Verkehrsminister Wissing und Konzernchef Lutz kündigen eine Generalsanierung der lange vernachlässigten Infrastruktur an.

Korrespondenten: Thomas Wüpper (wüp)

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) macht die massiven Probleme im Schienenverkehr zur Chefsache. Mit einer radikalen Generalsanierung soll die lange vernachlässigte und störanfällige Infrastruktur modernisiert werden. Dafür werden ab 2024 wichtige Hauptstrecken komplett gesperrt, um sie in möglichst kurzer Zeit komplett und nachhaltig leistungsfähiger zu machen, was allerdings zu noch mehr Umleitungen und Ersatzverkehren führen wird.

Das bestehende Netz ist völlig überlastet

Mit dem geplanten „Hochleistungsnetz“ soll der Schienenverkehr wieder zuverlässiger werden. „Ich erwarte, dass wir künftig die Uhr wieder nach der Bahn stellen können“, betonte Wissing in der Bundespressekonferenz. Sollte sich nichts ändern, werde sich der Umfang der hochbelasteten Gleisabschnitte von bereits 3500 Kilometern auf rund 9000 Kilometer bis 2030 fast verdreifachen.

„80 Prozent der Störungen gehen auf das Netz zurück“, sagt Wissing. In den Engpässen sei das Netz schon ohne Bautätigkeiten zu 125 Prozent ausgelastet. Deshalb bleibe keine andere Wahl als die Generalsanierung. Besonders überlastet sind demnach acht Korridore: die Knoten Hamburg, Frankfurt, Stuttgart und München, die Achse Dortmund–Duisburg–Düsseldorf–Köln, das mittlere Rheintal sowie Mannheim–Karlsruhe–Basel sowie Würzburg–Nürnberg. Die Strecke Frankfurt–Mannheim gilt als am höchsten belasteter Korridor in ganz Europa und soll vorrangig angepackt werden.

Mit dem derzeitigen Zustand der Bahn seien die Klimaziele der Regierung nicht erreichbar, räumt Wissing ein. Demnach soll die Passagierzahl bis 2030 verdoppelt und der Marktanteil der Schiene im Gütertransport von 18 auf 25 Prozent erhöht werden, um den Schadstoffausstoß im Verkehrssektor zu senken.

Das künftige „Hochleistungsnetz“ soll erstklassig ausgestattet werden

Auf Bahnkunden kommen nun schwere Jahre mit monatelangen Sperrungen wichtiger Strecken, Ersatzverkehren und längeren Fahrzeiten zu, bevor es Zug um Zug besser werden soll. Das künftige „Hochleistungsnetz“ werde dann aber erstklassig ausgestattet und zuverlässiger sein, der Investitionsstau werde „umfassend beseitigt“, verspricht Richard Lutz, Vorstandschef der bundeseigenen Deutschen Bahn AG.

Anders als Vorgänger Andreas Scheuer (CSU) packt Wissing den Umbau beim DB-Konzern trotz vieler Widerstände an und nimmt den Konzern an die kurze Leine. Bei einer „Steuerungsgruppe Deutsche Bahn“ im Ministerium sollen alle Fäden zusammenlaufen. „Wir übernehmen mehr Verantwortung und stärken unsere Beteiligungsführung.“ Eine „Beschleunigungskommission Schiene“ soll den Ausbau forcieren und eine neue Stabstelle den Deutschland-Takt.

Am 1. Januar 2024 soll zudem die Infrastrukturgesellschaft starten, die mehr Effizienz bringen und künftig das 33 400 Kilometer lange Gleisnetz sowie 5400 Bahnhöfe betreiben soll. Dazu sollen DB Netz und DB Station & Service zusammengelegt werden. An diesem Donnerstag soll der neu formierte DB-Aufsichtsrat über den neuen Infrastrukturchef entscheiden, nachdem der bisherige Amtsinhaber, der frühere Kanzleramtschef Ronald Pofalla, den Konzern vorzeitig verlassen hat. Nachfolger soll Berthold Huber werden, bisher DB-Vorstand für Personenverkehr.

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