Die leidige Essensfrage in Familien 5 schnelle Rezepte, die immer gehen und allen schmecken
Jede Familie hat ein Notfallgericht, das gut ankommt und für das immer alles im Haus ist. Fünf Redakteurinnen und Redakteure öffnen die Kochtöpfe.
Jede Familie hat ein Notfallgericht, das gut ankommt und für das immer alles im Haus ist. Fünf Redakteurinnen und Redakteure öffnen die Kochtöpfe.
„Was gibt es heute zu essen?“ Das ist eine der leidigsten Fragen im Familienalltag. Manche lösen das Problem mit schon am Wochenende erstellten Essensplänen für die kommenden Tage. Bei anderen gibt es abends immer Vesper, der Rest laviert sich mit Halbfertiggerichten, Spaghetti mit Tomatensoße und Pfannkuchen durch. Fünf Redakteurinnen und Redakteure zeigen, womit sie die Mägen ihrer Familienmitglieder auf die Schnelle füllen:
Zutaten:
Kartoffeln oder Süßkartoffeln
FrischkäseDose MaisDose BohnenDose IrgendwasHummus
GoudaEierZeug
Zubereitung:
Spätestens mit einem Kind im Haus muss es bei der Essenszubereitung grundsätzlich schnell gehen. Denn die Zeitspanne zwischen „Ich habe keinen Hunger!“ zu „Ich reiße gleich das Haus ab, weil ich wahnsinnig wütend und hungrig bin!!!“ beträgt (grob) 114 Sekunden. Der erste Trick der Essenszubereitung ist ein perfides Täuschungsmanöver beziehungsweise die Ankündigung: „Ich mache uns einen Salat!“ Denn Kinder werden mit der Fabrikeinstellung ausgeliefert, dass sie Salat hassen.
Und während das Kind wegen des angekündigten Salats vollständig auf die Barrikaden geht, wird später alles als Erleichterung der Lebensumstände eingestuft, was eben kein Salat ist. Ein Rezept hat sich zum Klassiker gemausert: Kartoffelmansche. Dazu werden natürlich Kartoffeln benötigt, das Kind mag zum Beispiel Süßkartoffeln, weil die eine „coole“ Farbe haben. Um die Kochzeit zu überbrücken, schaut man sich in den Beständen nach Beilagen um, die später kalt beigefügt werden: Frischkäse, Mais, Bohnen, Gemüse, Hummus (Kind mag das nicht, Vater aber sehr), Kichererbsen. Und weil Kinder gerne auf dem Teller rummanschen, wird später genau das gemacht, mit allen Zutaten. Dazu gibt’s Mutters legendäres Käseei. Das ist Spiegelei mit einer Scheibe Käse drauf. Kind: „Super, kein Salat!“
Michael Setzer (50) teilt sich das Leben mit einem Kind, einer Frau, einer Hündin und ständigem Hungergefühl.
Zutaten: Salz
225 g frische Bucatini oder Spaghetti
2 EL (30 ml) natives Olivenöl extra
2 TL (6 g) grob zerstoßener schwarzer Pfeffer
250 g Parmesan, frisch gerieben, plus Parmesan zum Servieren
120 g Pecorino, frisch gerieben
Zubereitung:
Seit dieses Rezept in der „Nachgekocht“-Kolumne erschien, hat das einen festen Platz in unserem wöchentlichen Essensplan. Und ist auch das perfekte Gerichte für Spontanbesuche. Es ist aus Joshua Weissmanns „Ein unverschämt gutes Kochbuch“ (DK-Verlag):
In einem großen Topf kräftig gesalzenes Wasser zum Kochen bringen. (Es sollte sehr salzig sein – fast so salzig wie Meerwasser.) Die Pasta hineingeben und nicht ganz al dente garen – das dauert etwa eine Minute bei frischer Pasta und sieben Minuten, wenn sie getrocknet ist. Sobald sie so weit ist, 350 ml Kochwasser abschöpfen und die Pasta abgießen. Das Öl in einem mittelgroßen Topf bei mittlerer Temperatur erhitzen und den Pfeffer darin etwa 30 Sekunden anrösten.
Etwa 250 ml des Pastawassers zugießen, leicht zum Sieden bringen und die halb gare Pasta dazugeben. Die Flüssigkeit drei bis fünf Minuten sprudelnd kochen lassen, bis sie um etwa drei Viertel eingekocht ist. Falls sie zu schnell verkocht, weiteres Pastawasser zugießen. Den Parmesan und den Pecorino zugeben und mit einer Küchenzange rasch untermengen, bis der Käse gleichmäßig verteilt und zu einer cremigen Soße zusammengeschmolzen ist. Den Topf vom Herd nehmen. Die Pasta in eine Schüssel geben und mit weiterem geriebenen Parmesan bestreuen.
Anja Wasserbäch (44) kocht gerne, lässt sich aber auch gerne bekochen.
1 Dose (800 g) vorgekochte braune Linsen
1 Dose vorgekochte weiße Bohnen
1 Zwiebel
4 Gelbe Rüben
4 mittelgroße Kartoffeln
Gemüsebrühe
bisschen Tomatenmark
Speckwürfel oder eine klein geschnittene Cabanossi
Zubereitung:
Okay, für laue Sommerabende ist dieses Essen das falsche – und das Auge isst bei diesem Mampf auch nicht mit. Aber an nasskalten Wintertagen, wenn ein schlotternder Tropf vom Draußenfußball nach Hause kommt, wenn die elterlichen Mägen durchhängen, weil es im Heimbüro wieder nur Käsebrot und Doppelkekse gab, dann wärmt dieser Eintopf wie früher die Umarmungen der Großmutter: zärtlich und grob zugleich.
