Deutsche Nationalmannschaft Trotz WM-Rekord – Jogi Löw ermahnt das Team

Von red/sid 

Zehntes Spiel, zehnter Sieg – Am Sonntagabend hat die deutsche Fußballnationalmannschaft den spanischen Weltrekord in der WM-Qualifikation geknackt. Von Trainer Joachim Löw gab es trotzdem mahnende Worte.

Joachim Löw ist stolz auf seiner Nationalelf, aber warnte auch vor anderen Gegnern bei der WM. Foto: Getty Images
Joachim Löw ist stolz auf seiner Nationalelf, aber warnte auch vor anderen Gegnern bei der WM. Foto: Getty Images

Kaiserslautern - Die Qualifikations-Rekordler um Doppel-Torschütze Leon Goretzka genossen in der Kabine noch Pizza, Würstchen und Bier, da gab Joachim Löw schon wieder den großen Mahner. „Man macht einen Fehler“, sagte Löw, „wenn man diese Qualifikation als Maßstab nimmt. Man sollte den Ball ein wenig flach halten.“ Nach dem 5:1 (1:1) gegen Aserbaidschan zum Abschluss einer perfekten WM-Qualifikation mit zehn Siegen in zehn Spielen attestierte der Bundestrainer seinen Spielern zwar eine „super Leistung“. Aber: „Bei der WM warten andere Gegner.“ Nämlich die hoch talentierten Franzosen mit Wunderknabe Kylian Mbappe, ein rachedurstiges Brasilien um Superstar Neymar oder die starken Spanier.

Trotz des erhobenen Zeigefingers verabschiedete sich Löw aber mit einem guten Gefühl von seinen Spielern. Denn auch nach dem souveränen Durchmarsch nach Russland war von Überheblichkeit beim Fußball-Weltmeister nichts zu spüren. „Das ist cool, was für die Geschichtsbücher, aber das wird uns bei der WM nicht viel helfen“, sagte Ersatzkapitän Thomas Müller über den Quali-Rekord: „Wir müssen uns alles Richtung Russland wieder neu erarbeiten.“ Diese Arbeit für das laut Löw „schwerste Turnier überhaupt“ beginnt mit dem Klassiker im Wembley-Stadion am 10. November gegen England und dem voraussichtlichen Vergleich mit Vize-Europameister Frankreich vier Tage später in Köln. Man gehe mit einem Schuss Neugier, Spaß und Entschlossenheit in diese Spiele, sagte Müller: „Da können wir einiges ausprobieren und zeigen, wie weit wir gehen können.“

Löw wird beim Spiel gegen England ganz genau hinschauen

Löw wird dabei ganz genau hinschauen. In der makellosen Qualifikation, die selbst die der Spanier auf deren Weg zum WM-Triumph 2010 dank des besseren Torverhältnisses (43:4) übertraf, setzte der Weltmeistercoach 37 Spieler ein. Der verletzte Marco Reus war nicht einmal dabei. Dementsprechend heiß dürfte der Kampf um eines der begehrten 23 WM-Tickets werden. Nach den November-Spielen bleiben dem Bundestrainer bis zur Nominierung nur noch die Duelle im März gegen Spanien und Brasilien.

„Die Einspielphase für ein Turnier beginnt im Mai. Ich werde schon das ein oder andere testen“, sagte Löw mit Blick auf den Jahresabschluss. Sein WM-Casting ist bereits in vollem Gange. Und der 57-Jährige machte auch den Spielern Mut, die derzeit in der zweiten Reihe stehen: „Die Tür ist weiterhin offen. Es sind noch einige Monate hin. Es gibt keinen Grund, irgendwelche Spieler abzuschreiben.“ Über ein Dutzend Spieler dürfte einen Platz im WM-Kader sicher haben, dazu zählt inzwischen auch Goretzka. Der Schalker traf gegen Aserbaidschan doppelt (8. und 66.), zunächst zauberhaft mit der Hacke. Er hat bei den mahnenden Worten seines Chefs genau hingehört. „Für jeden Spieler gilt, dass er sich in Topform bringen muss. Wenn man zwei Wochen vor dem Turnier damit anfängt, dürfte es zu spät sein. Jeder muss Eigenverantwortung zeigen und sein ganzes Leben darauf einrichten, um bei der WM in Topform zu sein“, sagte der 22-Jährige.

Am1. Dezember findet die Auslosung statt

Gegen wen es in Russland (14. Juni bis 15. Juli) in der Vorrunde geht, erfahren Goretzka und Co. bei der Auslosung am 1. Dezember im Moskauer Kreml. Nach aktuellem Stand droht eine Hammergruppe mit Spanien, Frankreich oder Italien. Löw gibt sich aber gelassen. Er kann aus einem weit größeren Pool an Kandidaten schöpfen als beim Titelgewinn 2014. „Wir fangen bei einer guten Basis an“, sagte Löw. Gegen Aserbaidschan sah man dies erst in der zweiten Halbzeit, als auch Sandro Wagner (54.) und Emre Can (81.) trafen. Hinzu kam ein Eigentor von Badawi Hüseynow (64.).

Doch auch die Konkurrenz ist stärker geworden, dies betonte Löw zuletzt immer wieder. Trotz aller Euphorie hat der Bundestrainer „Baustellen“ ausgemacht, etwa auf den defensiven Außen. Aber noch bleibt bei der Jagd auf den fünften Stern ein wenig Zeit.