Hück, einst Gesamtbetriebsratschef von Porsche und Sozialdemokrat. Der 61-Jährige gibt sich reumütig.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Ein Boxer teilt aus und steckt Tiefschläge ein – auch nach K.-o.-Schlägen muss er wieder aufstehen. So wie Uwe Hück, Ex-Europameister im Thaiboxen. Er war bei Porsche ganz oben – langjähriger Betriebsratsvorsitzender und Aufsichtsratsvize, ein lautstarker Co-Manager. Dann der Absturz: Knall auf Fall gab er im Februar 2019, begleitet von allerlei Spekulationen, seine mächtige Position auf – offiziell, um in die Politik zu wechseln. Danach kam es noch ärger. Heute steht der 61-Jährige wieder fest auf den Füßen, als Boxer und als Mensch.

 

Von 2002 bis 2019 war Uwe Hück Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Porsche Foto: dpa/Marijan Murat

„In meiner Zeit bei Porsche haben wir gemeinsam vieles erreicht“, sagt Hück. Er hat mit dafür gesorgt, dass der Taycan in Zuffenhausen gebaut wird; auch durch sein Zutun ist Porsche heute eigenständig. Doch sei der Absprung vor fast fünf Jahren für ihn „ganz arg wichtig“ gewesen, denn „jetzt bin ich wieder der Mensch, der ich früher mal war“. In sich selbst aufzuräumen sei notwendig für den weiteren Werdegang.

Im Nachhinein vermisst er einen kritischen Ratgeber

35 Jahre lang hat er bei Porsche gearbeitet. „Da bleibt viel Freude“ – einerseits. Andererseits hat ihn der Machtkampf mit Volkswagen jede Menge Energie gekostet. Und „es hat meine Familie gekostet“, sagt der in Scheidung lebende Hück. Da frage er sich schon: „Warum habe ich mich nicht mehr um die Familie gekümmert? Warum stand nur noch Porsche im Mittelpunkt? Und wie geht man mit Menschen um? Hätte ich eine Auszeit nehmen müssen, um mich wieder zu besinnen?“ Er habe niemanden in seinem Umfeld zugelassen, der ihm auch mal ein kritisches Wort gesagt hätte.

Am meisten gelitten hat Hück unter den Spekulationen, dass er als Betriebsratschef beispielsweise an der Einstellung von befristeten Kräften verdient hätte oder dass Gelder von Bauunternehmen als Spenden in seine Lernstiftung geflossen seien mit dem Verdacht der Bestechlichkeit. Auch sah sich Porsche dem Vorwurf der betriebsverfassungsrechtlich unzulässig hohen Vergütung seiner Betriebsräte ausgesetzt – was politisch bis heute nachwirkt. Die staatsanwaltlichen Ermittlungen jedoch seien endgültig eingestellt worden, sagt Hück, denn „da gibt es nichts“. Gezahlt hat er einen mittleren sechsstelligen Betrag an gemeinnützige Organisationen, um das Verfahren abzukürzen.

Alle Verfahren gegen ihn seien eingestellt worden

Auch steuerrechtlich habe er sich keine großen Vergehen vorzuwerfen. Für einen rückwirkenden Zeitraum von zehn Jahren habe er seine gesamten Kontoauszüge vorlegen müssen. „Aber ich musste keinen Cent nachbezahlen.“ Überprüft wurden zudem bei Porsche nicht korrekt verbuchte geldwerte Vorteile, „wenn mich mal einer von zu Hause aus gefahren hat“, sagt er. „Da ist das eine oder andere nicht optimal abgerechnet worden.“ Doch dann habe „das Finanzamt klar und deutlich gesagt: Da gibt es solche Fälle, aber die sind nicht erheblich.“ Folglich sei auch dieses Verfahren eingestellt worden.

