Dettingen Von der Teck zum Fuji

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Zehn Pfadfinder brechen nach Japan auf und freuen sich auf Abenteuer mit Gleichaltrigen aus aller Herren Länder. Das globale Treffen dient dem Kulturaustausch, der Verständigung zwischen Nationen und dem Frieden auf der Welt.

Die Dettinger Pfadfinder sind bereit für den Sprung nach Nippon: Niklas Dick, Michael Saur, Felix Dick, Jannik Spranz, Dan Stelzer, Jule Algayer und Sina Algayer (von links). Auf dem Bild fehlen Lucas Moll, Jannik Kvitta und Lazaros Makridis. Foto: Horst Rudel
Die Dettinger Pfadfinder sind bereit für den Sprung nach Nippon: Niklas Dick, Michael Saur, Felix Dick, Jannik Spranz, Dan Stelzer, Jule Algayer und Sina Algayer (von links). Auf dem Bild fehlen Lucas Moll, Jannik Kvitta und Lazaros Makridis. Foto: Horst Rudel

Dettingen - Ihre Maschine hebt am Freitag, 24. Juli, um 18.05 Uhr vom Frankfurter Flughafen ab. Ihr Ziel ist Tokyo. Für zehn Jugendliche aus Dettingen ist die Reise nach Japan zum World Scout Jamboree – dem Weltpfadfindertreffen – der Höhepunkt in ihrem Pfadfinderleben. 33 000 Teilnehmer zwischen 14 und 17 Jahren aus 147 Nationen werden im Land der aufgehenden Sonne zehn Tage lang zu Nachbarn. In einem Naturpark bei Yamaguchi im Südwesten Japans lagern sie auf einem drei Quadratkilometer großen Platz, schauen sich gegenseitig in die Kochtöpfe, knüpfen Kontakte und gehen ins Gelände, um Aufgaben zu meistern und Abenteuer zu erleben.

„Schwaben im Glück“ haben Rucksäcke gepackt

Zuhause bei Niklas und Felix Dick in Dettingen sind die 14 Kilogramm schweren Rucksäcke schon Tage vor der Abreise gepackt. Die Vorfreude bei den Zwillingsbrüdern und ihren acht Gefährten ist groß, das Reisefieber steigt. Die eigens für das nur alle vier Jahre stattfindende Welttreffen hergestellte Kluft und das Halstuch mit der Aufschrift „German Contingent“ – aus Deutschland werden insgesamt 1100 Teilnehmer erwartet – liegen gebügelt bereit, Niklas hat seinen Bändel mit dem Schriftzug „Schwaben im Glück“ bereits am Handgelenk befestigt. Diesen Namen hat sich der 40 Köpfe zählende Trupp Württemberg 1 gegeben, zu dem neben Mädchen und Jungen aus Heilbronn, Ilsfeld, Neckarwestheim und Bad Wimpfen auch die Dettinger „Pfadis“ gehören.

Die Pfadis sind offen für alles – auch für Qualle

Gemeinsam hat sich der Trupp bei mehreren Vortreffen auf das Weltlager vorbereitet. Workshops zur Sprache, Kultur und zur Küche Japans haben den Pfadfindern das Land näher gebracht. In einem Kurs hätten die Teenager Sushis zubereitet, berichtet Sina Algayer. Die 16-Jährige und ihre Schwester Jule sind die einzigen Mädchen aus Dettingen, die nach Japan reisen. „Wir sind tolerant und offen und wollen alles probieren“, sagt der 15-jährige Felix. Qualle auf dem Speiseplan rief jedoch keine Begeisterung hervor. Sina: „Es hat nach wenig geschmeckt und war zäh.“ Japaner sind höflich. Noch eine weitere Charaktereigenschaft ist den Pfadfindern eingeschärft worden. „Leute, seid pünktlich.“ Die Züge in Japan fahren in der

Der Fuji ist das erste Ziel. Foto: AP
Regel nicht auf die Minute ab, sondern auf die Sekunde.

9000 Kilometer von zu Hause reift die Persönlichkeit

Das genaue Programm für Japan erfahren die Teilnehmer erst vor Ort. Sieben Themenbereiche sind vorgegeben, darunter Naturerkundung, Wasseraktivitäten und ein Friedensprogramm. Große Pavillons, Lagerbauten, Bühnenauftritte, mit alten und neuen Freunden singen und feiern – mit solchen Bildern im Kopf steigen die Teilnehmer in den Flieger. Mehr als 9000 Kilometer entfernt vom Elternhaus – letztlich geht es bei der Reise um die Persönlichkeitsentwicklung von jungen Menschen. Niklas knüpft an das Treffen auch die Erwartung, dass er Kontakte zu Gleichaltrigen aus anderen Kulturkreisen aufbaut, die lange Zeit Bestand haben.

Das erste Treffen fand 1920 in London statt

Das globale Pfadfindertreffen, das in kleinerem Format zum ersten Mal 1920 in London stattgefunden hat, dient der Völkerverständigung, dem Kulturaustausch und dem Frieden. „Die Welt ein bisschen besser hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben“, diesem Ideal der Pfadfinderbewegung fühlen sich auch die Dettinger Pfadis verbunden. Sie gehören dem evangelischen Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder an, der auch andere Konfessionen oder Glaubensrichtungen aufnimmt.

Zur Einstimmung geht es an den Fuji

Bevor das Hauptlager in Yamaguchi beginnt, werden die Schwaben zur Einstimmung mit einem Vorlager zunächst am Fuji Station machen. Der Japan-Trip schließt den Aufenthalt in einer japanischen Gastfamilie ebenso ein wie eine Rundreise zum Ende des vier Wochen langen Aufenthalts, bei der auch ein Besuch von Hiroshima vorgesehen ist.

„Gut Pfad!“ – mit diesem Pfadfindergruß haben sich die Dettinger Jugendlichen jetzt von der Teck verabschiedet. In den nächsten Wochen werden sie das englische „Be prepared!“ verwenden. „Seid bereit“ – die Dettinger sind es gewiss.




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