Also schnell Zwiebel, Gelbe Rüben und Kartoffeln würfeln und in Öl anschwitzen, mit Gemüsebrühe aufgießen, sodass sie gerade bedeckt sind, einmal kräftig die Tomatenmarktube drücken und alles köcheln lassen, bis es bissfest ist. Fleischesser geben Speckwürfel oder eine klein geschnittene Cabanossi dazu. Vegetarier müssen halt auf diese Geschmacksexplosion verzichten.
Dann die Dosen Linsen und Bohnen zugeben und weiterkochen, bis die typische blechnapfgeeignete Eintopf-Konsistenz erreicht ist – also ein bisschen breiig, aber schon noch so, dass die einzelnen Zutaten erkennbar sind. Wer mag, streut ein wenig Chilipulver darauf.
Danach sind die Mägen aber so was von voll! „Dürfen wir was gucken?“, rufen die Kinder. Der Abend wird gut.
Lisa Welzhofer (45) porträtierte mal eine Gräfin mit Schloss. Sie neidete der Frau nichts, bis auf Koch Franz.
Zutaten und Zubereitung:
Zutatenlisten sind etwas für Anfänger. Man kocht nicht nach Grammzahl, sondern mit Herz und Liebe. Zum Beispiel Spaghetti bolognese. Das Gericht gilt als das älteste Soulfood der Menschheitsgeschichte und rettet den Familienfrieden seit der Antike.
Grundlage für eine gute Bolognese sind neben gemischtem Hack kiloweise Zwiebeln und eine für engeren Körperkontakt unvorteilhafte Menge Knoblauch. Beides schwitzt man in einer Adria-großen Portion Olivenöl an, bis die halbe Nachbarschaft mit Pawlow’schem Sabberreflex vor dem Küchenfenster winselt. Dann gibt man ein wenig Paprikapulver dazu, Tomatenmark, frischen Pfeffer, etwas Salz, Karotten und – die Italiener unter den Abonnenten mögen mir verzeihen – einen Hauch von Sellerie und anderem Suppengemüse, damit das Gericht noch ein wenig Wums bekommt. Das Ganze löscht man mit literweise Tomatensoße ab und lässt es dann wirklich sehr lange köcheln.
Da man diese Kalorien für die Seele niemals auf die Schnelle zubereiten kann, muss man an Sonntagen eine Portion vorkochen, von der eine Legion satt geworden wäre, die Cäsar vor seinem unterzuckerten Brutus gerettet hätte. Die abgekühlte Bolognese wird portioniert eingefroren und in den Abgründen der Kühltruhe versteckt für absolute Notfälle.
Denn wenn der Sohn von der Schule nach Hause kommt und um Punkt 12.15 Uhr keinen Teller mit dampfendem Inhalt vor sich findet, dann steht Karthago kurz vor der Zerstörung, um hier den letzten Lateiner-Witz rauszuhauen, den man im Repertoire hat. Sobald das Handy einen um 11.53 Uhr an die Kochpflicht erinnert, hilft nur noch Bolo erwärmen und das Al-dente-Kochen einer Badewanne voll Spaghetti. Und für kurze Zeit herrscht Frieden.
Ingmar Volkmann (46) dachte, er kann kochen, bis er kürzlich als Küchenjunge von Ex-Sternekoch Frank Oehler dilettieren durfte. Ging schief.
Zutaten: 50 Gramm Langkornreis
200 Gramm Tiefkühl-Erbsen
eine Zwiebel
ein halber Teelöffel Gemüsebrühe
ein ordentliches Stück Butter
wenn’s der Kühlschrank hergibt: Parmesan
Zubereitung:
13.45 Uhr. Mutter hängt im Homeoffice über einem Artikel, guckt auf die Uhr und zuckt zusammen. So spät! In 20 Minuten stehen die Töchter auf der Matte – mit leeren Bäuchen. Kühlschranktür auf, reinschauen, was schaut zurück? Ein halber Rotkohl, ein Block Räuchertofu, ein Glas Joghurt. Vielleicht würden Tim Mälzer oder Steffen Henssler daraus was Tolles zaubern, mir fehlt die Fantasie. Also auf Notfallmodus umschalten: Reis haben wir immer da, genauso wie Tiefkühl-Erbsen im Gefrierfach.
Und so wird daraus ein halbwegs ordentliches Mittagessen: Reis nach Packungsangabe kochen. Währenddessen die Zwiebel in feine Würfelchen schneiden und in einer Pfanne anschwitzen. Die Tiefkühlerbsen dazugeben und mit wenig Wasser kochen lassen. Den fertigen Reis untermischen, mit etwas Gemüsebrühe und Pfeffer würzen. Dann halte ich mich an die Weisheit meiner Oma, die wusste: Mit bissle Butter schmeckt alles besser. Also rein mit dem tierischen Fett, kalorienarm machen wir ein anderes Mal wieder. Am Tisch darf sich dann jeder noch so viel Parmesan drüber reiben, wie er mag.
Bevor Sie jetzt erwägen, das Jugendamt einzuschalten: Keine Sorge, diesen Reis mit Scheiß, Verzeihung, Erbsen gibt es bei uns nicht jeden Tag. Was übrigens für das Feingefühl meine Kinder spricht: Statt sich über das spartanische Gericht zu beschweren, lobten sie mich in den höchsten Tönen: „So gut hast du noch nie gekocht, Mama!“ Ich musste kurz schlucken – und beschloss dann, es nicht persönlich zu nehmen.
Theresa Schäfer (42) ist Mutter von Zwillingen und kocht eigentlich gerne und ausgiebig – aber manchmal muss es halt schnell gehen.