Der Lachclub aus Kirchheim unter Teck Vorsicht, ansteckend!

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Die Luft schießt mit bis zu hundert Stundenkilometern durch die Lunge, Lachen steigert die Lebensfreude. Deshalb trifft sich Claudia Lippkau in Kirchheim unter Teck regelmäßig mit Gleichgesinnten zum Lachen.

Kirchheim/Teck - Die Brauen heben sich, die Mundwinkel ziehen nach oben, die Augen werden zu Schlitzen, die Nasenlöcher weiten sich, die Luft schießt mit bis zu hundert Stundenkilometern durch die Lungen, der Atem geht stoßartig, die Stimmbänder werden in Schwingung versetzt. Das Herz schlägt schneller, pumpt brausendes Blut durch den Körper.

Lachen – Claudia Lippkau ist Expertin darin. Ihre großen weißen Zähne sind viel an der frischen Luft. Die resolute Frau berät seit Jahren Unternehmer und Banker, ist tief drin in der Businesswelt. Doch irgendwann hat sie gemerkt: „Das Leben ist oft ätzend trocken.“ Da hatte Claudia Lippkau eine Idee.

Jetzt ist Montagabend in Kirchheim unter Teck, und gleich kommen Claudias Lacher, wie sie sich selbst nennen. Heute wollen sie nach draußen gehen, in den neuen Stadtpark.

Es klingelt. Claudia springt auf, öffnet die Tür. Ein lautes Hallo, Claudia umarmt Anita, schaut über deren Schulter zum Himmel: „Ha wie! Kommat do doch dunkle Wolka?“ Kaum haben sich die beiden gesetzt, läutet es wieder, Edeltraud steht vor der Tür. „Ja, hallo, warom hosch jetzt du so dunkle Wolka mitbrocht?“ Schrilles Gelächter. „Jetzt lass mr die Tür oifach offa.“ Wolfgang tritt ein, dann Heike, schließlich Carmen. „Wo isch denn die Anja heut?“ –   „Die hot abgesagt, die hot’s arg mit em Maga, richtig übel, dr Bauch isch ganz hart.“ – „Au ja, Maga-Darm, des goht grad rom auf dr Alb, do liegat se alle flach.“  Heike lacht laut und schallend.

Immer montags und donnerstags

Und wer kommt noch von den Montagslachern? „D’Marianne und dr Günder hen scho ogrufa, die kommat au glei.“ Alle reden durcheinander. „Sag amol, dr Bernward, der isch grad wieder z’schbät.“ Plötzlich steht Bernward in der Tür. „I han euch scho bis vorna ans Eck läschdra ghert!“ Bernward fühlt sich sichtlich wohl im Mittelpunkt, er klopft Sprüche: „I han dr Claudia gschrieba: Komme pünktlich. Fünf nach sieben.“ Alle kreischen über Bernwards Witzle. Er drückt Claudia eine kleine Schachtel in die Hand. Es ist eine Buddha-Statue drin. „Wenn du lächelst, geht die Sonne auf“, steht da. Er grinst, und sie umarmt ihn herzlich. Was gibt es mehr zu sagen?

Edeltraud lässt sich auf die breite Couch fallen. Die Räume von Claudias „Lachschmiede“ sind in hellem Gelb gestrichen, das Mobiliar: weiß, hellbraun, unauffällig. Hierher kommen zweimal die Woche die Lacher, immer montags und donnerstags. Die meisten von ihnen seit Jahren regelmäßig. Sie malen nicht Aquarell, üben kein Bauch-Beine-Po und pauken keine Französisch-Vokabeln zusammen. Sie lachen.

Claudia sagt dazu „Lachyoga“. Sie unterrichtet es seit 2008. Doch das Wort Unterrichten mag sie nicht. „Wir trainieren gemeinsam.“

Lachen trainieren. Das hört sich schräg an. Entweder es gibt etwas Lustiges oder nicht. „Das ist genau das Problem. Wir werden so erzogen, dass wir nur noch fröhlich sind, wenn wir einen Grund haben“, sagt Claudia. Ein Kind lache aber auch ohne Anlass. Und das sei gesund.