Die Oscar-Nacht Triumphe, Tränen, Trump

Emma Thomas, Christopher Nolan (M) und Charles Roven posieren mit dem Preis für den besten Film für „Oppenheimer“ bei der Oscar-Verleihung im Dolby Theatre in Los Angeles. Foto: dpa/Jordan Strauss

Die 96. Academy Awards feiern in Los Angeles einen Filmjahrgang, so stark wie schon lang nicht mehr. Christopher Nolan wird für sein Gesamtkunstwerk „Oppenheimer“ mit Preisen überhäuft. Dessen Geschichte ist schon politisch genug. Aber es gibt noch mehr Politik.

Kultur: Tim Schleider (schl)

Nun ist „Barbenheimer“ für alle Zeiten entschieden – die beiden weltweit erfolgreichsten Filme des vergangenen Sommers, die das Kino zumindest bist auf Weiteres vom Coronaschock heilten, traten am Sonntag im Dolby Theater in Los Angeles zum finalen Wettstreit um die diesjährigen Oscars an. Mit acht Nominierungen ging „Barbie“ von Greta Gerwig ins Rennen, mit 13 „Oppenheimer“ von Christopher Nolan.

 

„And the Winner is .:.:.“: Diesen Satz sagt bei der Oscar-Verleihung bekanntlich schon lang niemand mehr, weil inzwischen – zu Recht! – schon die Nominierungen der American Academy of Motion Picture Arts and Sciences als Gewinn gelten. Aber die Entscheidung der rund 11 000 Akademiemitglieder war und ist eben eindeutig: „Oppenheimer“ räumt ab in sieben und vor allem in allen zentralen Oscar-Kategorien, wird auch „Bester Film“. Für „Barbie“ bleibt da nur noch der „Beste Filmsong“: „What Was I Made for?“, komponiert und überirdisch zart vorgetragen an diesem Abend von Pop-Megastar Billie Eilish, begleitet am Klavier von ihrem Bruder Finneas O’Connell, einer ebenso bezaubernden Erscheinung.

Wer aber nun glaubt, Christopher Nolan, der als Regisseur und als Produzent zum Schluss gleich zwei Oscar-Statuen stemmen muss, würde darob in Triumph verfallen, irrt: Nolan gilt unter Kollegen und Journalisten schon lang, man glaubt es kaum, als bescheiden und zurückhaltend, viel mehr Kinokünstler als Blockbuster-Hengst, der er ja dank seiner Kassenerfolge auch sein könnte. Er hat lange auf die offizielle Anerkennung der Academy warten müssen; nun dankt er auf der Bühne vor allem seiner Ehefrau Emma Thomas, die er während seines Studiums an der Uni in London kennenlernte und die seitdem als Produzentin mit ihm gemeinsam alle Großprojekte stemmt. Leise fügt er dann noch hinzu: dass er Teil jener sein dürfe, die weiter an die Kraft des Films glauben, bedeute ihm alles, „means the world to me“.

Das war nicht die einzige Träne, die in dieser Nacht auf der Bühne vergossen wurde: Die 38-jährige Schauspielerin Da’vine Joy Randolph, die für ihre Rolle als gnatschig-gütige Köchin in der herrlichen Internatskomödie „The Holdovers“ ausgezeichnet wurde, konnte anfangs immer nur „God is so good! God is so good!“ aufächzen. Robert Downey jr., dem das Engagement als very bad guy in „Oppenheimer“ persönlich ein Wiederauferstehen aus einem Drogen- und Alkoholtief ermöglichte, verbarg seine Rührung geschickt hinter allerlei Gekasper. Cillian Murphy wiederum, der Christopher Nolan die „Oppenheimer“-Hauptrolle blanko zusagte, ohne irgendeine Info übers Drehbuch, sagte gar nicht viel und betrachtete immer nur die Statue in seinen Händen. Und Emma Stone, die fabelhafte Bella Baxter aus „Poor Things“, drehte immer dann, wenn ihr die Stimme brach, dem Publikum den Rücken zu: „Sorry, das Kleid ist hinten gerissen, schaut da nicht so hin!“ Angeblich passierte ihr das Malheur, als kurz zuvor Ryan Gosling den Vortrag seines nominierten Ken-Songs aus „Barbie“ zur großen Shownummer mit Männerballett gemacht hatte. Als dann auch noch der Rockmusiker Slash mit seiner E-Gitarre auftauchte, kannte das Parkett kein Halten mehr – eine Nummer, die zweifellos zum Oscar-Gala-Evergreen werden wird.

So wie die Academy nun auch Jimmy Kimmel endgültig den festen Posten als Oscar-Gastgeber geben sollte. Der 56-jährige TV-Moderator ist die Idealbesetzung für den Job – er weiß, wie es gelingt, einerseits die Nominierten zu würdigen und ihnen doch gleich im nächsten Satz ein paar Neckereien mit auf den Weg zu geben. Sein Meisterstück aber lieferte er zum Schluss der Oscar-Nacht: Donald Trump hatte ihn gerade via Trump-Netzwerk Truth Social als „schlechtesten Oscar-Gastgeber aller Zeiten“ beschimpft. Kimmel zitierte dann von seinem Smartphone ein paar der weiteren Beleidigungen von Trump, ging dann beim Zitieren über zu „blablabla, make America great again“ – und rief zurück: „Danke, Präsident Trump. Danke fürs Zuschauen. Aber müssten Sie nicht jetzt schon längst im Knast sein?“

Kurzum: Es war wieder herrlich.

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