Als er seinen allerersten Heizlüfter kaufte, hatte Rainer Dietrich noch nicht mal ein wenig Flaum am Kinn. Auf einem Flohmarkt entdeckte er das gute Stück, exakt zwei Mark wollte der Händler für den immerhin noch funktionstüchtigen Wärmespender haben. Gedacht war der Heizlüfter als Ersatzgerät fürs Elternhaus, wohl niemand wäre seinerzeit auf die Idee gekommen, dass sich aus dem Spontankauf eine wahre Sammelleidenschaft entwickelt.
Doch jetzt, gut fünf Jahrzehnte später, ist der Design-Liebhaber aus Schorndorf nicht nur stolzer Besitzer von gut 150 Heizlüftern. Der 66-jährige Technik-Fan kann mit seiner ungewöhnlichen Sammlung auch erstmals ein Museum bespielen. Unter der Überschrift „Alles nur heiße Luft“ findet im bayerischen Amberg derzeit eine Sonderausstellung statt, in der die aus den 1950er bis 1970er Jahren stammende Kollektion zu sehen ist – und auf begeisterte Resonanz stößt.
Von der elektrisch betriebenen Zuckerdose bis zur fliegenden Untertasse
Der Bayerische Rundfunk war schon da, um über die zeitgeschichtliche Kuriosität zu berichten, die Süddeutsche Zeitung hat der Heizlüfter-Schau einen seitengroßen Artikel gewidmet. Denn so viel wie der Heizlüfter kann kaum ein Elektrogerät über den Wandel der Designmoden erzählen. Große Gestalter wie etwa Dieter Rams haben sich mit den einst in kaum einem Haushalt fehlenden Wärmespendern befasst, sein aus dem Jahr 1959 stammender HL1 hat wegen seiner trotz 2000 Watt Leistung kompakten Maße gar den Spitznamen „Backstein“ bekommen.
Zu den Klassikern zählen aber auch die Heizlüfter-Kugeln HK2000 der Firma Zanker in bestechenden Pop-Art-Farben, ein Gerät der längst vergessenen Marke Umbratherm erinnert in seiner Gestaltung an eine Zuckerdose, andere wie der feuerrote THG 70054 sind wie eine fliegende Untertasse designt. Der „Sofono“ mutet auf seinen schlanken Beinchen wie ein Lautsprecher an, der „Planeta“ wie ein hübscher kleiner Kachelofen, die „Ostra Raumrakete“ scheint kurz davor, mit einem Knall in den Heizlüfter-Himmel zu entschweben. Ein Gerät der Firma Ludwig Martin aus dem nordhessischen Sinn hat einen ganz besonderen Look und erinnert an einen Gitarren-Verstärker.
Sammler Dietrich: „Als Ebay aufkam ist die Sache etwas eskaliert“
„Mir haben die Geräte einfach gefallen, auf Flohmärkten habe ich immer wieder mal ein ausgefallenes Stück entdeckt. Als dann Ebay aufkam, ist die Sache etwas eskaliert“, erzählt Rainer Dietrich über seine Marotte. Heizlüfter spiegeln den Zeitgeist, doch mehr noch, sie haben ihn schon weiland im Winter als durchgefrorenes Kind glücklich gemacht. „Für mich sind sie ein Symbol für Gemütlichkeit und Geborgenheit“, sagt der Schorndorfer, der sich auch beruflich mit Energieberatung befasst. Seine Brötchen verdient der Heizlüfter-Fan mit der Planung von Heizanlagen für große Gewächshäuser und die Gartenabteilungen der Baumarktbranche – ein Job, der nicht weit von der Sammelleidenschaft des Privatmanns entfernt ist.
Weshalb aufs Design von Heizlüftern in vergangenen Jahrzehnten so viel Wert gelegt worden ist, liegt auf der Hand: Die Geräte dienten als Überbrückung, bis Kamin und Kachelofen warm geworden sind – und sollten in Wirtschaftswunderzeiten deshalb nicht nur zur Einrichtung passen, sondern auch optisch etwas hermachen. Weltmarken wie Siemens, Phillips oder auch AEG haben sich mit Heizlüftern befasst, vor allem aber kleine Firmen von Garagen-Tüftlern, die kaum noch jemand kennt. Technisch eint die Geräte das immer gleiche Bauprinzip: Ein wie ein Toaster aus Heizdrähten bestehendes Wärmeelement wird mit einem kleinen Ventilator kombiniert, um die heiße Luft in den Raum zu pusten. Das war so einfach wie kostenintensiv – zumindest mit Blick auf die Strompreise heutiger Tage. Dennoch hat der Heizlüfter ausgerechnet mit dem russischen Überfall auf die Ukraine ein Revival erlebt – wegen der Preissprünge beim Öl und des befürchteten Ausfalls der Gasversorgung waren die kleinen Elektro-Öfen stark gefragt.
Die Ausstellung „Alles nur heiße Luft“ kann bis zum 21. April im Luftmuseum in Amberg besichtigt werden, geöffnet ist mittwochs und donnerstags von 14 bis 17 Uhr, freitags, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Sammler Rainer Dietrich hat unter der Adresse www.heizluefter-museum.de auch eine Homepage ins Netz gestellt. Und wer weiß: Vielleicht wird seine Kollektion eines Tages nicht nur in Bayern gezeigt.