Wenn an diesem Donnerstag mal wieder Warntag im Land ist und die Sirenen auf den Dächern landauf, landab beweisen sollen, dass sie ordentlich Lärm machen können, dann ist im Landkreis vorwiegend Stille angesagt. Denn die Warnmelder auf öffentlichen Dächern, die mit ihrem schneidenden Ton alles durchdringen, gibt es hier so gut wie keine.
Beim Warntag 2020 war die Sirene in Dagersheim die einzige öffentliche Alarmanlage im Landkreis, die den Job des akustischen Katastrophenwarners übernahm. Am Donnerstag wird sich daran nichts ändern. Beim nächsten Warntag in drei Jahren könnte jedoch alles anders sein: Wenn alles gut läuft, ertönt der Warnsound dann von 312 Dächern in sämtlichen 26 Kreiskommunen.
Es werden deutlich mehr Sirenen notwendig
300 Sirenen werden gebraucht
„Wir sind dran, das Warnkonzept für den Landkreis umzusetzen“, sagt der stellvertretende Landrat Martin Wuttke. Die Experten seien bereits dabei, an einem flächendeckenden und einheitlichen Konzept zu feilen. Eines wurde dabei schon deutlich: Der Landkreis benötigt deutlich mehr Sirenen als geplant. Denn nicht nur der Lärm soll die Menschen aufrütteln, auch Warndurchsagen sollen von den Dächern aus möglich sein. Dafür braucht es über 300 spezielle Sirenen. Im vergangenen Jahr ging man im Landkreis noch von 200 aus.
In welchen Kommunen wie viele Sirenen notwendig sind und auf welchen Dächern die dann montiert werden – das herauszuarbeiten, ist derzeit der Job der Firma Bergmann Engeneering. Die Spezialisten aus dem schwäbischen Senden knobeln gerade an einem Konzept für den Landkreis. Die Ergebnisse sollen Ende des Jahres feststehen. Dann kommt es zum Schwur. Denn bezahlen müssen die Kommunen ihre Sirenen selbst, obwohl man im Landratsamt der Überzeugung ist, dass das eigentlich Bund- und Ländersache ist. „Das ist eine klassische Zivilschutzaufgabe“, sagt Martin Wuttke und hofft, dass der Bund irgendwann einen Fördertopf aufmachen wird. Denn billig werden die Investitionen in den Alarm nicht. Im vergangenen Jahr ging die Landkreisverwaltung von vier Millionen aus – für 200 Sirenen. Seither ist nicht nur die Anzahl der benötigten Sirenen gestiegen, sondern auch der Preis der Geräte.
Kommunen signalisierten Bereitschaft
Ebbt die Begeisterung ab?
Bisher haben laut Martin Wuttke alle Städte und Gemeinden im Landkreis versichert, bei der Sirenen-Initiative, die vom Landkreis koordiniert und organisiert wird, dabei zu sein. Ob dann auch alle das Geld aufbringen werden, muss die Zukunft zeigen. Denn die Bekenntnisse stammen aus einer Zeit, als die Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal noch in allen Köpfen präsent war. Dass die Begeisterung für die Warn-Infrastruktur angesichts der anstehenden Preise bei der einen oder anderen Kommune abebbt, ist nicht auszuschließen. Ob das Sirenen-Orchester im Landkreis beim nächsten Warntag dann mit 312 Stimmen tönt, muss sich weisen. Martin Wuttke hofft zumindest, dass mit dem Beginn des Jahres 2025 die ersten Dächer dafür ausgestattet werden.
Das Comeback der Sirenen
Warntag
Am Donnerstag, 14. September, findet der bundesweite Warntag statt. Dabei werden die Bürger zwischen 11 Uhr und 11.45 Uhr per Warn-Apps auf dem Handy, Radio und TV, Lautsprecherdurchsagen und Sirenen probeweise alarmiert. Mehr unter www.warnung-der-bevoelkerung.de .
Konzept
Das Sirenennetz des Kreises soll in das bereits existierende „Modulare Warnsystem“ des Bundes integriert werden. Aktuell besteht dieses aus Warnapps wie zum Beispiel „Nina“ und dem Warnkanal „Cell Broadcast“ Die unterschiedlichen Alarmvarianten sollen garantieren, dass vom Jugendlichen alle Menschen rund um die Uhr vor Gefahren gewarnt werden können.
Sirenen
Bis in die 1980er Jahre waren auf den Dächern vieler Gebäude in Deutschland Sirenen installiert. Jeden Samstag heulten die Geräte testweise. Mit dem Ende des Kalten Krieges in den 1990er Jahren wurden diese nach und nach abgebaut. Die aktuellen Krisen führten zu einem Umdenken und der Rückkehr der Alarmanlagen in modifizierter Form.