Mercedes-Benz und Stellantis Milliarden für Batteriezellen aus eigener Produktion

Im französischen Douvrin haben die Auto-Hersteller Mercedes und Stellantis eine Batteriefabrik eröffnet. Foto: IMAGO/ABACAPRESS/IMAGO/Lafargue Raphael/ABACA

Die Autobauer Mercedes-Benz und Stellantis investieren Milliarden im französischen Norden, um für die elektromobile Zukunft gerüstet zu sein. Das dafür benötigte Lithium wird unter anderem aus dem pfälzischen Insheim geliefert.

Korrespondenten: Knut Krohn (kkr)

Für eine kleine Überraschung sorgte Volker Wissing. Der deutsche Verkehrsminister begrüßte die Gäste bei der Eröffnung des Batteriewerkes im nordfranzösischen Douvrin in fließendem Französisch. Dann parlierte der FDP-Politiker über die künftige Unabhängigkeit der europäischen Automobilindustrie von den bisher alles dominierenden asiatischen Herstellern. Neben Wissing war viel Prominenz in die Region Hauts-de-France gereist, um das erste große Projekt des deutsch-französische Batteriezellenherstellers ACC zu feiern. Bis 2030 sollen dort noch drei weitere Produktionsstätten gebaut werden, in denen insgesamt 10 000 Menschen bis zu 800 000 Autobatterien pro Jahr produzieren sollen. ACC ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Autokonzerne Mercedes-Benz und Stellantis (Peugeot, Opel, Fiat) sowie des Energiekonzerns Total und wurde 2020 gegründet.

 

Für Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire hat das Werk in Douvrin eine für Europa wirtschaftshistorische Dimension. Erstmals seit Gründung des Flugzeugbauers Airbus schaffe Europa wieder eine neue Industriesparte, betonte der Politiker. Er hob den Willen in Frankreich und Deutschland zur Umsetzung des Projekts hervor, das beide Länder mit knapp 1,3 Milliarden Euro fördern. Die EU müsse angesichts der Herausforderungen durch China und die USA ihre Muskeln zeigen und ihre Industrie und Attraktivität sowie die Beschäftigten verteidigen, sagte Le Maire.

Vor allem in Paris haben die Politiker mit großem Druck an der Ansiedlung des Werkes gearbeitet. Die Region am Ärmelkanal ist eine Arbeiterregion und eine Hochburg des extrem rechten Rassemblement National. Früher schufteten die Menschen in den Kohleminen, nach deren Aus kam die Autoindustrie. Doch angesichts des Verbrennerverbotes ab 2035 stehen erneut Tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. Nun soll in der strukturschwachen Region am Ärmelkanal ein Zentrum der europäischen Elektromobilität entstehen.

Auch in Kaiserslautern soll eine Fabrik entstehen

Das alles folgt einem Plan des Präsidenten Emmanuel Macron, der die „Reindustrialisierung“ Frankreichs anstrebt. Vor allem durch die Ansiedlung grüner Industrieunternehmen könnten Arbeitsplätze in Frankreich gesichert werden, so das Kalkül des Staatschefs. Diese Strategie macht das Land seit Jahren zu Europas Spitzenreiter bei den Auslandsinvestitionen. In den vergangenen Jahrzehnten war die französische Industrie immer weiter geschrumpft; aktuell macht sie nur rund 17 Prozent der Wirtschaftsleistung aus.

Die Pläne für die Batterieproduktion von ACC gehen über das Werk im französischen Douvrin hinaus. Neue Fabriken entstehen in Kaiserslautern, wo der Start 2025 geplant ist, sowie im italienischen Termoli. Insgesamt geht es um Investitionen von 7,3 Milliarden Euro. Auf dem Opel-Gelände in Kaiserslautern soll nach Angaben von ACC bald mit dem Bau der Batteriezellenfabrik begonnen werden. Im ersten Schritt sollen dort 700 Menschen arbeiten, 2030 sollen es dann 2000 sein.

Die Firma Vulcan Energie Ressourcen liefert das Lithium

Um sich die seltenen Rohstoffe für den Bau der Batterien zu sichern, hat Stellantis auch Verträge mit der Firma Vulcan Energie Ressourcen im pfälzischen Insheim geschlossen. Dort wird Lithium aus dem heißen Wasser eines Geothermiekraftwerks gewonnen. „Stellantis ist auf einem sehr klaren Weg der Elektrifizierung. Ab 2030 werden wir in Europa nur noch rein-elektrische Fahrzeuge verkaufen“, sagt Matthias Brüggemann, Corporate Purchasing Vice President Stellantis. Durch die Zusammenarbeit mit Vulcan Energy könne der Autohersteller künftig Lithium für die Batteriezellenproduktion regional und klimaneutral beziehen.

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