Zu allererst: Herzlichen Glückwunsch an die deutsche U-17-Nationalmannschaft zum verdienten WM-Titel und einem starken Turnier! Sich gegen individuell besser besetzte Nationen wie Frankreich zu behaupten, spricht für einen tollen Teamgeist.
Vieles spricht nun genauso dafür, die Kirche im Dorf zu lassen. So überschwänglich die Reaktionen ausfielen – von Glückwünschen des Bundeskanzlers bis hin zum DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf, der aus dem Turniersieg Rückenwind für die EM im kommenden Jahr ableiten will –, so nüchtern sollte man den Sieg bei einem Junioren-Turnier bei Lichte betrachten.
Die Jungs, die da in Indonesien auf dem Platz standen, sind 17 Jahre alt. Einige von ihnen, wie VfB-Youngster Max Herwerth, haben gerade eine Woche Training bei den Profis hinter sich. Der Weg in den Profifußball ist noch weit und steinig. Viele verheißungsvolle Karrieren sind an der Schwelle zum Erwachsenenbereich schon zerbrochen. Andere reifen erst später zu voller Blüte.
Bitte kein Gerede von der nächsten goldenen Generation
Das alles sollte berücksichtigen, wer nun bereits die nächste goldene Generation heraufbeschwört. Der Hype um den überraschenden WM-Triumph mag angesichts der deprimierenden Ergebnisse der deutschen A-Mannschaften einerseits nachvollziehbar sein. Andererseits tut man dem Nachwuchs keinen Gefallen, Hoffnungen auf eine bessere Zukunft allein auf ihn und den WM-Sieg zu projizieren.
Der Titelgewinn der U 17 ist ein Indiz dafür, dass es um den deutschen Nachwuchs vielleicht doch nicht so schlecht bestellt ist wie gemeinhin angenommen. Nicht mehr und nicht weniger.