Dieter Bohlen bei den KSK Music Open in Ludwigsburg Der Poptitan und seine „Schnuckelhasen“

Dieter Bohlen wurde von einer siebenköpfigen Band begleitet. Foto: Werner Kuhnle

Dieter Bohlen stand am Sonntag auf der Bühne im Schlosshof in Ludwigsburg. Er unterhielt sein Publikum unter anderem mit den beliebten Hits von Modern Talking und zahlreichen anderen Titel aus seiner Feder.

Zehn Minuten vor 21 Uhr wurden sie endlich erhört, die anhaltenden „Dieter, Dieter!“- Rufe. Blaue Lichtblitze und wabernder Nebel auf der Bühne im Hof des Ludwigsburger Schlosses, eine aufgeregte Menge, und schließlich die erlösende und sich beinahe überschlagende Stimme des Bandleaders: „Hier ist er: Der Superstar, der Sexiest man alive!“ Und da sprang er nach vorne, vom Publikum mit Jubel empfangen: Dieter Bohlen, von manchen zum „Poptitan“ stilisiert. Unstreitig aber ist er wohl einer der über Jahrzehnte hinweg erfolgreichsten deutschen Pop-Künstler.

 

Die Hits bekommt man nicht so leicht wieder aus dem Ohr

Bei den KSK Music Open der Kreissparkasse lieferte Dieter Bohlen den 2500 Zuhörerinnen und Zuhörern dann auch das, was von ihm erwartet wurde: rund anderthalb Stunden großenteils vertraute, sehr eingängige Songs, von denen die meisten in Verbindung zum Pop-Duo Modern Talking stehen. Hits, die man nicht so leicht wieder aus dem Ohr bekommt. So wie gleich zum Auftakt: Mit hämmerndem Rhythmus stimmten Dieter Bohlen und seine siebenköpfige Band den Song „Atlantis is calling (S.O.S. for Love)“ an. Und schon erhoben sich viele im Publikum, sangen mit, wiegten sich hin und her oder klatschten begeistert in die Hände.

Das Publikum bestand aber nicht nur aus eingefleischten Fans, die in den 90ern schon für Modern Talking geschwärmt haben, es waren auch viele jüngere Besucherinnen und Besucher da. Bohlen ist vielen nämlich vor allem als Juror in der RTL-Talentshow DSDS – Deutschland sucht den Superstar ein Begriff. Ein Mann, der dort Emotionen und durch seine Art und vor allem berüchtigten Sprüche ordentlich Erwartungen weckt.

„Habt ihr was dagegen, wenn ich euch Schnuckelhasen nenne?“

Locker sein, nah an den Fans sein, dabei reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist – Bohlen pflegte dieses Image auch an diesem Abend in Ludwigsburg. „Habt ihr was dagegen, wenn ich euch Schnuckelhasen nenne?“ rief er ins Publikum.

Niemand schien Einwände zu haben. Bohlen grinste, meinte, heutzutage müsse man ja aufpassen mit dem, was man sage: „Vielleicht sind dann die Hasen beleidigt.“ Bohlen, Jahrgang 1954, der sich auch mal als „der Opa da auf der Bühne“ titulierte, ist in Sachen soziale Medien auf der Höhe der Zeit. Er fragte, wer von den Anwesenden ihm denn auf Instagram und auf Tiktok folgt. Und er bekannte mit großer Geste, was er selbst, der ja „genug Kohle“ hat, für das Wichtigste im Leben hält: „Verliebtsein, Gefühle, Gefühle, was gibt es Geileres?“ „Richtig“ riefen einige zurück. Der Komponist und Sänger wollte das Publikum mitnehmen zu einer „Reise durch mein musikalisches Leben“.

Manches war ziemlich interessant: Etwa, dass Bohlen den Hit „Win the Race“ damals für Michael Schumacher geschrieben hat. Oder die Entstehung von „Midnight Lady“: gesungen von Chris Norman und von Bohlen für eine Tatort-Episode mit dem legendären Schmuddel-Kommissar Schimanski komponiert. Immer mal wieder verlor sich Bohlen aber auch in Späßchen und Belanglos-Anekdotischem.

Fünf Zuschauer treten zum Gesangsduell an

Zudem gab es eine kleine DSDS-gemäße Showeinlage: Fünf Gäste aus dem Publikum durften zum Schnelltest „Cheri Cheri Lady“ anstimmen. Bohlen hielt sich dabei mit seinem gewohnten Sarkasmus zurück: „Man sagt, ich werde milder.“ Stattdessen gab einen jungen Mann mit einem, so der Poptitan, „geilen T-Shirt“, der zum eindeutigen Sieger ausgerufen und bejubelt wurde. Das Gefühl, einfach abschalten zu können, partymäßig abzutanzen – das verschaffte Bohlen seinen Fans an diesem Abend mit bewährten Titeln.

Mit sicherem Instinkt für einen starken Abgang drehten er und seine Band zum Schluss mit alten Top-Hits noch einmal voll auf. Bei „Cheri Cheri Lady“ schunkelte der ganze Schlosshof mit, dem folgte „Brother Louie“. Und schließlich fragte Bohlen die „Schnuckelhasen“: „Wollt ihr noch so nen richtig fetten Nummer-Eins-Hit?“ Auf das vielstimmige „Ja“ dröhnte – wie könnte es anders sein – „You’re my heart, you’re my soul“ über den Platz, alle Hände gingen hoch – ebenso wie hunderte Smartphones, um „Dieters“ Finale festzuhalten.

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