Die kalte Jahreszeit im Kreis Böblingen Winterdienst steht in den Startlöchern

Bei drohendem Glatteis und bei Schneefall sind Autobahn- und Straßenmeistereien fast rund um die Uhr im Winterdienst-Einsatz. Foto: Autobahn GmbH

Der Winter kommt. Schon bald könnte es auf den Straßen im Kreis Böblingen rutschig werden. Was machen die Kommunen und der Landkreis, um sich darauf vorzubereiten?

Böblingen: Julia Theermann (the)

Gerade sind im Kreis Böblingen die ersten zarten Schneeflöckchen gefallen, und seit einigen Tagen sackt das Thermometer zumindest nachts schon unter den Gefrierpunkt. Da wird es höchste Zeit, die Schneeschippe und den Eimer mit Streugut aus dem Keller zu holen. Doch wie sieht es mit den Straßen im Kreisgebiet aus?

 

Anders als im Privaten, wird der Winterdienst bei den zuständigen Behörden schon im Sommer geplant. Spätestens Anfang November muss alles bereit sein. „Insgesamt gehen wir davon aus, dass die Winter fortwährend wärmer werden, es ist aber immer auch mit Extremwettersituationen und mit vielen Glatteistagen zu rechnen“, sagt der Erste Beigeordnete der Stadt Holzgerlingen, Jean-Rémy Planche. Dafür, dass Lastwagen, Autos, Fahrräder und Fußgänger möglichst rutschfrei ihr Ziel erreichen, sorgen hier unterschiedliche Stellen: von der Autobahn GmbH des Bundes bis zu den Grünflächen- oder Technikämtern der Kommunen.

Zwei Städte – ein Bauhof

Mit den Geh- und Radwegen ist es unterschiedlich. Vor Wohnhäusern sind im Normalfall die Mieter oder Eigentümer in der Pflicht. Nur in seltenen Fällen kümmern sich die Kommunen auch dort.

In den Städten Böblingen und Sindelfingen gibt es einen gemeinsamen Zweckverband Technische Betriebsdienste (ZV TBS), der für Räumen und Streuen der Straßen im Stadtgebiet verantwortlich ist.

Sensoren melden das Wetter

Der Tag beginnt in den Wintermonaten früh für einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Winterdienst. Zwischen 3 und 4 Uhr werden die Straßenverhältnisse überprüft. Sind die Straßen glatt, werden die zuständigen Kolleginnen und Kollegen alarmiert, um mit den Streufahrzeugen auszurücken.

Wie es auf den Straßen aussieht, dafür müssen die Zuständigen inzwischen nicht einmal mehr aus dem Fenster schauen. In einigen Kommunen gibt es inzwischen Sensoren, die wichtige Informationen direkt ins System melden. Dazu zählen beispielsweise die Temperatur, die Feuchtigkeit und wie viel Streusalz noch auf der Fahrbahn ist.

Holzgerlingen erzeugt Sole selbst

Solche Straßensensoren sind in den vergangenen Tagen in Holzgerlingen eingebaut worden. Auf dem Amt für Tiefbau und Straßenunterhaltung heißt es, die Messgeräte seien in der Waldorfer Straße Ecke Rosenstraße, auf der Wengertsteige und in der Rudolf-Diesel-Straße in Bohrlöcher in der Fahrbahn eingelassen worden. Sie sollen jetzt mehrere Jahre verlässliche Informationen liefern. An Masten sind jeweils kleine Wetterstationen angebracht, die Daten wie Schnee- oder Wasserhöhe auf der Straße erfassen können. Auch sie hat die Stadt für diesen Winter neu angeschafft.

Holzgerlingen ist nicht die einzige Kommune, in der solche Sensoren im Einsatz sind. Auch Herrenberg und Waldenbuch arbeiten beispielsweise seit einigen Jahren mit ähnlichen Systemen.

Womit die Straßen und Wege gestreut werden – Salz, Flüssigsalz, Splitt oder Lavastaub – ist unterschiedlich. Splitt und Lava werden oft für die Radwege benutzt. Die Stadt Holzgerlingen setzt inzwischen überwiegend auf Sole, da diese in der kommunalen Salz-Sole-Anlage hergestellt werden kann. Für die Bürger gibt es im Stadtgebiet 52 Streubehälter mit Splitt, an denen man sich bei Bedarf bedienen kann.

