Die Königshäuser Belgien – Der diskrete Charme der Königsfamilie

Mathilde (48) und Philippe (61) sind seit 2013 das belgische Königspaar. Sie machen wenig Aufhebens um sich. Das Volk schätzt sie für ihre Zurückhaltung. Foto: Imago stock&people

König Philippe und Königin Mathilde sind nicht glamourös. Dafür unaufgeregt und bodenständig. Früher ging es in der belgischen Königsfamilie Jahre lang recht turbulent zu, einen handfesten Skandal inklusive.

Brüssel - Unaufgeregt und sparsam feierte Belgiens König Phillipe 2013 seine Amtseinführung. Die Hoffnungsträgerin an seiner Seite: Königin Mathilde. Auch schon Philippes Vater Albert II war seinen Geschäften 20 Jahre lang diskret und unauffällig nachgegangen. Doch das soll nicht darüber hinweg täuschen, dass es in der belgischen Königsfamilie viele Jahre lang recht turbulent zu ging, einen handfesten Skandal inklusive.

 

Die Hauptdarsteller

Ach, Belgien hat ein Königshaus? – fragt sich der eine oder andere am royalen Zirkus Unbeteiligte. Sind das nicht Máxima und Willem-Alexander? Selbst wenn die niederländischen Nachbar-Königs scheinbar alles überstrahlen: Auch das kleine Land der Pralinen und Pommes hat eine eigenen Königsfamilie. Philippe und Mathilde sind seit 2013 auf dem Thron. Die meisten Belgier betrachten ihr Königshaus mit höflicher Gleichgültigkeit. Hochzeiten, Taufen, der jährliche Königstag – was in anderen Ländern die Fans zu Zehntausenden auf die Straße lockt, ist Belgien nicht einmal eine richtige Feier wert.

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Als König Philippe 2013 den Thron von seinem Vater Albert übernahm, machte die Regierung klar, dass dafür möglichst kein Geld ausgegeben werden dürfe. Gerade einmal 100 000 Euro mehr als sonst wurden für den Nationalfeiertag am 21. Juli bewilligt, an dem Philippe siebter König der Belgier wurde. Der 61-Jährige gilt als bodenständig, aber spröde. Auch seine Frau Mathilde versprüht nicht gerade den Glamour einer Máxima oder Letizia von Spanien. Doch mit zurückhaltendem Charme und Pflichtbewusstsein hat sie sich ein gutes Ansehen im Volk erarbeitet. Beim Tennis soll es zwischen Mathilde und Philippe gefunkt haben, 1999 heiratete das Paar. Gemeinsam haben Mathilde und Philippe vier Kinder: Elisabeth (19), Gabriel (17), Emmanuel (15) und Eléonore (13).

Die Nebendarsteller

König Philippe und Königin Mathilde haben vier Kinder im Alter zwischen 13 und 19 Jahren, zwei Jungen (Gabriel und Emmanuel), zwei Mädchen (Elisabeth, Eléonore). In den vergangenen Jahren hat Kronprinzessin Elisabeth zunehmend das Interesse geweckt. Als älteste erbt sie eines Tages den Thron und entsprechend wird sie von der Öffentlichkeit beäugt. Belgische Medien feiern ihren lässig-eleganten Stil, der Palast rückt sie in den Fokus. Dennoch dürfte König Philippes Bruder Laurent (58) derjenige in der königlichen Familie sein, über den am meisten berichtet wird – gern unter den Spitznamen „Prinz Vollgas“ (wegen seiner Vorliebe fürs Rasen), „Prinz Wuff“ (weil er Hunde mag) oder auch „Prinz Peinlich“. Laurent bemüht sich nicht einmal zu verbergen, wie sehr ihm seine Rolle als Adliger missfällt. Mit seiner unverhohlenen Offenheit fällt er oft unangenehm auf.

Die Geschichte

Das belgische Königshaus hat deutsche Wurzeln: Erster Monarch war Leopold von Sachsen-Coburg und Gotha. Nachdem Belgien 1830 unabhängig geworden war, regierte er als Leopold I. von 1831 an bis zu seinem Tod 1865. Einen Schatten auf die Geschichte des noch jungen Königshauses warf sein Nachfolger Leopold II.: Die spätere belgische Kolonie Kongo war zunächst sein Privatbesitz und wurde gnadenlos ausgeplündert, mehrere Millionen Menschen kamen bei Zwangsarbeit ums Leben.

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Wenn König Philippe (61) eine Tages abtritt, dürfte das Land erstmals eine Königin bekommen: Thronfolgerin ist seine Tochter Prinzessin Elisabeth (19), die älteste von insgesamt vier Kindern. Belgien ist eine konstitutionelle Erbmonarchie. Der König vertritt das Land als Staatsoberhaupt, ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und ernennt die Regierung. Die Minister sind natürlich dem Parlament verantwortlich – nicht dem König.

Die Glanzlichter

Bei ihrer Traumhochzeit 1999 überzeugt das verliebte Brautpaar auch die letzten Zweifler. Mathilde d’Udekem d’Acoz und der damalige Thronfolger Philippe tauschen vor 1700 Gästen in der Brüsseler Kathedrale St. Michael und St. Gudula die Ringe. Die Trauung gestalten sie selbst. Aus Rücksicht auf die zerstrittenen Sprachgruppen in Belgien wird die Zeremonie auf Französisch, Niederländisch, Deutsch und teilweise sogar auf Englisch verlesen. Nicht nur Philippe hat es erwischt, auch das sonst eher royal desinteressierte belgische Volk ist hin und weg von seiner künftigen Königin. Es herrscht „Mathildomania“ im Land. Die damals 26-jährige Braut, die vom Typ her mit der Lady Di verglichen wird, trägt ein cremefarbenes Kleid mit einer etwa fünf Meter langen Schleppe. Der damals 39-jährige Philippe erschien in Offiziersuniform mit lilafarbener Schärpe. Auf den Straßen jubeln Tausende Menschen den frisch Vermählten zu.

Die Skandale

Eine uneheliche Königstochter und eine „Party-Prinzessin“: So unauffällig das belgische Königshaus inzwischen daher kommt, so turbulent ging es dort einst zu. Sämtliche Skandalnudeln sind inzwischen aus dem Rampenlicht verschwunden. Die italienischstämmige ehemalige Königin Paola galt in den 60ern als Party-Girl. Ihr sagte man sogar eine Affäre mit dem Sänger Adamo nach. 1993 wurden Albert II und Paola Königspaar. Ende der 90er brodelte die Gerüchteküche um eine uneheliche Tochter des Königs. Er erkannte die 1968 geborene Delphine Boel erst nach einem erzwungenen Vaterschaftstest und diversen Gerichtsprozessen an. Sie erhielt 2020 das Recht, als Prinzessin Delphine von Belgien gleichrangig zu den ehelichen Kindern Alberts behandelt zu werden.

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