Der siebte Ehrenbürger der Stadt Gerlingen Ein heiteres Fest für Albrecht Sellner

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Albrecht Sellner, Bürgermeister in Gerlingen von 1983 bis 1999 und bis heute ehrenamtlich in der Stadt engagiert, ist jetzt an seinem 80. Geburtstag mit der Würde eines Ehrenbürgers ausgezeichnet worden.

Georg Brenner (rechts) Foto: factum/Granville
Georg Brenner (rechts) Foto: factum/Granville

Gerlingen - Er ist der siebte Ehrenbürger der Stadt Gerlingen, und der einzige, der noch lebt. Die Auszeichnung ist Albrecht Sellner am Montag im Rahmen eines heiteren wie besinnlichen Festes verliehen worden. Ein seltenes Ereignis: mit der höchsten Auszeichnung der Stadt gehen Verwaltung und Gemeinderat sparsam um. Zum letzten Mal war 1983 Wilhelm Eberhard zum Ehrenbürger ernannt worden, der legendäre Bürgermeister, der von 1955 bis 1983 an der Rathausspitze stand.

Viel Prominenz war im Rathaus erschienen, und das strahlende Geburtstagskind musste schon vor Beginn Dutzende Hände schütteln. Sellner sei ein echter Gerlinger, sagte der Bürgermeister Georg Brenner in seiner Laudatio, drei seiner großelterlichen Familien mit den bekannten Namen Maisch, Höschele und Heck ließen sich im Ort bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Der 80-Jährige habe nach seiner Zeit im Stuttgarter Rechtsamt seit 1978 im Gerlinger Rathaus gewirkt, als Erster Beigeordneter und 16 Jahre lang als Bürgermeister. Zudem sei er 13 Jahre lang für seine Stadt und die CDU als Gemeinderat und 30 Jahre lang im Kreistag aktiv gewesen.

Die Stadtbahn bis in die Stadtmitte geholt

Brenner würdigte nicht nur die bekannten Ämter des zu Ehrenden, sondern auch viele andere Aufgaben – unter anderem die relativ klein erscheinende als jüngster Redner bei der Volkstrauertagsfeier 1961. Eine größere Aufgabe hingegen war die Kunstsammlung der Stadt. Sellner hatte diese aufgebaut – und viele bedeutende Künstler hatten der Stadt gar ein Werk geschenkt. 800 Bilder lagern im Depot – einige waren für den Geehrten an diesem Abend ausgestellt. „Albrecht Selnner hat uns die Kunst nahegebracht und uns Einblicke gegeben in die Seele von Künstlern“, sagte Brenner. Sellner habe sich auch um die Ordnung in Gerlingens Innenstadt gekümmert, mit der U-6-Endhaltestelle und der Stadtsanierung, er habe wichtige Bauten verantwortet, das gesellschaftliche Leben gestärkt und Partnerschaften zu Tata (Ungarn) und Seaham (England) begründet. Er sei „ein Mann der Kommunikation, der zu allen Zeiten kooperativ vorgegangen ist, ein Mann der verbindlichen und verbindenden Worte“. Brenner: „Albrecht Sellner ist ein Vorzeigebürger Gerlingens.“

Für den Gemeinderat würdigte Horst Arzt (Freie Wähler), der dienstälteste Bürgermeister und stellvertretender Bürgermeister im Ehrenamt, Sellner als „den Bürger, dem man nachfolgen muss“. Der Gemeinderat sei „gespannt gewesen wie ein Flitzebogen, ob du annimmst“. Denn bisher hatte der Bürgermeister im Ruhestand alle Ehrungen abgelehnt. Und Stan Cudlip, Sellners Pendant in Seaham, bedankte sich für jahrzehntelange Freundschaft, die aus offiziellen Kontakte im Rahmen der Städtepartnerschaft erwachsen sei.

„Ich werde auch künftig beim Bäcker hinten anstehen“

Sellner selbst dankte „für lobende und hochlöbliche Worte, die wie aus einem barocken Füllhorn über mich ausgegossen wurden“, sprach deutlich und entschlossen, lächelnd und blinzelnd ins Publikum – seine Worte wurden sogar per Internet zu einem Teil seiner Familie nach Übersee übertragen. Er habe sich nach der Auszeichnung nicht gedrängt. „Ich habe meine Arbeit gerne getan und freue mich, dass sie gewürdigt wird.“ Und er hatte die Lacher auf seiner Seite, als er verkündete: „Ich werde auch künftig beim Brezelkaufen beim Bäcker hinten anstehen.“ Für allseitiges Schmunzeln sorgte auch die Erkenntnis aus dem Stadtarchiv, die der Jubilar kund tat: er sei der 50. Bürgermeister Gerlingens gewesen.

In der Stadtpolitik müsse man immer wieder Neues wagen, meinte er mit dem Hinweis darauf, dass zur Zeit so viel Abriss und Neuanfang stattfinde wie seit den Sechzigerjahren nicht mehr. Die Kultur sei ihm immer wichtig gewesen – Investitionen in diese seien zwar kurzfristig nicht rentabel, steigerten aber das Wohlbefinden der Bürger. Sein Fazit, so Sellner: Er habe in seiner Arbeit „im Großen und Ganzen einen guten Klang gefunden“. Dann sprach der Geehrte noch einen großen Dank aus, in zwei Richtungen: an seine ehemaligen Mitarbeiter und an seine Frau Heidi – ohne sie „hätte ich ein so schaffiges Leben nicht führen können“.

Dann wurde es sehr vertraut: Sellners Söhne Michael und Jan griffen zur Gitarre und sangen, jeder für sich und die anderen im Saal, eigene Lieder für und über „den Vadder“, mit einer Schau privater Bilder unterlegt. Der eine zählte viele der Begriffe auf, mit denen man den Geehrten titulierte, vom „Gemeinderätler“ und „Zwetschgenschüttler“ über den „Grünteetrinker“ und „Straßenbahner“, den „Konstanzfahrer“ und „Vortragsschreiber“ bis zum „Grossi“ – den Kosenamen für seine vier Enkel. Michael Sellner packte die Kurzform für den Großvater in den Refrain: „Wir nennen ihn den Grossi, den besten Grossi“. Herzergreifend auch, als Jan Sellner den Vater würdigte, auf seine „Heimatverbundenheit und den Blick für draußen“ hinwies. Die Liebe eines Sohnes packte er in ein eigenes schwäbisches Lied. „A Mole, des hot sei Stückle gschafft“, hieß es darin unter anderem. Und zum Schluss, nach dem Trio der Jugendmusikschule mit dem „Blumenwalzer“ von Ernesto Köhler, spielte ganz unverhofft der Musikverein. Natürlich „Happy birthday“ – aber als verswingte und erweiterte Version. Und die 200 Menschen im Saal, die erwiesen sich als ziemlich textsicher. „Zum Geburtstag viel Glück!“