Nicht alle Straßen sind gleich wichtig

Auch wann sich der Winterdienst welche Straßen kümmert, variiert. Meist gibt es eine Prioritätenliste. Auf einer Stufe mit Bundes- und Landstraßen stehen zum Beispiel in Böblingen und Sindelfingen Krankenhauszufahrten und die wichtigsten Hauptstraßen sowie Buslinien. Erst wenn die alle von Schnee befreit und mit Feuchtsalz gestreut wurden, sind die wichtigsten Zufahrtsstraßen in Wohngebiete dran .

Die restlichen Straßen innerhalb von Wohngebieten haben meist eine niedrige Priorität. Sie werden lediglich bei starkem Schneefall oder Blitzeis vom Winterdienst befahren. „Wir können allerdings nur Wohnstraßen räumen, wenn für unsere Winterdienstfahrzeuge eine Mindestbreite von 3,5 Metern freigehalten wird“, ergänzt der Geschäftsführer der ZV TBS, Lars Engelmann. Sprich: Autos sollten nach Möglichkeit nicht auf den Straßen oder gar auf den Gehwegen geparkt werden. Denn auch dort kann sonst nicht geräumt werden. In extremen Fällen jedoch, heißt es aus dem Landratsamt, wird der Winterdienst auf wichtige und gefährliche Straßen mit der höchsten Priorität wie Hauptverkehrswege, Steigungen und Brücken oder Kreuzungsbereiche sowie Rettungswege konzentriert“, sagt Wladimir Hahnstein, Leiter des zuständigen Amtes für Straßenbau.

Doch auch wenn der Winterdienst bemüht ist, die Straßen möglichst gut zu räumen und zu streuen, heißt es einstimmig aus den Kommunen, auch die Verkehrsteilnehmer könnten einen Beitrag dazu leisten, sicher durch den Winter zu kommen. Die eigene Geschwindigkeit sollte unbedingt an die Straßen- und Witterungsverhältnisse angepasst werden, heißt es. Dadurch könne man die Unfallgefahr verringern. Auch sollten Schneepflüge und Streufahrzeuge nicht überholt werden. „Dadurch wird nicht nur die Unfallgefahr vermindert, sondern es werden auch Beschädigungen am eigenen Fahrzeug durch umhergeschleudertes Streusalz vermieden“, so das Landratsamt.

Wie voll sind die Salzlager?

Vorbereitung
Die Lager für Streugut werden von den Kommunen, Straßen- und Autobahnmeistereien schon im Sommer gefüllt.

Autobahn
Die Autobahn GmbH des Bundes ist mit 100 Streu- und Räumfahrzeugen im Einsatz. In den Salzhallen und Solelagern lagern rund 36 500 Tonnen Salz und zwei Millionen Liter Flüssigsalz.

Landkreis
Der Kreis Böblingen ist für 560 Kilometer Straße verantwortlich. Mit acht eigenen und zehn weiteren Fahrzeugen sind die Mitarbeitenden unterwegs. Die Straßenmeisterei Leonberg hat 2000 Tonnen Salz vorrätig, Herrenberg 1000 Tonnen.

Sindelfingen/Böblingen
Der Zweckverband hat acht Lastwagen mit Pflug und Feuchtsalzstreuer im Einsatz. Dazu kommen Schmalspurfahrzeuge für die Geh- und Radwege. An Streugut stehen für beide Städte 1000 Tonnen Salz, 50 000 Liter Magnesiumchloridlösung und 400 Tonnen Lava zur Verfügung.

Herrenberg
Die Stadt Herrenberg muss 80 Kilometer Straßen räumen und streuen – darunter auch die Bundes- und Landesstraßen auf ihrer Gemarkung. Es gibt 31,45 Kilometer Radwege. Vier große und vier kleine Streufahrzeuge sind unterwegs. Im Silo lagern 240 Tonnen Salz, 25 Tonnen sind in Säcken einsatzbereit. Dazu kommen noch 350 Tonnen Streusalz im Außenlager.

Holzgerlingen
Die Stadt Holzgerlingen verbraucht in einem Winter rund 50 Tonnen Splitt für die Gehwege. Und für Straßen, Brücken, Plätze und Unterführungen werden 100 bis 140 Tonnen Salz oder Sole benötigt.

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