Der Heidengraben soll touristisch erschlossen werden Das Dornröschen auf der Alb ziert sich noch

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Die drei Albgemeinden Erkenbrechtsweiler, Hülben und Grabenstetten wollen die keltische Befestigungsanlage besser vermarkten. Eine jetzt vorgestellte Veröffentlichung des Landesamts für Denkmalpflege gibt Hilfestellung.

Die  Rekonstruktion des  Zangentors bei Erkenbrechtsweiler Foto: Horst Rudel
Die Rekonstruktion des Zangentors bei Erkenbrechtsweiler Foto: Horst Rudel

Erkenbrechtsweiler - Der rund 200 Jahre vor unserer Zeitrechnung errichtete Heidengraben auf der Schwäbischen Alb sei die größte befestigte Siedlungsanlage, die es aus prähistorischer Zeit auf dem europäischen Kontinent gibt. Das sagt Gerd Stegmaier, der am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters an der Tübinger Eberhard Karls Universität lehrt. Diese schiere Größe – rund 170 Hektar, von strategisch angelegten Wällen geschütztes keltisches Siedlungsgebiet – sollte eigentlich ein Alleinstellungsmerkmal sein, darob jeder Tourismusförderer glänzende Augen bekommen müsste. Doch noch dämmert das große Kleinod auf der Vorderen Schwäbischen Alb in einem inzwischen zwei Jahrtausende währenden Dornröschenschlaf vor sich hin. Denn groß bedeutet bei einem Geländedenkmal immer auch gleich sperrig.

Unfassbare Dimension für den Laien

„Die Dimension ist für den Laien in ihrer Bedeutung nicht fassbar“, sagt denn auch Jörg Bofinger, der Referatsleiter für Archäologie am Landesamt für Denkmalpflege. Um den unfassbaren Heidengraben touristisch in den Griff zu bekommen, hat sein Haus vor drei Jahren zu einem Kolloquium eingeladen, dessen Titel „Befund – Rekonstruktion – Touristische Nutzung. Keltische Denkmale als Standortfaktor“ ähnlich sperrig daherkommt, wie das Original. Umso aufschlussreicher sind dagegen die nun in Buchform vorliegenden Ergebnisse der Tagung. In dem jetzt vorgestellten Band 72 der Reihe „Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg“ beschränkt sich das internationale Autorenteam nicht nur auf fachlich-archäologische Problemstellungen, sondern nimmt sich auch der Kernaspekte einer fachlich-touristischen Konzeption an.

An dieser touristischen Konzeption arbeiten die drei Standortgemeinden, neben Erkenbrechtsweiler zählen dazu noch die beiden Reutlinger Kreisgemeinden Hülben und Grabenstetten, schon seit geraumer Zeit. Sie haben ein gutes Stück des Wegs zum Erlebnisfeld Heidengraben zurückgelegt. Unweit der Gaststätte Burrenhof soll ein Zentrum entstehen, das, ähnlich wie ein keltischer Grabhügel gestaltet, als Ausgangspunkt für die touristische Erschließung des Heidengrabens gedacht ist. Drei halb in den Boden eingelassene kreisrunde Elemente bilden das Zentrum der Anlage.

Eines davon ist einer Hüle nachempfunden, der typischen, in erloschenen Vulkankegeln entstandenen Wasserstelle auf der Schwäbischen Alb. Das zweite erinnert an ein keltischen Hügelgrab, das dritte dient sich als Versammlungsplatz an. Im Innern der Grabhügel-Rekonstruktion soll eine 360-Grad-Panoramadarstellung einen Eindruck vom keltischen Leben am Heidengraben vermitteln. Von dort ausgehend erschließt ein Rundweg die Elsachstadt, das vermutete Siedlungszentrum der Wallanlage. Audiovisuelle Stationen entlang des Weges und ein über der Anlage schwebender Fesselballon, der den Besuchern den Blick von oben auf das Großdenkmal ermöglicht, runden das Konzept ab.

Keine Gebrauchsanleitung fürs Wachküssen

Das Buch benennt zwar mehrere andernorts mit Erfolg umgesetzte Vermarktungsstrategien. Wer sich davon eine allgemein gültige Gebrauchsanleitung zum Wachküssen eines keltischen Dornröschens erhofft hatte, den musste Jörg Bofinger enttäuschen. „Es gibt keinen Königsweg“, sagt der Wissenschaftler. Vielmehr zeige es sich, dass jeder Standort individuelle Lösungen benötige. Erkenbrechtsweiler, Grabenstetten und Hülben werden weiter ihren eigenen Weg gehen müssen – nun allerdings mit einem zusätzlichen Kompass in der Hand.