Dettingen Turmfalken sind wieder online

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Ein Vogelpaar nistet im Kirchturm und wird per Webcam gefilmt. Auch Dohlen suchen einen Brutplatz.

Hier ein Foto aus dem Vorjahr. Bis zur Eiablage dauert es noch einige Tage. Foto: Nabu
Hier ein Foto aus dem Vorjahr. Bis zur Eiablage dauert es noch einige Tage. Foto: Nabu

Dettingen - Im vergangenen Jahr hat das Dettinger Turmfalkenpaar um diese Jahreszeit bereits Eier gelegt gehabt. Wegen des langen Winters haben die Vögel heuer Verspätung. Nun hat Heinz Schöttner vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) die Tiere aber endlich gesichtet. Zumindest glaubt er, dass es sich um dasselbe Weibchen und dasselbe Männchen handelt, die wieder in dem Nistkasten im Turm der evangelischen Kirche ihr Brutdomizil bezogen haben. Hundertprozentig sicher ist sich der Naturschützer aber nicht, da die Falken nicht beringt sind und es keine individuellen Merkmale gibt.

Zunächst hatten die Vögel ihr altes Quartier immer nur für kurze Zeit angeflogen, um es zu inspizieren. Inzwischen haben sie es fest in Beschlag genommen, und Heinz Schöttner rechnet damit, dass in den nächsten Tagen die Eiablage erfolgt. Die Bevölkerung kann die intimsten Details des Falkschen Familienlebens am Computerbildschirm mitverfolgen. Wie schon in der Vergangenheit liefert eine Webcam Einzelbilder aus dem Nistkasten, die alle zehn Sekunden aktualisiert auf der Homepage der Evangelischen Kirchengemeinde erscheinen. Auf dem Computer des Buchcafés im alten Gemeindehaus gegenüber der Kirche gibt es sogar eine gestochen scharfe Liveübertragung.

Eine Katze hat im vergangenen Jahr einen Jungfalken gerissen

Die ständige Überwachung à la „Big Brother“ beeinträchtigt den Bruterfolg offenkundig nicht. Im vergangenen Jahr sind fünf Küken geschlüpft. Zu Komplikationen kam es dennoch. Aus unbekanntem Grund flogen die halbflüggen Falken rund 20 Meter in die Tiefe und landeten unsanft auf dem Pflaster. Vier konnte Heinz Schöttner retten und wieder in den sicheren Hort verfrachten. Für einen Jungfalken jedoch kam jede Hilfe zu spät. Die Katze hatte ihn bereits geholt.

Die Altvögel suchen den Nistkasten immer nur während der Brutsaison auf. Nachdem der Nachwuchs geschlüpft ist, halten sich die Falken sechs bis acht Wochen in der Behausung auf, um sie dann wieder für ein Jahr aufzugeben. In der Brutzeit aber herrscht Andrang in Dettingen. Heinz Schöttner hat ein Dohlenpaar erspäht, das offenbar ebenfalls Ansprüche auf den Nistkasten anmelden wollte – allerdings vergebens. „Der Turmfalke ist halt stärker“, verweist der Vogelschützer im Ringen um den Horst auf das Gesetz der Natur. Damit die seltenen Dohlen nicht in die Röhre schauen müssen, möchte Schöttner nun der Kirche vorschlagen, für die gefiederte Konkurrenz einen zweiten Nistkasten an der Nordseite anzubringen. Für dieses Jahr ist es freilich zu spät. Doch vielleicht starten vom Dettinger Kirchturm aus vielleicht schon von 2014 an neben den Fälkchen kleine Dohlen in ein aufregendes Vogelleben.

Auch in der Esslinger Stadtkirche nisten Falken

Eine Vogel-Konkurrenz gibt es nicht nur in Dettingen. Den Wanderfalken-Nistkasten in der Esslinger Stadtkirche hielt im März ein Nilgänsepaar besetzt, das sich aber doch nicht zur Brut entschließen konnte. Laut dem Nabu schicken sich nun Turmfalken als Nachmieter an. Die Wanderfalken sind erst einmal weg.

Der Turmfalke ist nach dem Mäusebussard der häufigste Greifvogel Mitteleuropas. Er frisst vorwiegend Mäuse. Lange Zeit galt der Wanderfalke als bedroht. Doch verschiedene Schutzmaßnahmen haben gegriffen. Inzwischen steht die Art nicht mehr auf der „roten Liste“ der bedrohten Tiere.




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