Der Mordfall Susanna Ali B. im Alleingang aus Kurdistan geholt

Der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, ist kein gelernter Polizist, sondern Verwaltungsjurist. Foto: dpa
Der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, ist kein gelernter Polizist, sondern Verwaltungsjurist. Foto: dpa

Es war ein diplomatisch heikles Husarenstück: Der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, holte den mutmaßlichen Mörder von Susanna, Ali B., persönlich aus der kurdischen Regionalhauptstadt Erbil ab. Dies gelang nur aufgrund seiner guten Kontakte.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)
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Stuttgart - Als „Held“ wird Dieter Romann schon vom Boulevard gefeiert, als „Rominator“. Grund ist ein spektakulärer Einsatz: Der Präsident der Bundespolizei hat Ali B. in einer Lufthansa-Maschine aus der kurdischen Hauptstadt Erbil nach Frankfurt gebracht – also den 20-jährigen Iraker, der nach eigenem Geständnis die 14-jährige Susanna getötet hat.

Es soll ein spontaner Alleingang Romanns gewesen sein, ohne offizielle Zustimmung von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und gegen die Bedenken von Außen- und Justizministerium, die sonst für Auslieferungsverfahren zuständig sind. Darüber setzte sich der oberste Bundespolizist offenbar hinweg: Er nutzte seine privaten Kontakte zur Familie des früheren Kurden-Präsidenten Massud Barsani und brachte die Sache ins Rollen. Ohne den Barsani-Clan läuft nichts im Nordirak.

Ein „hervorragender Verwaltungsjurist“

Romann war mal deutscher Karate-Meister – ein Rambo ist er nicht. Er ist nicht einmal ein gelernter Polizist, sondern ein Verwaltungsbeamter. Ernst G. Walter, Vorsitzender der Bundespolizeigewerkschaft, kennt den 56-jährigen Behördenchef seit vielen Jahren. „Der ist ein hervorragender Verwaltungsjurist und weiß genau, was er zu tun hat“, sagt Walter. Damit alles rechtlich sauber abläuft, sei er wohl auch mit nach Erbil geflogen. „Da kann man sich auf ihn verlassen“, setzt der Gewerkschafter hinzu. „Er ist ein konsequenter Verfechter dieses Rechtsstaates und ein toller Chef, das muss man wirklich sagen.“ Romanns Verbindungen zu ausländischen Sicherheitskräften seien zudem als sehr gut bekannt, was zur Schnelligkeit der Aktion maßgeblich beigetragen habe.

In der Tat handelte es sich um ein diplomatisch heikles Husarenstück, nachdem Ali B. in seiner Heimatstadt Zakho aufgrund eines internationalen Haftbefehls überwältigt worden war. Von deutscher Seite wird nun Wert auf die Feststellung gelegt, dass die Kurden ihn abgeschoben hätten. Für Romann bedeutete dies, dass er irakischen Boden nicht betreten wollte. Vielmehr wurde ihm Ali B. am Samstagnachmittag gegen 17 Uhr direkt an Bord geliefert. Die GSG-9-Bundespolizisten seien lediglich zum Schutz der Lufthansa-Maschine eingesetzt gewesen, heißt es – eine übliche Maßnahme, wie Walter hinzusetzt. Andere Staaten würden ihre „Schüblinge“ auch mit eigenen Kräften aus Deutschland abholen. Von der deutschen Polizei festgenommen wurde Ali B. erst in Frankfurt, bevor er einem hessischen SEK übergeben wurde.

Beziehungen zu Erbil abgekühlt

Romann – der „Verfechter des Rechtsstaats“ – nutzte freilich auch die mangelhafte Gerichtsbarkeit in Kurdistan aus, denn sonst hätte die Regionalregierung Ali B. nicht ohne großes Federlesen herausgerückt. Dies kam überraschend, denn Berlin und Erbil hatten zwar über Jahre sehr gut harmoniert, nachdem die Bundeswehr die Peschmerga-Miliz für den Kampf gegen die IS-Milizen aufgerüstet hatte. Aufgrund der kurdischen Unabhängigkeitsbestrebungen jedoch hatte sich die Bundesregierung wieder verstärkt der Zentralregierung in Bagdad zugewandt. Dies ließ ein quälendes Auslieferungsverfahren befürchten – bis Dieter Romann die Initiative ergriff.




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