Die „Umdiedreißigjährigen“ Sie wollen Journalisten werden, allen Widrigkeiten zum Trotz

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Junge Journalisten meiner Generation, das heißt die Umdiedreißigjährigen, haben oft einen längeren und steinigeren Weg in den Journalismus als ihre Kollegen, die heute vierzig, fünfzig oder sechzig sind. Obwohl der Journalismus angeblich seinem Ende zugeht, sind es mehr junge Menschen denn je, die als Journalisten arbeiten wollen. Auf die vier Volontariatsstellen, die zuletzt bei der StZ ausgeschrieben waren, haben sich knapp 300 Journalisten beworben. Das war in den vergangenen Jahren ähnlich. Viele, die sich bewerben, haben ungezählte Praktika absolviert, arbeiten schon jahrelang als freie Journalisten für verschiedene Zeitungen und andere Medien. Sie scheinen sich ganz sicher zu sein, allen Widrigkeiten zum Trotz, dass sie diesen Beruf erlernen, dass sie als Journalisten arbeiten wollen.

Was sage ich also den Schülern und Jugendlichen, mit denen ich häufig spreche, weil ich bei der StZ auch das Projekt „Zeitung in der Schule“ betreue? Warum lohnt es sich, Journalist zu werden? Es reicht nicht, nur zu sagen, dass unsere Gesellschaft Journalisten immer brauchen wird, dass Zeitgenossen, deren Beruf es ist, die Politik, die Kultur, den Sport täglich zu beobachten und auf der Basis dieser Kenntnis zu bewerten, zu beschreiben, zu erklären, zu kritisieren, heute nötiger sind denn je.

Junge Menschen wollen sich einmischen

Häufig erfahre ich bei diesen Gelegenheiten auch, dass Jugendliche längst nicht so gleichgültig sind, wie es Erwachsene häufig glauben. Es ist ihnen nicht egal, was in ihrer Stadt, in ihrem Land oder auf der Welt passiert. Das Internet und die massenhafte Aktivität und der Austausch junger Menschen in diesem Medium zeigen doch gerade, dass sie sich engagieren und beteiligen wollen. Sie wollen Bescheid wissen. Sie wollen mitmischen. Und sie haben etwas zu sagen.

Dafür sind Jüngere heute auch bereit, Hürden zu überwinden – Journalisten beispielsweise. Neulich hat die „Zeit“ über die Generation der Umdiedreißigjährigen berichtet. Anscheinend werden sie den Arbeitsmarkt verändern mit ihren Einstellungen. Das Interessante an dieser These ist die Vermutung, dass diese Umdiedreißigjährigen selbstbewusst ins Arbeitsleben treten, Forderungen stellen, aber auch bereit sind, überdurchschnittlich gut und hart zu arbeiten. Diese Generation, so ein Forscher, ist bereits in einer Welt groß geworden, in der sich alles ständig verändert, in der nichts ewig währt, in der jeder anpassungsfähig bleiben muss – aber in der jedem auch theoretisch alles möglich ist. Diese Generation Y – was im Englischen „why“, also „warum?“ ausgesprochen wird – fragt eben nicht nur nach dem Warum, sondern fragt vor allem: Warum nicht?