Die „Umdiedreißigjährigen“ Weder Dienstwagen noch Altbauschick

Von  

Wir wollen die Älteren verstehen, wir respektieren, was sie erreicht haben, wir können verstehen, wenn sie sich mit dem Internet, mit den schnellen Entwicklungen, mit der Offenheit, mit sozialen Netzwerken manchmal schwertun. Doch fragen wir uns schon auch: Warum basiert der Wunsch zu verstehen und sich auszutauschen nicht auf Gegenseitigkeit? Wir rennen mit unserer Unbedarftheit manchmal gegen Mauern. Das stört uns nicht besonders, denn wir sind es gewöhnt, dass nicht alles so kommt, wie wir es erwartet haben.

„Warum nicht?“ ist also die Frage, die wir stellen. Und genau diese Frage zu stellen, erwarten wir auch von unserer Umwelt. Junge Journalisten werden sich immer dorthin orientieren, wo es erlaubt ist, das zu fragen. Ich habe ein paar Monate lang in Los Angeles gearbeitet. In den USA habe ich Journalisten kennengelernt, die die Begeisterung über ihren Job offen äußern, was in Deutschland nicht so üblich ist. Sie sagen: Mein Beruf ist der schönste, den es gibt! Ich liebe meinen Job!

Genau das wollen wir auch sagen. Wir brauchen keinen Dienstwagen, nicht jeder von uns will Chef werden. Schülern sage ich manchmal: Wenn du Journalist bist, darfst du alles fragen – und nichts ist zu doof, und niemand lacht dich aus, denn das ist dein Beruf. Jeden Tag siehst und erlebst du etwas anderes. Genau das habe ich nämlich erfahren. Und die Generation Y will einen Beruf, der Spaß macht, der erfüllt, der in irgendeiner Form Sinn ergibt.

Sie wünschen sich Flexibilität, Vertrauen und Respekt

Wir sind nicht diejenigen, die jetzt gerade in den Großstädten die Hip­ster-Büros mit Tischkickern und Segways ausstatten, die stuckbehangene Altbauten beziehen und Retromöbel aufstellen, die teures veganes Essen mit dem SUV-Geländewagen vorfahren lassen, nur weil manche sich offenbar selbst darüber hinwegtäuschen müssen, dass sie in einem gewöhnlichen Bürojob arbeiten.

Wir lehnen auch einen gewöhnlichen Bürojob nicht ab: wenn er uns erfüllt, wenn wir uns verwirklichen können, wenn wir etwas Gutes oder Sinnvolles tun. Wir wünschen uns in unserem Job Flexibilität, Vertrauen und Respekt. Wir wollen auch mal früher gehen, wenn wir irgendwann das Kind vom Kindergarten abholen müssen, wir wollen mal später kommen, wenn wir morgens was erledigen müssen. Wir bleiben in anderen Fällen abends länger – oder schreiben einen Artikel am Wochenende, weil wir ihn genau jetzt schreiben wollen, so wie diesen hier.