InterviewPianistin Olga Scheps spielt Scooter-Hits „How much is the Fish“ auf dem Klavier

Von Christof Hammer 

Sie spielt Romantisches von Chopin und Liszt, wandelt auf Schuberts Spuren, greift nach Neutönern wie Pärt und macht aus Rummelplatz-Techno Klassik: Olga Scheps gehört zu den vielseitigsten Pianistinnen der Klassikszene. Am Freitag gastiert sie im Theaterhaus.

Die Pianistin Olga Scheps spielt Hits von H.P. Baxxter und seiner Band Scooter auf dem Klavier. Foto: dpa
Die Pianistin Olga Scheps spielt Hits von H.P. Baxxter und seiner Band Scooter auf dem Klavier. Foto: dpa

Stuttgart - Sie spielt Romantisches von Chopin und Liszt, wandelt auf Schuberts Spuren, greift nach Neutönern wie Pärt und macht aus Rummelplatz-Techno Klassik: Olga Scheps gehört zu den vielseitigsten Pianistinnen der Klassikszene. Am Freitag gastiert sie im Theaterhaus.

Frau Scheps, Sie kommen mit einem höchst gemischten Programm nach Stuttgart: Mozart, Satie, dazu kommen Lieder der deutschen Dancemusic-Band Scooter. Verraten Sie uns den roten Faden dieses Mixes?

Alle Stücke in diesem Programm zeigen, wie sich verschiedene musikalische Stile gemischt haben, früher und heute. Die Komponisten haben sich inspirieren lassen von anderen Stilen und haben ihrerseits Neues etabliert – wie Erik Satie, der zum Vorreiter der „Minimal Music“ wurde.

Wie schafft man es, den Techno-Pop von Scooter Klassik-kompatibel zu gestalten?

Scooter interpretieren ihre Melodien mit Beats, Vocals, elektronischen Mitteln. Auf dem Klavier erschaffen wir eine ganz andere Welt, wir haben völlig andere Möglichkeiten und Klangfarben. Deshalb klingen die Stücke so anders: manchmal intimer, entspannter, aber auch perkussiv und wild.

Auf Ihrer neuen CD „Melody“ spielen Sie auch Titel von Genre-Grenzgängern wie Chilly Gonzales, Sven Helbig oder des Ambient-Pioniers Aphex Twin – worin liegt bei Annäherungen an die moderne Pop-/U-Musik der Reiz für Sie?

Ich liebe Musik aus allen Epochen. Bach, Chopin, Beethoven, Prokoffief, Sven Helbig oder Chilly Gonzales haben großartige Musik komponiert. Ich spiele Werke, die mich berühren. Das ist die einzige Kategorie, die mich interessiert. Bezeichnungen wie U- oder E-Musik sind für mich nicht wichtig, und ich bin nicht sicher, ob sie überhaupt sinnvoll sind.

Gibt es bei solchen Begegnungen mit Vertretern der Popmusik Kooperationen, die Sie keinesfalls machen würden?

Ich spiele Musik, die ich liebe, die mich zum Nachdenken bringt. Wenn mich ein Werk nicht anspricht, beschäftige ich mich nicht damit.

Wie fühlen Sie sich in die Seele einer Komposition ein? Zwischen Scooter, Strawinsky und Satie liegen schließlich kleine Welten.

Zwischen unterschiedlichen Menschen und Künstlern liegen auf den ersten Blick vielleicht Welten, Epochen, räumliche und kulturelle Unterschiede. Aber eigentlich erzählt Musik von Gefühlen und Gedanken, die wir alle empfinden. Werke, die vor hunderten von Jahren geschrieben wurden, berühren uns dabei genau so wie aktuelle Kompositionen Es sind die gleichen menschlichen Emotionen, die vielleicht durch unterschiedliche Erfahrungen ausgelöst werden, die wir aber alle kennen.

Wie sehr kann man ein Publikum „erziehen“, es zu unbekannten Werken hinführen?

Ich denke nicht, dass man das Publikum „erziehen“ muss. Die Menschen kommen ins Konzert, um Musik zu genießen, zu entspannen oder in Erinnerungen zu schwelgen, Emotionen zu durchleben, über etwas Bestimmtes nachzudenken, sich entertainen zu lassen. Das möchte ich den Zuhörern geben.

Das Konzert an diesem Freitag im Theaterhaus beginnt um 20 Uhr. Die CD „Melody“ erscheint am 8. März bei Sony Classical.




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