Die Rangerin im Nationalpark Schwarzwald Hüterin der Wildnis

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Ein Karsee im ältesten Urwald Baden-Württembergs, das romantische Tonbachtal, die rauschende Schönmünz: Auf Tour im Revier der Nationalpark-Rangerin Heidrun Zeus.

Heidrun Zeus und ihre  Labradorhündin Paula haben ein Auge auf den  Nationalpark Schwarzwald Foto: Thomas Fritsch
Heidrun Zeus und ihre Labradorhündin Paula haben ein Auge auf den Nationalpark Schwarzwald Foto: Thomas Fritsch

Nein, nicht schon wieder!“, sagt Heidrun Zeus. Schon wieder haben Wanderer der Verlockung nicht widerstehen können und am Wilden See ein Lagerfeuer entfacht. Das ist streng verboten, Schilder weisen darauf hin. Der kleine, verwunschene Karsee gehört zu den Juwelen im Nationalpark Schwarzwald, er liegt mitten in Baden-Württembergs ältesten Urwaldgebiet, dem 104 Jahre alten Bannwald Wilder See, und mitten im Revier der Rangerin Heidrun Zeus.

Die wildromantische Kulisse zieht die Besucher magisch an. Der Wilde See ist einer der „Hotspots“, zumindest an den Wochenenden sind die Ranger dort immer präsent. Zwar ist der steile Steig durch die 120 Meter hohe Karwand hinab nur für „Trittsichere“ empfohlen, doch das hindert Abenteurer und Einsamkeit suchende Ausflügler, die dort unten zelten wollen – was natürlich auch verboten ist – nicht daran, sogar Sägen und Beile mitzuschleppen. Dass das vermeintlich wertlose Totholz, das sie aus dem Wald ziehen, um ein Lagerfeuer zu entfachen, ein wertvoller Lebensraum für Pilze, Insekten oder den Sperlingskauz sei, sei den meisten gar nicht bewusst, sagt Heidrun Zeus. Oft muss sie auch Schwimmer, die sich ins kalte Nass wagen, an Land zurückbeordern. Einmal schipperte ein Freizeitkapitän mit Schlauchboot und Ghettoblaster über den Wilden See. Zeus musste ihm den Spaß verderben. Im Sommer rief sie die Polizei zu Hilfe und erstattete Anzeige gegen gewerbliche Heidelbeersammler aus dem Elsass. Diese hatten auf den Langmut der Ranger gesetzt und waren trotz einer Verwarnung gleich am nächsten Tag wieder in dem Waldstück unterwegs – inklusive einer Sackkarre, auf der eine große Tonne für den Abtransport stand. Irgendwann riss auch bei Heidrun Zeus einmal der Geduldsfaden.

Informieren, um Verständnis werben, an die Vernunft appellieren: die Rangerin will kein Sheriff sein. Kinder sollen keine Angst bekommen, wenn sie mit ihrer roten Jacke auftaucht. Erwachsene auch nicht. Sie will die Leute begeistern für die Natur und die Besonderheiten im Nationalpark, die von Besuchern mehr Rücksichtnahme und Zurückhaltung erfordern als ein Spaziergang durch einen Wirtschaftswald. Im Nationalpark soll sich die Natur frei und möglichst ungestört von menschlichen Einflüssen entwickeln. Bis in 28 Jahren, so der Plan, sollen drei Viertel des 10 000 Hektar großen Schutzgebiets sogenannte Kernzone sein: Der Mensch soll hier nur beobachten, wie Zerfall und neues Leben den Wald verändern.

Vom Rundfunk in den Nationalpark

„Mit Herzblut und Leidenschaft“ übe sie ihren Beruf aus, sagt die 45-jährige Badenerin. Ihren Job als Dokumentarin beim Südwestrundfunk (SWR) hat sie im Herbst vergangenen Jahres an den Nagel gehängt. Heidrun Zeus ergriff die Chance, noch einmal etwas ganz Neues zu wagen. Wobei, so neu ist das alles nicht für sie: Sie stammt aus einer Jägerfamilie, seit zehn Jahren hat sie selbst den Jagdschein. Schon von Kindesbeinen an war sie im Nordschwarzwald unterwegs. Nach einer Ausbildung beim Nabu arbeitete sie in ihrer Freizeit als ehrenamtliche Schwarzwaldführerin beim Naturschutzzentrum Ruhestein, als ehemalige Springreiterin bot sie auch Touren mit ihren Maultieren an.

Der ungewöhnlich warme, sonnige und trockene November hat die Wandersaison im Nationalpark Schwarzwald deutlich verlängert und damit auch dem Rangerteam – fünf Männern, drei Frauen – erheblich mehr Arbeit beschert. Mehr Führungen, mehr Betriebs- und Vereinsausflüge, mehr Tagesgäste. Heidrun Zeus betreut mit ihrem Rangerkollegen  Patrick Stader das Gebiet Mitte: Wilder See, Tonbachtal, Huzenbacher See, Schönmünztal. Sie haben es geschafft, rechtzeitig vor dem jetzt erfolgten Wintereinbruch den Schneeschuhtrail vom Nationalparkzentrum am Ruhestein hinauf zur Darmstädter Hütte mit den pinkfarbenen Holztäfelchen zu beschildern. Im vergangenen Jahr mussten sie sich mit dem schweren Handwerkskoffer mühsam den Weg durch frisch gefallenen Tiefschnee bahnen. Auch das 150 Kilometer lange Loipennetz ist inzwischen ausgeschildert, dafür sind allerdings die Mitarbeiter des Nationalpark-Fachbereichs Wald und Naturschutz verantwortlich, die dann auch mit zwei Pistenbullys die Loipen spuren werden.

Die Pfosten der Gaiskopfloipe Seibelseckle stehen stabil im Boden, das stürmische Wetter der vergangenen Tage hat sie nicht ins Wanken gebracht. Davon überzeugt sich die Rangerin auf einer ihrer sehr seltenen Kontrollfahrten mit dem eigenen Geländewagen. Normalerweise streift sie zu Fuß durch das Revier. Immer dabei: Paula, ihre achtjährige Labradorhündin und ausgebildete Jagdbegleiterin. Ein Nationalparkschild liegt am Boden, das wird anhand genauer GPS-Daten ebenso registriert wie eine reparaturbedürftige Holzliege am Aussichtspunkt oberhalb des dunklen Huzenbacher Sees, in den umgeknickte, welke Seerosenstängel geografische Muster zaubern.