Der Vorstand der Diakoniestation Bietigheim-Bissingen wirft hin Kleiner Auslöser, großer Flurschaden

Von Susanne Mathes 

Wegen interner Querelen wirft der Vorstand der Bietigheimer Diakoniestation hin. Die Träger sind entsetzt. Sie fürchten, dass das Ansehen der Einrichtung Schaden nimmt.

Ambulante Pflege ist eine der Aufgaben der Diakoniestation. Derzeit ist die Einrichtung aber nicht wegen ihrer Arbeit im Gespräch, sondern wegen Querelen in der Chef-Etage. Foto: dpa/Daniel Bockwoldt
Ambulante Pflege ist eine der Aufgaben der Diakoniestation. Derzeit ist die Einrichtung aber nicht wegen ihrer Arbeit im Gespräch, sondern wegen Querelen in der Chef-Etage. Foto: dpa/Daniel Bockwoldt

Bietigheim-Bissingen - Noch sind Manfred Graf, Rudolf Bayer und Christoph Küenzlen, das Vorstands-Trio der Diakoniestation Bietigheim-Bissingen, mit freundlich dreinblickenden Konterfeis auf der Homepage der Station abgebildet. In Wirklichkeit kann auf der Führungsebene derzeit aber von guter Laune nicht mehr die Rede sein. Die drei Vorstandsmitglieder haben hingeschmissen.

In einem Brief an die Mitgliederversammlung, der zunächst der Bietigheimer Zeitung zugespielt worden war, begründen sie das mit einem nicht überwindbaren Dissens zwischen Rolf Schnee, dem Verwalter der Diakonie-Stiftung, und Ute Epple, der Geschäftsführerin der Diakoniestation. Sie sparen in dem Schreiben nicht mit Pathos: „Wir haben entschieden, für unser Scheitern ein Zeichen zu setzen und lieber zu gehen, als unser christliches Menschenbild aufzugeben.“

Monatelanges Ringen

Der Auslöser des geschlossenen Rücktritts scheint – in Relation zu der fatalen Außenwirkung – als Bagatelle: Spaltpilz war ein monatelang schwelender, interner Streit um ein Zimmer im Gebäude der Diakoniestation. Rolf Schnee beansprucht dort einen Büroraum, bekam ihn aber nicht. Der Stiftungs-Verwalter war Ute Epples Vorgänger als Geschäftsführer, das Verhältnis der beiden gilt als belastet. Das Gebäude indes gehört der Stiftung, die Diakoniestation ist dort Mieterin. Weil monatelanges Ringen auf keinen grünen Zweig führte, hört nun der ganze Vorstand auf. Sie wollten sich nicht zum Richter aufschwingen, schreiben Graf, Bayer und Küenzlen. Aber: „Wenn wir als Vorstände und die Geschäftsführung nicht das vorleben, was wir als frohe Botschaft erkannt haben, machen wir uns unglaubwürdig.“

Die Träger der Station – das sind die evangelischen Gemeinden Bissingen, Bietigheim und Metterzimmern, die evangelisch-methodistische Kirche Bietigheim und die katholische Kirche Bietigheim-Bissingen – haben nun ein Problem. Sie fürchten, dass der Rücktritt die Arbeit der Diakoniestation selbst, die mit rund 100 Mitarbeitern unter anderem ambulante Pflege, Tagespflege und Demenzgruppen betreibt, in Misskredit bringt. Immerhin besteht die Vorstandsriege aus honorigen Bürgern und Multiplikatoren. Manfred Graf ist Ehrenamtspreisträger der Bürgerstiftung, Rudolf Bayer angesehener Galerist, Christoph Küenzlen Arzt.

Die Träger dringen auf eine „professionelle Lösung“

Die Sache sei zutiefst unerfreulich und traurig, kommentiert der geschäftsführende Pfarrer Bernhard Ritter den Vorgang. „Wir bedauern, dass der Konflikt durch die Weitergabe eines vertraulichen Dokumentes in die Öffentlichkeit getragen wurde“, erklärt er im Namen der Träger. Die Vorwürfe gegen die Geschäftsführerin seien nicht haltbar, die Träger teilten sie in keiner Weise: „Wir waren und sind mit ihrer Arbeit sehr zufrieden.“ Ute Epple möchte sich zu den Vorgang nicht äußern. Auch Noch-Vorstandsvorsitzender Manfred Graf will nichts mehr zu dem Thema sagen. An den im Rücktrittsschreiben aufgeführten Argumenten habe sich indes nichts geändert. „Jetzt gibt es aber bald einen neuen Vorstand. Und dann wird alles prima weiterlaufen“, sagt er.

Die neue Führung soll am Montag bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung gewählt werden. Der neue Vorstand und die Versammlung müssten den Konflikt dringend zu einer professionellen Lösung führen, mahnt Bernhard Ritter. „Wir gehen davon aus, dass alle Beteiligten sich ihrer Verantwortung für die sehr gute Arbeit der Diakoniestation bewusst sind.“