Seit der russischen Annexion der Krim vor zwei Jahren sind die Kontakte auf offizieller Ebene eingefroren geworden. Der Partnerschaftsverein bedauert das.

Baden-Baden - Seit jeher verkehren in Baden-Baden Präsidenten und politische Prominenz, auch bei russischen Touristen ist die Stadt an der Oos beliebt. Seit der Annexion der Halbinsel Krim durch die russische Föderation hat Baden-Baden nun sogar zwei russische Partnerstädte: Sotschi und Jalta. Doch sind die offiziellen Kontakte der Stadt zu Jalta – das ehemals ukrainisch war – seit 2014 aufs Abstellgleis geraten. Das soll nicht so bleiben, wenn es nach dem Partnerschaftsverein geht.

Fünf Partnerstädte zählt Baden-Baden, neben Jalta sind das die Städte Menton (Frankreich), Moncalieri (Italien), Karlsbad (Tschechien) und Sotschi (Russland). Die Partnerschaftsbande mit der rund 80 000 Einwohner zählenden Stadt Jalta waren im Jahr 2000 unterzeichnet worden. Bereits seit 1993 gab es regelmäßige Kontakte, erinnert sich Gerhard Ell vom Partnerschaftsverein. Jedes Jahr habe es seitdem Besuchsreisen gegeben, über mehr als zehn Jahre hinweg auch regelmäßige Transporte mit Hilfsgütern, beispielsweise Krankenhausbetten für Kliniken. Rund 1200 Baden-Badener hätten seit 1993 die Stadt Jalta besucht und so „zur Völkerverständigung beigetragen“.

Stadt hält sich an die Einschätzung der Bundesregierung

Seit dem April 2014 jedoch ruht die Partnerschaft offiziell, jedenfalls von Seiten der Stadtverwaltung. „Auf Grund der aktuellen politischen Lage unterhält Baden-Baden aktuell keine offiziellen Kontakte zu der Stadt Jalta“, sagt die Oberbürgermeisterin Margret Mergen (CDU). Sie sagt mit Blick auf das 2014 gegen Russland verhängte Embargo, sie teile die Auffassung der Europäischen Union sowie der Bundesregierung. Deshalb werde „momentan von multilateralen Programmen der Zusammenarbeit in politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereichen abgesehen.“

Das gefällt nicht jedem, am wenigsten Gerhard Ell und seiner Frau Uta, die als „Motoren“ der Partnerschaft zu der Stadt auf der Halbinsel Krim gelten. Auch Lutz Benicke plädiert dafür, die Kontakte aufrecht zu erhalten. Er ist seit 2007 der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins mit mehr als 300 Mitgliedern. Benicke weiß um die Probleme. So gebe es seit der Annexion der Halbinsel beispielsweise keine Direktflüge mehr; wer auf die Krim wolle, müsse von Frankfurt via Moskau nach Simferopol, der Hauptstadt der Autonomen Republik Krim, fliegen. Dennoch will sein Verein die Kontakte beibehalten. „Wir haben in der Mitgliederversammlung abstimmen lassen. Es gab ein klares Ja“, sagt Benicke.

Im September wird es erstmals wieder eine Bürgerreise geben

Seit dem April 2014 gab es nur Kontakte auf privater Ebene. Gerhard und Uta Ell waren auch im vergangenen Jahr zwei Mal jeweils mehrere Tage in Jalta. Sie blieben die einzigen, die sich nicht abhalten ließen. Im kommenden September werde es erstmals wieder eine Bürgerreise mit Reiseführer geben, 18 Teilnehmer seien angemeldet, sagt Ell. Auch Angehörige der Deutsch-Russischen Gesellschaft seien dabei. Gerhard Ell sagt: „Wir lassen uns von niemandem blockieren“. Die Partnerschaft liegt ihm sehr am Herzen, und er hofft auf eine „baldige Normalisierung“ der Kontakte.

Doch die Hürden bleiben: seit rund fünf Jahren unterrichtet Uta Ell via Skype eine Gruppe Jugendlicher in Jalta in deutscher Konversation. Dieses Frühjahr hatte sie versucht, deutsche Chat-Partner an Baden-Badener Schulen zu finden. Ein Lehrer habe die Anfrage zurückgegeben, und gesagt: „Ich darf nicht“, berichtet Ell enttäuscht.

OB Mergen hat zwar die Kontakte nach Jalta auf Eis gelegt, aber im vergangenen April ihren Antrittsbesuch in der kaukasischen Olympiastadt Sotschi gemacht. Die Möglichkeit wirtschaftlicher Kontakte dürfte dafür den Ausschlag gegeben haben. Nicht dabei war Mergen dagegen, als der russische Generalkonsul Alexander Bulay im März Gerhard Ell im Baden-Badener Kurhaus für seine humanitäre Arbeit in Jalta ausgezeichnet hat. Ein Raum im Rathaus sei verwehrt worden, hieß es. Und die Laudatio auf Ell hielt ausgerechnet Mergens Vorgänger, der Alt-OB Wolfgang Gerstner. Er hat zwar dasselbe Parteibuch wie Mergen, verkündet jedoch schon länger, es sei aus seiner Sicht „ein falsches Signal“ die Kontakte abzubrechen. Gerstner: „Städtepartnerschaften sollten Brücken bauen zwischen den Menschen.“