“Die Simpsons“ und der neue US-Präsident Als Donald Trump noch zum Lachen war

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Pro7 kann der Versuchung nicht widerstehen: Zur Amtseinführung von Donald Trump wiederholt der Sender eine „Simpsons“-Folge aus dem Jahr 2000. Darin war Trump bereits einmal US-Präsident – und hat das Land ruiniert hinterlassen.

Passen zueinander wie Topf und Deckel: Donald Trump und die Welt der Simpsons. Foto: Fox
Passen zueinander wie Topf und Deckel: Donald Trump und die Welt der Simpsons. Foto: Fox

Stuttgart - Wie tief können die USA denn noch sinken? Lisa Simpson wird Präsidentin, und ihre missratene Familie darf mit ins Weiße Haus ziehen? Vorsicht mit dem Hohngelächter, das ist keineswegs der Tiefpunkt der amerikanischen Geschichte, wie sie uns die Zeichentrickserie „Die Simpsons“ ausgemalt hat. Das absolut Schlimmste haben die USA beim Amtsantritt von Lisa schon hinter sich. In der Folge „Barts Blick in die Zukunft“ erfahren wir aus einem knappen Dialog im Oval Office, wer vor Lisa Präsident war: Donald Trump. Und der hat die Nation im selben Zustand wie die meisten seiner Firmen hinterlassen: restlos pleite. Kein Wunder, dass Pro7 der Versuchung nicht widerstehen kann, diese am 19. März 2000 erstmals ausgetsrahlte Episode zu Ehren der Einführung von Donald Trump ins höchste Amt der Supermacht noch einmal zu zeigen. (Freitag, 18.40 Uhr).

In den sozialen Medien hat „Barts Blick in die Zukunft“ (im Original: „Bart to the Future“) fast schon abergläubische Begeisterung hervorgerufen. Ganz genau hätten die kreativen Köpfe hinter der erfolgreichsten Trickserie der Welt die politische Realität vorhergesagt, bis auf den letzten Polyesterzwirbel des Pleitiertoupets genau. Zum Beweis wurden Bilderpaarungen gepostet, wie der reale Trump hier in praller Cäsarenpose die Rolltreppe seines Kitschpalastes hinabfährt und Jubelfans grüßt, und wie er da als Zeichentrickfigur im Trump Tower als grüßender Wahlkämpfer Rolltreppe fährt, nur dass da Homer Simpson hinter ihm steht. Trump und die sozialen Netzwerke haben eben etwas Entscheidendes gemeinsam – den Hang zur Übertreibung.

Nichts als ein Scherzkandidat

Haargenau haben die „Simpsons“-Macher eine Trump-Kandidatur einst gar nicht vorstellen wollen. Die angeblich prophetische Rolltreppenszene stammt aus dem Jahr 2015. Trump hatte seine Kandidatur schon bekannt gegeben, und die „Simsons“-Autoren reagierten mit dem bissigen Spot „Trumptastic Voyage“. Damals, als die meisten Liberalen Trump noch als geschmack- und chancenlosen Scherzkandidaten sahen, ging das Gerücht um, die Fans auf Nachrichtenbildern seien Statisten. Der Reality-Show-Promi müsse sich die Illusion einer wahlbereiten Bevölkerung erkaufen.

„Trumptastic Voyage“ wurde im Juli 2015 auf den Youtube-Kanal „Animation on Fox“ geladen, als Werbung für die 25. Staffel der „Simpsons“. Homer wird mit der Frage, ob er denn ein Plakat halten könne, von der Straße weg als Wählerstatist geheuert. Natürlich vermasselt er auch diesen Job, hält ein Schildchen mit der Aufschrift „Ich bin bezahlt“ hoch und purzelt über die Balustrade auf die Rolltreppe hinter den Kandidaten. Dass Homer und Trump nun beieinander stehen, ist ein Rückgriff auf die Episode „Barts Blick in die Zukunft“. Beide Male sagen die Bilder, Trump sei in einem komplexen Amt so vorstellbar wie die chaotischen Figuren einer zynischen Trickserie. Die „Simpsons“-Macher waren sich also noch immer ziemlich sicher, mit Trump sei nicht wirklich zu rechnen.

Vom Gag zum drängenden Appell

Im Juli 2016 stellte sich die Lage ganz anders dar. Wieder tauchte auf „Animation on Fox“ ein Trump-Gag auf, diesmal aber ein drängender Appell. Marge und Homer schauen einen Wahlkampf-Spot. Um drei Uhr in der Frühe klingelt das Krisentelefon im Weißen Haus, und wir sehen, wie Hillary Clinton reagieren würde und wie Donald Trump. Der sitzt, vor sich ein Buch mit Hitler-Reden, wach im Bett, twittert Gehässiges und lässt die Krise Krise sein. Als Marge merkt, dass der tumbe Homer trotzdem Trump wählen würde, droht sie mit dem Ehestreik. „Und so wurde ich Demokrat“, bekennt Homer in die Kamera.

Genützt hat dieser Spot wenig. In der Nacht des Wahlsiegs twitterten auch die „Simpsons“-Macher Schock und Wut in die Welt hinaus. Im Jahr 2000, haben der „Simpsons“-Autor Dan Greaney und der Serienerfinder Matt Groening zugegeben, sei ihnen eine Präsidentschaft Donald Trumps noch als der absurdeste Witz über den Verfall des Landes überhaupt erschienen. Die Zeiten haben sich sehr geändert. Immerhin: Donald Trump könnte nun öfters bei den „Simpsons“ auftauchen. Er ist wirklich wie geschaffen für diese Serie.

Pro7, 20. Januar, 18.40 Uhr



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