Deutscher Wandertag Ein Remstal-Experte verrät seine Lieblingstour

Gerhard Volz ist in 49 Etappen vom Bodensee bis nach Flensburg einmal längs durch Deutschland gewandert. Foto: Gottfried Stoppel

Gerhard Volz wandert in guten Jahren fast jeden zweiten Tag. Am liebsten direkt ab der Haustür. Im Remstal kennt er sich deswegen bestens aus. Und findet: es gibt kaum ein abwechslungsreicheres Fleckchen Erde.

Remshalden - Manchmal geht Gerhard Volz erst am späten Nachmittag los. Er schnappt sich seinen oft getragenen Rucksack, in dem immer eine Wasserflasche, ein Regenschirm, eine Wanderkarte, ein Erste-Hilfe-Set und – für alle weiteren Notsituationen – ein Stückchen Schokolade stecken. Er schnürt seine Wanderschuhe und läuft in die Dämmerung hinein. Das Ziel seiner Feierabendrunde, die für andere ein Tagesausflug wäre, ist oft der Schönbühl, „für mich der schönste Aussichtspunkt im Remstal“, erzählt der 68-Jährige, der beim Deutschen Wandertag 2022 im Remstal einer der dafür geschulten Wanderführer ist.

 

Wanderführer sollen fit sein – und mit ihrer Begeisterung anstecken

Es mag ganz nüchterne Kriterien geben, warum jemand grundsätzlich als Wanderführer und ganz besonders als Wanderführer für den Deutschen Wandertag geeignet ist. Fit sollte man sein, eine Wanderung planen, eine Gruppe anleiten können. Und dann gibt es noch die emotionale Komponente. Die Guides sollten fürs Wandern begeistern können, „und zeigen, dass es uns hier im Remstal gefällt“, sagt Gerhard Volz.

Nun, das dürfte dem passionierten Wanderer nicht besonders schwer fallen. Er muss nur erzählen, wie er es mag, Tiere zwischen den Rebzeilen an den Hängen des Remstals zu beobachten. Warum er kaum ein anderes Fleckchen im Land so abwechslungsreich findet wie das Remstal – mit der Mischung aus Weinbergen und Wäldern, mit den Ortschäftla, in denen die Zeit stehen geblieben scheint. Wie er auch mal gerne mit einem Wein in der Hand eine Rast einlegt. Und wie er es immer wieder faszinierend findet, wie weit der Blick von den Aussichtspunkten des Remstals in die Ferne reicht.

Die Lieblingstour führt über die Höhen des Remstals

Das gilt vor allem für seine absolute Lieblingstour, die natürlich daheim an der Haustür beginnt. Von Remshalden geht es hoch über den Aussichtspunkt Steinfelsen und durch die Weinberge hinauf auf den Kleinheppacher Kopf, dann weiter über den Hörnleskopf bis zum Korber Kopf und von dort hinunter nach Schwaikheim.

Auf den knapp 15 Kilometern bewegen sich die Wanderer meist oberhalb des Remstals, von dort sind in der Ferne die Schwäbische Alb, Stuttgart, die Löwensteiner Berge zu sehen. „Und man sieht eigentlich alles, was typisch für hier ist.“

Seit 1982 lebt Gerhard Volz mit seiner Familie in Remshalden. Dem Wandern ist er schon früher verfallen – er hat damit angefangen, als noch niemand von einem Trend gesprochen hat. „Ich bin auf dem Land aufgewachsen und so hat es mich immer in die Natur rausgezogen.“ Erst hat er Touren mit seiner Frau gemacht, irgendwann kamen die Kinder dazu, hat sich eine Gruppe mit Freunden gebildet. Demnächst ist er zum 26. Mal mit einer Wandergruppe unterwegs.

Beim Wandern die Natur und schöne Ausblicke entdecken

Anfang der 1980er-Jahre ist er auf seine Bibel gestoßen: „Die Kunst zu Wandern“ heißt das kleine, mittlerweile abgegriffene, mit vielen Zetteln und Notizen gespickte Taschenbüchlein. Hilfreiche Tipps, Tourenideen, Checklisten hat Volz dem Werk entnommen. „Ich habe mich regelrecht infiziert“, erzählt er und lacht.

Das Wandern, es hat ihn einfach nicht mehr losgelassen. Was er dabei vor allem sucht, sind schöne Ausblicke. Irgendwann hat sich Gerhard Volz an mehrtägige Wanderungen gewagt. Er hat sich damit viele Ecken von Baden-Württemberg erschlossen – und schließlich sogar ganz Deutschland. Mit einem Freund zusammen ist er vom Bodensee bis nach Flensburg gelaufen. Nicht am Stück: 2004 sind sie gestartet, 2018 an ihrem Ziel angekommen. „Wir sind die 1250 Kilometer in 49 Etappen gewandert“, erzählt Gerhard Volz, der bis zu seiner Rente Führungskraft bei der Agentur für Arbeit war. Weil er sich gerade bei längeren Touren immer auf gut markierte und bestellte Wege verlassen musste, hat Gerhard Volz irgendwann beschlossen, sich beim Schwäbischen Albverein zu engagieren: „Ich wollte etwas zurückgeben“, erzählt Volz, der seit fünf Jahren Wegewart in Remshalden ist und sich als dieser um 46 Kilometer Wanderwege kümmert. Er hat Rundwege mitkonzipiert, sich Wanderstrecken für die Vereinskameraden überlegt und sich an Wanderevents beteiligt.

Es gab Jahre, da ist Gerhard Volz an 200 Tagen im Jahr gewandert: „Dieses Jahr waren es etwas über 100“, sagt der 68-Jährige, und es macht fast den Anschein, als ärgert er sich ein bisschen. Aber er musste aus gesundheitlichen Gründen ein wenig langsam machen, außerdem das Dachgeschoss ausbauen. Und einmal im Jahr, da wird ein Urlaub am Meer gemacht, „das habe ich mit meiner Frau so ausgemacht.“

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Eigentlich, so erzählt Gerhard Volz, bräuchte er noch fünf Leben, um alle die Wanderungen zu machen, die er noch im Sinn hat, die er in Wanderführern markiert hat. Selbst im Remstal und drumherum gibt es immer noch Wege, die er nicht kennt. Solange ihn seine Füße tragen, wird er die Schuhe schnüren, aus der Haustür treten und einfach loslaufen.

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