InterviewDer Schlagerstar Dieter Thomas Kuhn Ich rocke!

Der Schlagerstar privat in seiner Werkstatt Foto: dpa
Der Schlagerstar privat in seiner Werkstatt Foto: dpa

Der Schlagersänger Dieter Thomas Kuhn ist 50 Jahre alt geworden. Ein Gespräch über männlichen Freiheitsdrang und schwäbische Heimatliebe.

TübingenDieter Thomas Kuhn sitzt im Besprechungsraum seines Tübinger Konzertveranstalters und packt die letzten Geschenke aus, die ihm Fans zum Geburtstag geschickt haben: eine Flasche Crémant, eine Schachtel Mon Cherie und eine kuhfellbesetzte Brieftasche. Büstenhalter, wie sie dem Schlagerbarden einst dutzendweise zuflogen, sind nicht mehr darunter. Kuhn ist jetzt 50, als „singende Föhnwelle“ füllt er noch immer die größten Hallen der Republik.

Herr Kuhn, haben Sie die Feier zu Ihrem runden Geburtstag gut überstanden?
Am Tag danach habe ich mich etwas träge gefühlt, aber trotzdem tapfer die Partylocation aufgeräumt. Ich besitze mit meinen Freunden gleich hier um die Ecke eine Werkstatt, da gibt’s eine Hebebühne, Sofas und einen Kühlschrank. Normalerweise schrauben wir in der Halle an unseren Karren herum, aber ab und an machen wir dort auch gerne mal ein Fass auf.
Sie besitzen einen Porsche und eine Harley-Davidson – das sieht für mich nach schwerer Midlife-Crisis aus.
Gegen diese These spricht, dass ich meine Vorliebe für alte Porsche 911er bereits sehr lange pflege und schon als Führerscheinneuling eine Kawasaki-Enduro fuhr. Zugegebenermaßen flammte meine Leidenschaft für Motorräder erst vor ein paar Jahren wieder auf. Ich habe mir damals eine Harley Shovelhead gekauft, die genauso alt ist wie ich: Baujahr 65. Geiles Teil.
Wenn man die Unfallstatistik betrachtet, sind ältere Wiedereinsteiger besonders gefährdet. Was sagt Ihre Lebensgefährtin dazu, dass Sie sich als 50-jähriger Familienvater in den Motorradsattel schwingen?
Darüber wurde nicht diskutiert. Manche Teile meines Lebens gehören mir alleine. Ab und zu mache ich mit meinen Freunden einen Trip über die Schwäbische Alb oder in den Schwarzwald. Unsere Maschinen haben keine Soziussitze, die Frauen bleiben also zu Hause, und wir Männer genießen unsere Freiheit.
Ist diese Freiheitsliebe auch der Grund dafür, dass Sie Ihre Partnerin noch nicht geheiratet haben, obwohl Sie gemeinsam eine neunjährige Tochter haben?
Wenn Sie mir einen guten Grund zum Heiraten nennen können, werde ich sofort aufs Standesamt gehen.
Sie könnten Ihrer langjährigen Partnerin damit zeigen, dass Sie Ihr Ein und Alles ist. Schließlich sind Sie als Schlagerstar viel unterwegs und werden ständig von weiblichen Fans angebaggert . . .
Schön wär’s. Im Ernst: meine Freundin vertraut mir auch ohne Trauschein. Ich habe sie übrigens nach einem meiner Konzerte kennengelernt. Sie weiß also, auf was sie sich mit mir eingelassen hat.
Verstehe: Sie singen zwar deutsche Schlager, sind im Herzen aber ein Rock ’n’ Roller.
Grundsätzlich habe ich keine Lust, mich in irgendeine Schublade stecken zu lassen. Unsere Konzerte haben aber durchaus den Charakter von Rockkonzerten: Wir spielen schnell und laut. Insofern bin ich tatsächlich eher ein Rock ’n’ Roller als ein Schlagersänger.
Sie haben bereits vor anderthalb Jahrzehnten in einem StZ- Interview erklärt, dass der Schlager eigentlich nicht Ihre Welt sei. Dennoch interpretieren Sie bis heute Songs von Rex Gildo, Michael Holm oder Bata Illic.
Richtig ist, dass meine musikalische Sozialisation nicht durch deutsche Schlagersänger stattfand, sondern durch internationale Popstars wie Steely Dan, Cat Stevens oder Barbra Streisand. Gleichwohl haben mich Songs wie „Und es war Sommer“ von Peter Maffay schon als Teenager berührt. Und inzwischen identifiziere ich mich mit allem, was ich auf der Bühne singe.
Können Sie sich auch mit Ihrem Publikum identifizieren?
Wenn man eine Masse bedient, folgt daraus automatisch, dass es innerhalb dieser Masse Menschen gibt, die ähnlich ticken wie man selbst, aber auch Menschen, mit denen einen wenig verbindet. Wir schließen niemanden aus, und ich glaube, dass dieser umarmende Faktor für viele Fans ganz wichtig ist. Unsere Konzerte sind ­Gemeinschaftserlebnisse. Das ist unbeschreiblich: Die Leute kommen alle meinetwegen, wollen mich sehen, mich hören, mit mir feiern. Das hat was Berauschendes.



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