Deutscher Alpenverein, Sektion Hohenstaufen-Göppingen Kletterer wollen das Klima stärker schonen

Der Bau eines neuen Vereinszentrums mit Kletterhalle sorgt für einen hohen Ausstoß von klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid. Foto: /Staufenpress

Die Göppinger Sektion des Deutschen Alpenvereins will öfter mit dem Bus ins Gebirge fahren und Energie beim Betrieb ihres Hauses und ihrer Hütte sparen. Bis 2030 wollen die Bergfreunde klimaneutral sein.

Eine Ski-Ausfahrt der Schneeschuh-Abteilung ins Haldenseehaus im Tannheimer Tal oder eine Klettertour an der Göppinger Hütte am Arlberg. Das sind Aktivitäten, die die Sektion Hohenstaufen-Göppingen im Deutschen Alpenverein (DAV) ihren Mitgliedern anbietet. Doch all das ist mit einem Ausstoß an Kohlendioxid verbunden. Und wie groß dieser ökologische Fußabdruck ist, das will die Göppinger Sektion, mithin der größte Verein im Landkreis, genau wissen. Deshalb hat sich der DAV, der sich nicht nur als Bergsport-, sondern auch als Naturschutzverband versteht, ein Klimaschutzziel gesetzt: Bis 2030 will er klimaneutral werden.

 

Das gilt nicht nur für die Göppinger, sondern für den Alpenverein insgesamt. „Wir sind aber vorne dran“, sagt Hans Steimle vom DAV-Team für Klimaschutz, „vor allem auch dank Michael Frankenberger, der die Expertise mitbrachte und ein Garant für die Umsetzung ist.“ Zum eigens gegründeten Klimaschutzteam der Sektion gehören auch Bernd Kuhn, Rolf Eitle und Urs Burkhard. Sie machten nach einem Beschluss im Sommer 2022 Ernst. „Das war nicht unumstritten“, räumt Steimle ein. Denn die Strategie verlange den Mitgliedern einiges ab. „Viele fürchteten den Aufwand, wenn sie jeden gefahrenen Kilometer aufschreiben und melden sollen.“

Die Fahrten ins Gebirge schlagen heftig ins Kontor

Dennoch: Seither wird jede Aktivität bilanziert – und es werden Gegenmaßnahmen ersonnen. Ziel ist die Verringerung der Emissionen bis 2026 um 30 Prozent. Der Verein folgt dem Leitsatz: „Vermeiden vor Reduzieren vor Kompensieren.“ Die Ergebnisse der mit Unterstützung der Münchner Zentrale erstellten CO2-Bilanz hat die Sektion Göppingen Hohenstaufen nun präsentiert. Die Fahrten zu den Veranstaltungsorten in den Bergen schlagen heftig ins Kontor: Fast ein Drittel des Ausstoßes wird dadurch verursacht. Deshalb hat das Klimaschutzteam vorgeschlagen, öfter mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen, Fahrgemeinschaften zu bilden und den Vereinsbus stärker zu nutzen. Ein zweiter Bus wird angeschafft. Außerdem soll der Fokus künftig auf Mehrtagestouren statt auf Tagestouren liegen.

Auch die Immobilien des Alpenvereins verursachen viel CO2. Größter Einzelverursacher ist das vereinseigene Haldenseehaus im Tannheimer Tal, das mit seiner Ölheizung etwa 30 Tonnen des klimaschädlichen Gases produziert – und damit ein Fünftel des Gesamtausstoßes der DAV-Sektion. Deshalb wurden dort die Heizung optimiert und die Temperaturen angepasst. Jetzt wird ein langfristiges Sanierungskonzept erarbeitet.

Bau der Kletterhalle verursacht klimaschädliche Treibhausgase

Nicht sehr viel geringer ist der CO2-Ausstoß bei der Göppinger Hütte in Lech, vor allem auch wegen der Bewirtung. Andererseits ist das Gebäude mit seiner ausgeklügelten Technik und dem einzigartigen Energiekonzept beispielhaft in den Alpen, meint die DAV-Sektion selbstbewusst. Nach der Anschaffung eines mit Sonnenstrom betriebenen Heizstabs seien „alle derzeitigen Möglichkeiten der Erzeugung und des sparsamen Einsatzes von Energie umgesetzt“. Großes Thema in der Alpenverein-Sektion im Kreis Göppingen ist derzeit der Bau einer Kletterhalle mit Vereinszentrum und Geschäftsstelle an der Hohenstaufenstraße in Göppingen. Seit Spätsommer laufen die Arbeiten. Das Vier-Millionen-Euro-Projekt verursacht zunächst, wie alle Baustellen, viel klimaschädliche Treibhausgase. Lastwagen, Handwerkerautos und Baumaschinen haben Verbrennungsmotoren. Die Emissionen müssen auf die Bilanz 2023 draufgeschlagen werden. Auch dieser Verantwortung stelle sich das Klimaschutzteam, sagt Hans Steimle. Man habe versucht, den Generalunternehmer zur Bilanzierung zu bewegen. Das sei aber schwierig, gibt Steimle zu.

Andererseits hegt man im Klimaschutzteam der Sektion Hohenstaufen die Hoffnung, dass die neue Kletterhalle irgendwann auch Kohlendioxid einspart. Denn das Bouldern in der Halle vor Ort boomt gegenüber alpinen Klettertouren. Das könnte auch Wege vermeiden.

Alpenverein erhält Auszeichnung für Nachhaltigkeit

Preis
 Der Deutsche Alpenverein (DAV) ist mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2024 in der Kategorie „Freizeitwirtschaft“ ausgezeichnet worden. Dies teilt der Zusammenschluss auf seiner Homepage mit. Ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung der Jury seien die Klimaschutzanstrengungen des DAV gewesen.

Übergabe
 Vor zwei Wochen wurde die Auszeichnung in Düsseldorf verliehen. Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis zählt laut dem Deutschen Alpenverein zu den größten Auszeichnungen für ökologisches und soziales Engagement in Europa und wird jährlich vergeben. Hinter dem Preis stehen Partner wie das Bundesumweltministerium, die Deutsche Industrie- und Handelkammer und die Umweltschutzstiftung World Wide Fund for Nature (WWF).

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