Aufwendige Handarbeit
Die Neckarstraße 65 a galt früher als gute Adresse für „reiche Auswahl in gut versilberten und vergoldeten Gebrauchs- und Luxusgegenständen“, wie es in einer Anzeige um die Jahrhundertwende heißt, in der Dupper & Bernhold für seine funkelnden Erzeugnisse warb. In dem dreigeschossigen Jugendstilgebäude in der Neckarstraße nutzte die Firma das Erdgeschoss als Musterzimmer und Büro, auch die Produktion befand sich auf dem Grundstück.
Typisch für Produkte aus dem Hause Dupper & Bernhold sind Arbeiten im traditionellen floralen Jugendstil, die in aufwendiger handwerklicher Arbeit hergestellt wurden und bei Sammlern sehr begehrt sind. Die hier gezeigte Schale kommt vergleichsweise schlicht, aber anmutig daher. „Die Metallmontur zeigt auf vier identischen Bildfeldern jeweils zentral ein mit Voluten verziertes Trapez, behängt mit einem Lorbeergebinde. Links und rechts davon laufen Zweige mit je sieben Blättchen zu den benachbarten Bildfeldern,“ heißt es in der Beschreibung des Stadtmuseums im Gelben Haus. Dass die erhabenen Elemente leicht golden schimmern, sind typische Gebrauchsspuren und deutet auf das etwas zu energische Polieren des guten Stücks in der Vergangenheit hin. Dabei löste sich die Versilberung und das darunter befindliche Metall – vermutlich ist es Messing – kommt zum Vorschein.
Der Stil der Reichen was Vorbild
Während sich vor der Erfindung von Plattierung und Galvanisierung nur wohlhabende Kreise echte Silberwaren leisten konnten, sorgte die Versilberungsindustrie im 19. Jahrhundert auch in weniger gut betuchten bürgerlichen Haushalten für einen Hauch von Pracht und Eleganz beim Tischschmuck. So wurde die bürgerliche Wohnkultur für alle möglich gemacht und man konnte den üppigen Stil der Reichen samt Glanz und Gloria beispielsweise mit solchen Schalen oder mit einem komplett silberfarbenen Teeservice kopieren, da versilberte Produkte nicht so teuer waren wie echtes Silber. Die Glasschale, die in die Montur eingesetzt ist, wurde allerdings nicht von Dupper & Bernhold selbst gefertigt, sondern zugekauft.
Die Herkunft ist an der eingeschlagenen Marke DBE am Griff der Schale erkennbar. Das Stadtmuseum hat dieses Sammlungsgebiet über Jahrzehnte ausgebaut, berichtet der ehemalige stellvertretende Leiter der Esslinger Museen, Christian Rilling in einem Podcast des Museums. Zunächst gab es demnach in der Sammlung nur Stücke von den Metallwarenfirmen F.W. Quist und C. Deffner. Dann kam ein Zufallsfund auf dem Flohmarkt am Karlsplatz in Stuttgart dazu, wo Rilling as erste Stück aus dem Hause Dupper & Bernhold ergatterte.
Das Metallhandwerk war in der vorindustriellen Zeit mühsame Handarbeit. Allein ein Blech in Form zu treiben, konnte pro Stück mehrere Tage in Anspruch nehmen. Mit der Entwicklung mechanischer Geräte wie Drückbank oder Fallhammer konnten später Hohlkörper deutlich schneller gefertigt werden. Und auch die Arbeitsteilung entwickelte sich, zu der das Ziehen, Gießen, Drehen, Plattieren, Galvanisieren, Löten, Schleifen und Polieren gehören.
Die WMF hat Esslingen viel zu verdanken
Zusammen mit der Textilindustrie nahmen die metallverarbeitenden Betriebe in Esslingen im 19. Jahrhundert eine Schlüsselrolle bei der Industrialisierung der Stadt ein. Eine Vielzahl Menschen war im Sektor Metall beschäftigt und immer wieder kam es zu Ausgründungen neuer Firmen. Die Details dieses Brain Drain sind nicht überliefert, denn meist fehlen die dazugehörenden Archive und Produkte.
Eineinhalb Jahrhunderte lang herrschte eine Hochzeit im metallverarbeitenden Esslinger Handwerk. Während die hiesigen Unternehmen anfangs noch versuchten, englische Produktionsweisen zu kopieren, gab es mit der Zeit immer mehr eigene Entwicklungen. Als besonders innovativ galt die Firma A. Ritter & Co, die ein paar Jahre in Esslingen ansässig war, bevor sie sich im Jahr 1880 mit dem Geislinger Unternehmen Metallwarenfabrik Straub & Schweizer in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft zur Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) zusammenfand. Wie Rilling außerdem berichtet, gab es in Esslingen auch eine Menge kleiner Betriebe wie den von Hans Peter, der das Ziseleur-Handwerk bei A. Ritter in Esslingen gelernt hatte und später als Gestalter bei der WMF in Geislingen arbeitete, bevor er sich Ende des 19. Jahrhundert selbstständig machte und beim Design eine große Produktähnlichkeiten mit der WMF zeigte. Die meisten Firmen sind nach dem Ersten Weltkrieg und der Wirtschaftskrise vom Markt verschwunden. Der Publikumsgeschmack hatte sich geändert und die Konkurrenz aus Fernost tat ein Übriges.
Im 20. Jahrhundert änderte sich der Geschmack
Einst stand der Dicke Turm Pate
Anfang
Dupper & Bernhold wurde 1890 vom in der Küferstraße ansässigen Wilhelm Dupper und seinem Teilhaber Max Bechtle junior gegründet. Die Firma trug zunächst den Namen „Dupper und Bechtle“. 1894 wurde der Firmensitz in die Neckarstraße 65a verlegt und zwei Jahre später wurde Ernst Bernhold aus Stuttgart Teilhaber. Dupper & Bernhold stellten vor allem versilberte Tischwaren wie Vasen, Schalen, Bowlen und Kerzenleuchter her. Viele Produkte wurden nach der Mode des Jugendstils designt.
Ende Die Firma Dupper & Bernhold wurde 1929 von Hanns Knäbel übernommen. Der Name hatte bis 1949 Bestand, allerdings wurde die DBE-Signatur einige Zeit lang mit der stilisierten Abbildung des Dicken Turms ergänzt. Ab Ende des 19. Jahrhunderts bedrängte der Aufstieg der deutlich günstigeren Produkte der Blechwarenindustrie allmählich die Versilberungswarenindustrie auch in Esslingen. Im Jahr 1976 beendete ein Vergleich die Firmengeschichte von Dupper & Bernhold.