Herr Herre, wann geben Sie Ihre Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters in Stuttgart bekannt? Die Stadt könnte noch einen prominenten Bewerber vertragen.
Die Nachfrage ehrt mich, ich lehne aber dankend ab.
Wieso? Auf Ihrem aktuellen Album „Athen“ spielt die Politik eine Rolle.
Professionelle Politik wäre nicht mein Metier. Man reibt sich auf, muss Kompromisse schließen, bei denen sich Inhalte verwässern. Außerdem bin ich in Stuttgart seit 2002 nur noch Gast. Diesen Job muss jemand übernehmen, der jeden Tag nah an den Menschen in dieser Stadt dran ist.
Also werden Sie Ihre Kandidatur in der Liederhalle am 4. März nicht bekannt geben?
Mal sehen. Bis dahin hätte ich noch etwas Zeit, meine Kampagne vorzubereiten…
Was erwartet die Konzertbesucher?
Ich komme mit meiner siebenköpfigen Band und einer Leinwand, um einen audiovisuellen Abend zu gestalten. Bewegtbild wird eine große Rolle spielen. Musikalisch stellt mein Solo-Werk den roten Faden des Abends dar.
Auf „Athen“ finden sich einige sehr persönliche Stücke, die an Ihre Eltern gerichtet sind.
Ich habe etwas Bammel davor, die in Stuttgart zu spielen. Meine Eltern werden im Publikum sein, da stehen die Stücke besonders auf dem Prüfstand.
Im Song „Dunkles Kapitel“ zeichnen Sie ein düsteres Bild von Deutschland. Haben Sie Angst um Ihr Land?
Erst Halle, jetzt Hanau: Man muss aufhören, von Einzeltätern zu sprechen. Es gibt Leute, die sich in Netzwerken zusammenschließen, orchestriert durch Politiker, die sich in Landesparlamenten zu völkischem Gedankengut bekennen. Deshalb befürworte ich ein Verbot von Parteien, die faschistische Gedanken teilen.
Sie wären also für ein Verbot der AfD?
Ja, wenn sie sich nicht klar und deutlich von den völkischen Tendenzen ihrer Mitglieder distanziert.
Lassen Sie uns über angenehmere Inhalte sprechen: Vor der „Athen“-Tour haben Sie noch kurz ein Jazz-Album aufgenommen.
Mit Roberto Di Gioia, dem Kopf der Band Web Web, arbeite ich seit vielen Jahren zusammen. Wir haben eine gemeinsame Leidenschaft für Ethno-, Spiritual- und Soul-Jazz. Im November wird ein gemeinsames „Max und Web Web-Album“ erscheinen. Das wird eine Instrumental-LP. Live spiele ich in der Konstellation Fender Rhodes und bin so etwas wie der Rhythmus-Pianist, während Roberto der Jazz-Pianist ist. Wenn alles klappt, stellen wir das Material 2021 live in der Stuttgarter Oper vor, gemeinsam mit dem Orchester.
Sind Sie im Herzen eigentlich Jazzer?
Der Hip-Hop der frühen neunziger Jahre war immer auch vom Jazz beeinflusst. Nachdem ich Spike Lees Film „Mo‘ Better Blues“ gesehen hatte, habe ich mir auf dem Flohmarkt auf dem Karlsplatz eine Posaune gekauft. Meinen ersten Auftritt hatte ich mit meinem Bruder 1992. Er hat Saxofon gespielt, wir haben uns „Agit Jazz“ genannt. So hat meine Idee der musikalischen Transformation begonnen.
Konzert
Ab kommenden Sonntag geht Max Herre mit seinem Album „Athen“ auf Tour. Am 4. März spielt der Musiker, der mit der Band Freundeskreis bekannt wurde, um 20 Uhr im Beethoven-Saal in der Liederhalle.
Vielfalt Herres musikalisches Repertoire ist breit gefächert: „Ich wurde in den frühen neunziger Jahren in Rogers Kiste und bei den Oster-Jazz-Tagen im Theaterhaus musikalisch sozialisiert.“