All die Vorwürfe hätten ihn „wirklich sehr zerrissen“. Das harte Leben als Waisenkind im Kinderheim habe ihn hart gemacht – ohne diese Erfahrung „hätte ich das jetzt wahrscheinlich nicht so durchgestanden“. Heute gehe es ihm wieder „relativ gut“, auch weil der Kontakt zu alten Weggefährten gehalten hat. Er habe noch immer einen Ausweis, der ihn zur Teilnahme an der Porsche-Hocketse auf dem Werkgelände berechtige. Zuletzt war er im Sommer da; scherzhaft sei diskutiert worden, „ob der Uwe zurückkommt“. Auch den Sieben-Stunden-Spendenlauf („ein Baby von mir und Oliver Blume“, dem Porsche-Chef) schaut er sich noch an.

Guten Kontakt zu Holger Härter und Wendelin Wiedeking

Ebenso funktioniert noch die Verbindung zu Holger Härter, dem früheren Finanzchef, und zum einstigen Vorstandsboss Wendelin Wiedeking, in dessen Stiftung er „mit Stolz“ noch immer Vorstandsmitglied ist. Spärlich sind offenbar die Kontakte zur Gewerkschaft geworden: Da hat er noch einen „sehr guten Kontakt“ zu Hans Baur, vormals Erster Bevollmächtigter in Stuttgart und sein damaliger „Mentor“. Ansonsten werde er aber immer ein IG-Metall-Mitglied bleiben.

Misserfolge musste Hück auch in der Politik einstecken. Für die SPD war er 2019 noch als Stimmenkönig in den Pforzheimer Gemeinderat eingezogen. Doch weil sich die Partei nach seiner Wahrnehmung so sehr verändert hat, trat er Ende 2020 nach fast 40 Jahren aus und gründete Anfang 2021 seine „Bürgerbewegung für Fortschritt und Wandel“, wo er aber kein Spitzenamt mehr wahrnehmen will. Auch gegenüber seiner alten politischen Heimat zeigt Hück sich reumütig: „Meine Auseinandersetzung mit der SPD war nicht immer angebracht, aber ich hätte es anders machen müssen – mit mehr Einfühlsamkeit und nicht mit der bolligen Art.“

Eine „herzliche Entschuldigung“

Das Gespräch ist fast zu Ende, da will er noch mal eines dick unterstreichen: „Ich bin zuletzt sehr kritisch mit mir umgegangen, das hätte ich aber früher machen müssen.“ Dies sei vielleicht sein größter Fehler. Denn „Macht frisst einen auf und führt zur Respektlosigkeit“. Wer anfängt zu schweben, müsse stets auf den Boden zurückkommen. Er wolle sich „ganz herzlich entschuldigen“ bei allen, denen er „zu nahe getreten“ sei, sagt Uwe Hück – als Mensch, nicht als Boxer.

Eine wechselhafte Karriere in Automobilindustrie und Politik

Porsche
 Der als Waise im Kinderheim aufgewachsene Uwe Hück begann am 1. April 1985 als gelernter Lackierer bei der Porsche AG. 1990 kam er in den Betriebsrat, 1997 wurde er zum Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats der Standorte Zuffenhausen/Ludwigsburg gewählt und 2002 auch der Porsche AG. 2007 wurde er Aufsichtsratsvize der Porsche Automobil Holding SE und 2010 der Porsche AG.

Politik
 1982 trat Hück in die SPD ein. 2005 unterstützte er die Wahlkampagne von Gerhard Schröder – mit dem er noch immer befreundet ist – und zählte später auch Ex-Parteichef Sigmar Gabriel zu seinen Freunden. Für die SPD zog er 2019 als Stimmenkönig in den Pforzheimer Gemeinderat ein. Ende 2020 trat er aus und gründete bald darauf die „Bürgerbewegung für Fortschritt und Wandel“, bei der er aber nicht mehr in der ersten Reihe stehen will.

Lernstiftung
 Vor zehn Jahren wurde die Lernstiftung Hück in Pforzheim gegründet. Mit Bildung und Sport unterstützt der Stifter benachteiligte und sozial schwache Jugendliche. Um die Stiftung weiter finanzieren zu können, hat er mit einem Partner sein „Sportzentrum Hück“ gegründet , wo die geförderten Kinder kostenfrei mittrainieren. Ebenso dienen seine Boxgagen diesem Zweck.  

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