Deutschland gegen Frankreich bei der EM 2021 Mats Hummels wird zur tragischen Figur
Mit seinem Eigentor entscheidet Rückkehrer Mats Hummels das deutsche EM-Auftaktspiel gegen Frankreich. Wäre der Treffer vermeidbar gewesen?
Mit seinem Eigentor entscheidet Rückkehrer Mats Hummels das deutsche EM-Auftaktspiel gegen Frankreich. Wäre der Treffer vermeidbar gewesen?
München - Da stand er dann, der Mann, der in seiner Karriere schon so viel erlebt und so viele Erfolge gefeiert hat, und konnte es nicht fassen. Scharf war der Ball von der rechten Seite vors Tor gekommen, er wollte klären, doch sein Schuss ging buchstäblich nach hinten los. Eigentor. Im EM-Auftaktspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Weltmeister Frankreich. Und das ausgerechnet von ihm, dem Routinier, der erst vor ein paar Wochen von Bundestrainer Joachim Löw zurückgeholt worden war, um der deutschen Abwehr wieder mehr Stabilität zu verleihen.
Mats Hummels (32) ist am Dienstagabend in der Arena in Fröttmaning zur tragischen Figur der DFB-Auswahl geworden. Vor sieben Jahren, bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien, war er es gewesen, der gegen Frankreich mit seinem 1:0-Siegtreffer im Viertelfinale noch den Weg zum Titel geebnet hatte. Zwei Jahre später, bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich, musste er gelbgesperrt zuschauen, als die Gastgeber im Halbfinale mit ihrem 2:0-Sieg Revanche nahmen. Und jetzt leitete der Abwehrchef von Borussia Dortmund beim 0:1 (0:1) mit seinem unglücklichen, aber nicht unvermeidbaren Eigentor die nächste sehr schmerzhafte Niederlage gegen den amtierenden Weltmeister ein. „Man kann ihm keinen Vorwurf machen, das war einfach Pech“, sagte Löw.
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Stark gefährdet ist damit das Erreichen des Achtelfinals – und vorerst jäh gestoppt der späte Aufschwung des Nationalverteidigers, dessen Zeit im DFB-Trikot eigentlich längst beendet schien. Im März 2019, ein dreiviertel Jahr nach dem Vorrundenaus bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland, war Mats Hummels (zusammen mit Thomas Müller und Jerome Boateng) unvermittelt ausgemustert worden. Den personellen Umbruch rief Joachim Löw damals aus – musste sich aber spätestens nach der 0:6-Schmach im November 2020 in Spanien eingestehen, dass es so nicht weitergehen konnte und Erfahrung dringend nötig war.
Also sprang der Bundestrainer über seinen Schatten und holte zur EM neben Thomas Müller auch Mats Hummels zurück, der beim BVB eine prächtige Saison gespielt hatte und sich in der EM-Vorbereitung einfügte, als wäre er nie weg gewesen. „Ich hab‘ richtig Bock“, verkündete Hummels beim Wiedereinstieg – und übernahm sofort jene Rolle, die seit jeher seinem Selbstverständnis entspricht: Abwehrchef war Hummels in den beiden Vorbereitungsspielen gegen Dänemark (1:1) und Lettland (7:1). Und im Zentrum der deutschen Defensive stand er auch gegen Frankreich.
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Es war keineswegs alles schlecht, was Mats Hummels in seinem 73. Länderspiel zeigte. Nach Kräften mühte er sich gegen den französischen Weltklassesturm um den viel schnelleren Kylian Mbappé, der ihn in der Schlussphase einmal gnadenlos überrannte und dem er dennoch im letzten Moment den Ball vom Fuß grätschte; er war gewohnt stark im Kopfball- und meist sicher im Aufbauspiel. Auch an Hummels lag es, dass die Ausnahmekicker aus dem Nachbarland nur zu einem regulären Treffer kamen.
Um so bitterer, dass ihn die Franzosen nicht einmal selbst schießen mussten.