Deutscher Meister über 100 Meter Läuft Schwarzwald-Sprinter Deniz Almas bald unter 10 Sekunden?

Seine Zeit von 10,09 Sekunden bescherte Deniz Almas den Meistertitel Foto: Baumann

Deniz Almas aus dem Schwarzwald ist neuer deutscher Meister über 100 Meter. Wird der aktuell schnellste Europäer der erste Deutsche, der jemals unter die magische 10-Sekunden-Marke läuft?

Braunschweig - Showdown zum 100-Meter-Finale bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig. Bissig wie ein Wolf steht der Sprinter Deniz Almas vom VfL Wolfsburg an der Startlinie. Die wichtigsten 100 Meter seiner Karriere liegen vor dem 23-Jährigen, den zu Saisonbeginn nur die Insider kannten. Mit seinen 10,08 Sek. vor Wochenfrist in Weinheim ist der 23-Jährige auf Platz fünf der ewigen deutschen Bestenliste durchgestartet und aktuell schnellster Europäer. Wann gab es dies zuletzt? Man muss schon ins Jahr 1982 zurückgehen, um mit dem ehemaligen DDR-Sprinter Frank Emmelmann einen deutschen Europameister im Sprint zu finden.

 

Bei 10,01 Sek. steht der deutsche Rekord des Erfurter Julian Reus, und man fragt sich, wann läuft der erste Deutsche unter die magische 10 Sekunde-Grenze? Jetzt kommt es zum Duell der Generationen: hier Reus (32), 19-facher Deutsche Meister, daneben steht Almas, der Youngster und Shootingstar.

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Deniz Almas läuft der Konkurrenz vom Start weg davon, stilistisch eindrucksvoll zieht er über den roten Teppich hinweg. Die Uhr zeigt 10,09 Sek., erneut eine Top-Zeit. Mit dem 21-jährigen Kölner Joshua Hartmann (Bestzeit 10,14 Sek.) wird ein weiterer Wilder Junger Zweiter in 10,23 Sek., Reus wird in 10,26 Sek. Dritter. Der Wolf zeigt die Zähne in Jubelpose, der Generationswechsel scheint vollzogen.

Zu schnell für den Fußball

Zuhause bei den Almas in Altburg bei Calw sind sie am Fernseher fast ausgeflippt, als der flotte Sohn seinen ersten 100 Meter-Titel gewonnen hat. „Wir sind mega stolz“, jubelt Mutter Carmen, „es ist ja kaum zu glauben“. Der Vater des Sprinters ist Türke, doch Deniz ist Deutscher. Er ist im Schwarzwald aufgewachsen, hat als Turner angefangen und ist zunächst Salti auf dem Trampolin gesprungen. Über die Bundesjugendspiele kam er durch seinen Entdecker Günter Henne zur Leichtathletik bei der LG Calw und spielte auch Fußball. „Der ist schneller als der Ball, zu schnell für den Fußball“, hieß es jedoch bald. Nach einer Bedenkzeit entschied sich Almas für die Spikes und legte die Kickschuhe in die Ecke. Eine gute Entscheidung, wie sich heute zeigt.

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Temperamentvoll, ehrgeizig, impulsiv – sind Eigenschaften des Sprinters Almas. „Seine Freundlichkeit, sein Lachen hat er von mir, das Aussehen von seinem Vater, sagt Carmen Almas. Während die Mutter mit den Großeltern und Geschwistern vor dem Fernseher saß, war Vater Almas in die Türkei geflogen. Auch dort verfolgt man den Höhenflug des schwäbischen Sprinters. Es soll bereits eine Anfrage von dort für den Sprintkometen geben. Zuhause in Calw betonen sie die soziale Ader des schnellen Mannes. „Er ist sehr teamfähig und beliebt im Umfeld“, sagt Entdecker Henne. Der junge Almas hatte als Schulmentor und Schülertrainer gearbeitet, beim VfL Sindelfingen hatte er ein soziales Jahr absolviert. Zudem war er in Calw beim Hesse-Stadtlauf engagiert.

Zu Jahresbeginn hat ihn der ehemalige Sprinter Jens Knipphals vom VfL Sindelfingen zum VfL Wolfsburg geholt, doch Almas hat sich gleich nach Leipzig in ein professionelles Umfeld zu Bundestrainer Ronald Stein und Alexander John begeben. „Der Titel von Braunschweig ist auch der Erfolg unseres Teams“, zeigt Almas Bodenhaftung. „Wir profitieren von der älteren Generation, aber die Zeit spricht für uns“, beschreibt der Sportstudent und Angehörige der Bundeswehr-Sportfördergruppe den Augenblick treffend. Sprint sei Teamarbeit, sagt er, „aber im Stadion will jeder gewinnen“.

Ist der Rekord möglich?

„Heute ist ein Traum in Erfüllung gegangen“ platzt es aus ihm heraus und wippt dabei ständig hin und her. Erfolg bringt Unruhe. Die Zeiten, der Erfolg hat ihn offensichtlich innerlich aufgerührt. Und der Blick geht nach vorne. „Ich glaube schon, dass der Deutsche Rekord für uns junge Generation möglich ist“, lautet seine Prognose. Neue Zeiten im deutschen Sprint, der immer noch ein Stück von der Legende des ehemaligen Weltrekordlers Armin Hary lebt, der 1958 als letzter Deutscher und Europäer mit 10,0 Sek einen 100-Meter-Weltrekord lief und Olympiasieger und Europameister wurde.

Ist Almas der erste Deutsche mit einer „neun“ vor dem Komma“? Der Chemnitzer Martin Keller war 2013 in Clermont (USA) 9,99 Sek. gerannt, doch der Wind war mit 3,9 Meter pro Sekunde zu heftig. „Das große Ziel sind die Olympischen Spiele in Tokio“, sagt Almas. Dort mit einer deutschen Staffel der jungen Generation weit vorne mitzulaufen, das wär’s.

Als deutscher Meister über 60 und 100 Meter hat er einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Der schnellste Wolf Deutschlands ist auch Europas Schnellster. Und er ist noch ganz schön bissig.

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