Deutschlandfunk Kampagne für das Digitalradio DAB plus

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Zwei Millionen Hörer zählt der Sender pro Tag – wobei die Zahlen wie stets beim Radio etwas gewagt sind, hochgerechnet aus repräsentativen Telefonumfragen. „Objektiv zählen können wir die Interessenten auf unseren Webseiten und bei unseren Digitalangeboten.“ Wie alle öffentlich-rechtlichen Sender forciert auch Raue emsig die Netzaktivitäten seines Hauses, um vor allem jüngere Hörer anzusprechen – er scheut dabei nicht den Fight mit den Zeitungsverlegern, die ihre digitalen Angebote ebenfalls dringend ausbauen müssen, dabei aber anders als ARD, ZDF und Deutschlandradio nicht aus Quasi-Steuereinnahmen schöpfen können, sondern sich rein privat finanzieren müssen. „Wir müssen in Zukunft alle Inhalte anbieten können; Text, Audio, bewegtes Bild.“ Letzteres wäre im Falle des Deutschlandradios vielleicht der delikateste Punkt: In den Funkhäusern in Berlin und Köln wird ja nur Radio produziert, kein Fernsehen.

Raue kann beides: austeilen – „Die Verlage machen doch selbst längst deutlich mehr als Presse, wir können alle mal ins Netz gucken und suchen, was wir da noch Presseähnliches finden“, sagte er im November – und dann wieder freundlich einladen: „Ich finde, wir sollten unseren Streit nicht von Politikern oder Juristen entscheiden lassen“, sagt er in Berlin. „Es geht schließlich um journalistische Inhalte, und das sollten Journalisten unter sich klären.“ Warum sich nicht gemeinsam in ein Hotelzimmer zurückziehen und nach Kompromissen suchen, „ohne Bodyguards und Rechtsanwälte im Hintergrund“?

Bei der ganz klassischen Audiopräsenz startet der Sender nun eine weitere Kampagne für das Digitalradio DAB plus. Die Empfangsmöglichkeiten über die klassische Ultrakurzwelle sind bundesweit nicht zuverlässig. Die Jugendwelle Deutschlandfunk Nova (cooler Markenslogan: „Es ist kompliziert. Dazu guter Pop.“) setzt ohnehin vor allem auf digitale Verbreitung im Netz und über soziale Plattformen. Kein Zweifel, anspruchsvolles Radioprogramm wird linear (also live) zukünftig nur einen schrumpfenden Nutzerkreis erreichen, weil es eben nicht nur dudelt, sondern vor allem Debatten anbietet. Das öffentlich-rechtliche Angebot in Deutschland braucht eine Neuordnung. Das weiß wahrscheinlich sogar Stefan Raue, wenn er sagt: „Ein Hörfunksender, der verdonnert ist, lediglich Audios ins Netz zu stellen und ein paar verbindende Sätze dazu, der ist mausetot.“




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