Die Rampe wird für „Explosionszeichnungen“ zur Werkstatt Das Theater als Labor für ein besseres Leben

Von Swantje Kubillus 

Die einen basteln, die anderen schauen zu. Das Künstlerkollektiv „Verlag für Handbücher“ verwischt im Theater Rampe die Grenze zwischen Bühne und Publikum.

Das Künstlerkollektiv „Verlag für Handbücher“ gibt Anleitungen vor, das Publikum setzt sie um. Dabei fliegen schon mal die  Funken. Foto: Verlag für Handbücher
Das Künstlerkollektiv „Verlag für Handbücher“ gibt Anleitungen vor, das Publikum setzt sie um. Dabei fliegen schon mal die Funken. Foto: Verlag für Handbücher

Stuttgart - Das neue Jahr im Theater Rampe beginnt mit „Explosionszeichnungen“. Das ist sublime Performance-Kunst, die den Theaterraum als einen Ort des Werkens begreifen will, an dem der Zuschauer als tätiges Wesen agiert. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Theater Rampe und dem Künstlerkollektiv „Verlag für Handbücher“, das Anna Romanenko, Oliver Kraft und Björn Kühn 2014 gründeten.

Im so bezeichneten „Theater der Bedienbarkeiten“ zeigen die Künstler Lilith Becker, Antonio Gagliano, Theun Karelse, Verónica Lahitte und Oana Vainer in ihren „Handbüchern“ instruktiv, welche Möglichkeiten sich für den Einzelnen in einem „Nach-Anleitung-Arbeiten“ ergeben können. Bei der Premiere am Samstagabend war das auf 50 Personen begrenzte Publikum unterwegs in einer Art Kabinett der Werkstoffe und Produktion. Im ausverkauften Haus reihte man sich ein und suchte sich entweder selbst eine Tätigkeit, half jemandem oder war einfach Beobachter. Wer ist hier noch Publikum, wer schon Künstler?

Aggressivität? Das gehört dazu

Manch einer ist freudig am Schaffen, manch einer wird unruhig, gar aggressiv. Das gehört dazu. In einem mit Ketten, Schaukeln und Boxbällen behangenen, mystisch dunklen Raum wechseln sich Akkordeon und Gesang ab mit aus Handbüchern verlesenen Texten. Auf dieser großen Spielwiese ist von allem etwas da: Selbstbestimmtheit, Happening-Gefühle – aber es fehlt an Esprit. Vielleicht ist das ja Programm?

Leise erhält der Zuschauer eine Arbeitsschürze gereicht, um Teil der industriellen Maschinerie zu werden. Ihn erwartet keine harte Arbeit, vielmehr kann er in diesem Coworking-Space der anderen Art Theater als Erfahrungsraum erleben. Da sucht sich der eine etwa einen Laborplatz zur Herstellung von Silberstreifen, der andere beantragt imaginativ ein neues Patent. Der Nutzen dabei? Vielleicht gemeinsam eine neue Vorstellung vom guten Leben zu entwickeln.

Weitere Vorstellungen: 8., 9. und 10. Januar jeweils um 20 Uhr