Dialekt Ein Trio lupft die Leute auf Mundartwolke sieben

Von Georg Linsenmann 

Hat Dialekt wieder Konjunktur? Beim Mundartfestival gibt es darauf eine Antwort.

Hans Dampf  ganz in Rot: Wulf Wager Foto: Lichtgut Christian Hass
Hans Dampf ganz in Rot: Wulf Wager Foto: Lichtgut Christian Hass

Stuttgart - Hat der Dialekt wieder Konjunktur? Es hat den Anschein. Jedenfalls angesichts des „Mundartfestivals“, das der Schwäbische Albverein und der Silberburg-Verlag bereits zum 13. Mal ausgerichtet haben: Angesichts des Andrangs wurde in der Liederhalle vom kleineren Silcher- in den größeren Schillersaal gewechselt. Und der war am Freitagabend komplett ausverkauft, als sich drei ausgewiesene Mundart-Spezialisten zum Schwaben-Gipfel auf der Bühne einfanden: der „Laible und Frisch“-Star Monika Hirschle, Autor und Mundart-Performer Wulf Wager sowie der Liedermacher Pius Jauch. Wobei der Barde mit seinen schlanken 33 Lenzen mit weitem Abstand der Jüngste im Saal gewesen sein dürfte.

Jauch, aus dem Raum Rottweil kommend, pflegt ein kantiges, alemannisch geprägtes Idiom, dessen Möglichkeiten er konsequent nutzt und ausleuchtet. Und wenn Wulf Wager als wahre Rampensau eine zündende Dialekt-Pointe nach der anderen setzt und damit das Publikum auf Dialektwolke sieben hebt, sorgt der Liedermacher, unter anderem mit dem Sebastian Blau-Preis ausgezeichnet, mit poetisch-sensiblen Songs eher für ganz spitze Ohren – und macht in Sachen „Dialekt-Konjunktur“ gelegentlich spezifische Erfahrungen. Etwa an Schulen: „Wenn ich da vom Kalb singe, das seinen Schoppen, also das Fläschchen kriegt, dann meinen die Kids, das Kalb gehe Shoppen.“

Am Schluss ist noch lange nicht babbala

Eine Anmerkung, die in Jauchs kerniger Mundartvariante natürlich entschieden komischer klingt, aber schon fürs Stuttgarter Honoratioren-Schwäbisch nur nach konzentriertem Reinhören kompatibel wirkt. Das funktioniert ganz gut an diesem Abend, zeigt aber auch: Der Resonanzboden für Dialekt ist begrenzt. Und möglicherweise bröckelnd, was die Besucherin Lieselotte Schweickhart aus Cannstatt in der Pause andeutet: „Kinder lernen Dialekt oft nur noch bei der Oma. Daheim und in der Schule ist das nicht mehr so üblich.“ Ob Dialekt Zukunft hat? „Schön wäre es schon. Es ist ja unser Muttersprache!“

Danach sorgt Monika Hirschle wieder für beste Laune. Furztrocken schwätzt sie den Bapp, preist das pfätzige Wetter, die schaffigen Schwoba – und damit ist noch lange nicht babbala. Der Kuchen ist verteilt, „dr Kuacha isch verdoilt“, singt Pius Jauch in der Zugabe, was bei ihm aber nicht auf pure Dialekt-Resonanz peilt, sondern den Bogen zu bestimmten Verhältnissen bis hin zu den Panama-Papers spannt. Was den Barden anmerken lässt: „Dialekt bringt bei den Leuten eine Saite zum Schwingen, etwas Vertrautes. Er ist für mich aber kein Selbstzweck, sondern ein spezifisches Ausdrucksmittel. Die Form sollte den Inhalt nicht überdecken. Deshalb singe ich auch auf Hochdeutsch.“ So isch’s no au wieder.

Sonderthemen