„Der Liebling des Himmels“ – Komödie mit Axel Milberg Alles wird gut!

Von Thomas Gehringer 

In Dani Levys wahnsinniger Komödie „Der Liebling des Himmels“ glänzt nicht nur Axel Milberg als Psychiater – auch Günther Jauch und Mario Adorf mischen mit.

Für Doktor  Magnus Sorel (Axel Milberg) ist seine Umwelt eine  Bedrohung. Foto:  
Für Doktor Magnus Sorel (Axel Milberg) ist seine Umwelt eine Bedrohung. Foto:  

Hamburg - Magnus Sorel ist ein erfolgreicher und prominenter Psychotherapeut in Hamburg. Wenn er seine Praxis betritt, schenkt er den beiden Sekretärinnen ein lautes, gekünsteltes Lachen und immer den gleichen Begrüßungssatz: „Carpe diem, meine Damen.“ Dass sich hinter Sorels jovialer Maske eine gestörte Persönlichkeit verbirgt, weiß eigentlich jeder, nur der Therapeut selbst hält sich natürlich für vollkommen gesund. Sorel zählt jeden Schritt, jedes Blatt Toilettenpapier, jede Minute, die jemand zu spät kommt. Sein Tablet meldet ihm fortwährend neue Termine wie „Duschen“ oder „Schlafen“. Er riecht, schmeckt und hört alles intensiver als andere Menschen, aber als sensibel kann man ihn nicht gerade bezeichnen. Andere Menschen ekeln ihn an. Und das sagt oder zeigt er ihnen auch, insbesondere seinen Patienten.

Ab und zu werden „Tatort“-Kommissare von den jeweils verantwortlichen ARD-Sendern mit zusätzlichen Hauptrollen beschenkt. Das muss nicht automatisch ein Vergnügen sein, aber Axel Milberg als Psychotherapeut mit Zwangsstörungen und sozialer Phobie in einer Komödie von Dani Levy („Alles auf Zucker“), das darf man wohl vielversprechend nennen. Und tatsächlich ist „Der Liebling des Himmels“, finanziert vom NDR und der ARD-Filmtochter Degeto, wieder einmal ein Beispiel dafür, dass es auf dem Süßstoff-Sendeplatz am Freitagabend mittlerweile ambitioniert zugeht.

Günther Jauch und Mario Adorf sind auch dabei

Hier sitzt Karl Dall auf Sorels Couch, zudem lädt Günther Jauch den Therapeuten in seine Sendung ein, und Mario Adorf hockt als Sorels Vater im Stadtindianer-Look am Hamburger Strand. Doch die tragende weibliche Nebenrolle hat Levy mit einem im Fernsehen unbekannten Gesicht besetzt: Andreja Schneider von den „Geschwister Pfister“ spielt Masha Kovacevic, eine Patientin, die Sorel wegen ihrer impulsiven, lauten Art und ihrer üppigen Weiblichkeit besonders abstoßend findet. Mashas Schwitzflecken, ein nackter Transvestit und Sorels lebenskluge, aber krebskranke Ex-Frau (Jenny Schily), deren Krankheitssymptome nicht hübsch geschminkt versteckt werden – in dieser Komödie geht es explizit und auch mal derb und dreckig zu.

Denn für den Therapeuten ist die Welt da draußen die „Wildnis“, deren Zumutungen er sich vom Leib halten will. Aber dann geschehen verhängnisvolle Dinge: Masha zeigt den Therapeuten wegen sexueller Nötigung an, und Sorels Tagebücher, Zeugnisse seines Ekels vor den Mitmenschen, werden bei einem Einbruch gestohlen. Ein Erpresser verlangt 100 000 Euro – und erhöht die Summe verärgert auf 150 000, weil Sorel ihm ein altes Familien-Erbstück anbietet, statt es an seinen Sohn Leo (Jakub Gierszal) weiter zu geben. Auch sonst bietet der Autor und Regisseur Levy absonderlich-komische Figuren wie das Schläger-Duo Waczek und Vaczek oder Sorels fürsorgliche Sekretärin Barbara von Lausitz (Anna Böger) auf. Nebenbei werden noch der Medien-Zirkus und das multikulturelle Leben im Schanzenviertel aufs Korn genommen. Eigentlich ein Overkill an Motiven, Figuren und Anspielungen auf eine neurotische Gesellschaft.

Aber Milberg hält den Wahnsinn zusammen. Mit Vollbart und einer wunderbaren Mischung aus Unbeholfenheit und Verständnislosigkeit stolpert er als Soziopath Sorel durch die „Wildnis“. Seine Floskeln aus dem Therapeuten-Sprachbaukasten wirken immer absurder, dafür bewahrheitet sich ausgerechnet die Aussage, die Sorel für den „verlogensten Satz unserer Zeit“ hält: „Alles wird gut.“ Mit dem unerwartet positiven Ende schert der Film dann doch noch auf den alten Degeto-Kurs ein. „Ein Film, der am Freitag zur Primetime im Fernsehen läuft, sollte das Publikum mit einem Happy End im weitesten Sinne gut entlassen“, sagt Dani Levy.

ARD,
20.15 Uhr