Bald gibt es Impfstoffe für alle Altersgruppen – außer für die ganz Kleinen. Deshalb haben wir gefragt, wie sich die Pandemie bei den unter Fünfjährigen und in den Kitas entwickelt.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)

Stuttgart - Ende November wird die Europäische Arzneimittelagentur einen Impfstoff für Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren zulassen. Bund und Länder haben sich darauf verständigt, dass diese Impfungen möglichst schon in der zweiten Dezemberhälfte beginnen. Dann gibt es Impfstoffe gegen Corona für alle Altersgruppen – außer für die ganz Kleinen. Umso wichtiger ist, wie Corona sich zuletzt bei den Null-bis Fünfjährigen und in den Kitas entwickelt hat.

Grundlagen

Nach wie vor gilt, dass Corona für ältere Menschen weitaus gefährlicher ist als für Kinder und Jugendliche. Das Risiko, schwer an Corona zu erkranken, ist für die ganz Jungen niedrig. Das belegen die Fall-, Hospitalisierungs- und Sterbezahlen. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) sind seit Beginn der Pandemie in Deutschland fast 125 000 Null- bis Fünfjährige an Covid 19 erkrankt. Das entspricht 2,8 Prozent aller Coronafälle; der Bevölkerungsanteil der Altersgruppe wird mit 5,7 Prozent angegeben. Knapp 3500 dieser coronaerkrankten Kinder mussten im Krankenhaus versorgt werden, davon 57 auf der Intensivstation. Bislang hat das RKI laut seinem Oktober-Bericht über Kitas insgesamt zwölf Todesfälle wegen oder mit Corona in diesem Alter registriert. Im Lagebericht des Landesgesundheitsamtes sind für Baden-Württemberg sechs Todesfälle in diesem Alter aufgeführt.

Bundesweite Situation

An diesem Donnerstag hat das RKI bei den Null- bis Vierjährigen eine Inzidenz von 206,4 mit deutlich steigendem Trend veröffentlicht; Anfang November waren es noch 110. Allerdings: Diese Gruppe hat aktuell die niedrigste Inzidenz aller Altersstufen unter Sechzig. Das RKI hat schon in seinen aus September stammenden Strategieempfehlungen für diese Herbst-Winter-Saison darauf hingewiesen, dass Kinder und Jugendliche wegen des für sie nach wie vor fehlenden Impfstoffs eine stärkere Rolle bei der Pandemieentwicklung spielen. Sie stellten eine große, für Corona empfängliche (im Fachjargon: „suszeptible“) Gruppe dar.

Im Oktober-Bericht zur Lage an den Kitas heißt es, dass die Corona-Infektionen bei Null- bis Fünfjährigen von Mitte September bis Anfang Oktober gesunken sind. Seither steigen die Zahlen. Aktuell wird die Inzidenz auf 175 beziffert, nach 110 in der Vorwoche.

Aktuelle Entwicklung

Im Vergleich mit dem Vorjahr zeigen sich zwei Trends: In den vorherigen Coronawellen war die Zahl der Virusausbrüche mit mindestens zwei Fällen an Kitas deutlich höher als jetzt. Zugleich aber ist der Anteil der erkrankten Kleinkinder gestiegen. Der Anteil der Null- bis Fünfjährigen an allen in Kitas oder Horten verzeichneten Ausbrüche stieg laut dem Kita-Bericht des RKI von etwa 35 Prozent während der zweiten Welle und 45 Prozent in der dritten Welle auf zuletzt 58 Prozent im September, um danach wieder zu sinken. Ende Oktober 2021 betrafen 48 Prozent der Fälle, die in Zusammenhang mit einem Ausbruch in einer Kita stehen, Kinder unter fünf Jahren.

Positiv wirkt sich aus, dass 87 Prozent des Personals laut dem Kita-Bericht vom Oktober mittlerweile mindestens einmal geimpft ist. Die Experten sind sicher, dass die Kleinsten am meisten vom sogenannten „Cocooning“ profitieren: wenn Eltern und das pädagogische Personal geimpft sind.

Situation in Baden-Württemberg

Seit Jahresanfang wurden dem Landesgesundheitsamt in Stuttgart rund 115 000 Kinder und Jugendliche (bis 19 Jahren) gemeldet, die sich mit Corona infiziert hatten. Darunter waren, wie sich aus dem jüngsten Wochenbericht ableiten lässt, ungefähr 8000 Kinder bis fünf Jahre. In der 44. Woche – Anfang November – wurden fast 1100 neue Fälle in dieser Altersgruppe registriert. Eine Woche später sind es fast 1900. Nach leichten Schwankungen in den ersten Schulwochen steigen die Zahlen seit Anfang Oktober kontinuierlich. In der Vorwoche sind in Baden-Württembergs rund 8900 Kitas 133 Corona-Ausbrüche mit 652 Infektionsfällen gemeldet worden. Laut dem neuesten Wochenbericht waren es in den vergangen sieben Tagen 31 Ausbrüche mit 142 Infektionsfällen.

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