Digitale Karten für selbstfahrende Autos Bosch und Tom Tom forcieren autonomes Fahren

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Der Autozulieferer Bosch und der Navigationsspezialist Tom Tom entwickeln gemeinsam Karten für selbstfahrende Autos. Höchste Genauigkeit ist dabei Bedingung für sicheres Fahren. Erste Testfahrten finden bereits auf der A81 statt.

Bosch nutzt erste Tom-Tom-Karten für Fahrten mit seinen automatisiert fahrenden Testwagen  auf der Autobahn 81. Foto: dpa
Bosch nutzt erste Tom-Tom-Karten für Fahrten mit seinen automatisiert fahrenden Testwagen auf der Autobahn 81. Foto: dpa

Stuttgart - Bosch und Tom Tom arbeiten gemeinsam an Kartentechnologie für das automatisierte Autofahren. Der Gerlinger Automobilzulieferer und der niederländische Navigationsspezialist bauen damit ihre Zusammenarbeit bei Kartensystemen für Fahrzeuge aus. Tom Tom werde die passgenauen Karten für selbstfahrende Autos erstellen, Bosch die Anforderungen an deren Genauigkeit und Inhalte vorgeben, teilten beide Unternehmen am Dienstag mit.

Erste Teilkarten nutzt Bosch nach eigenen Angaben bereits für Fahrten mit seinen automatisiert fahrenden Testwagen auf der Autobahn A 81 zwischen Stuttgart und Boxberg sowie der knapp 100 Kilometer langen Interstate 280 in Nord-Kalifornien. „Nur mit hochgenauen Karten können wir ab 2020 automatisiert auf der Autobahn fahren“, sagte Bosch-Geschäftsführer Dirk Hoheisel. „Bis Ende 2015 wollen wir neue, hochgenaue Karten von allen Autobahnen und autobahnähnlichen Straßen in Deutschland für das automatisierte Fahren haben“, sagte Jan Maarten de Vries, Vize-Präsident der Autosparte von Tom Tom. Danach sollen die Straßen in Europa und Nordamerika abgedeckt werden.

Auch der US-Konzern Apple gehört zu den Tom-Tom-Kunden. Die Niederländer bauen keine Navigationsgeräte mehr, weil es mittlerweile auf fast jedem Smartphone eine Navi-Funktion gibt. Tom Tom konzentriert sich auf die Entwicklung digitaler Landkarten und die Fahrzeug-Vernetzung.

Karten für selbstfahrende Autos dezimetergenau

Durch die engere Kooperation von Bosch und Tom Tom entsteht ein Konkurrent zum Kartendienst Here von Nokia. Das Unternehmen steht zum Verkauf, und nach Medienberichten haben Daimler, Audi und BMW, die bereits Nokia-Kartenmaterial einsetzen, mit ihrem gemeinsamen Gebot den Zuschlag erhalten; im Raum steht ein Kaufpreis von 2,5 Milliarden Euro. Die Autohersteller wollen IT-Kompetenz zukaufen, auch weil Konzerne wie der US-Gigant Google selbst das Thema autonomes Fahren vorantreiben. Here bietet hochgenaue Karten für Straßenabschnitte in Deutschland, Frankreich, Japan und die USA an. In Deutschland hat Nokia Here einen Abschnitt der A 9 für die hohen Anforderungen von selbstfahrenden Autos erfasst. Der Verkauf von Nokia Here könnte laut Finanzdienst Bloomberg bis Monatsende abgeschlossen sein.

Nach Angaben von Bosch und Tom Tom unterscheiden sich Karten für das hochautomatisierte Fahren von Karten für aktuelle Navigationsgeräte in der deutlich höheren Genauigkeit im Dezimeter- statt im Meterbereich. Zudem sind die Karten viel komplexer aufgebaut; sie bestünden aus mehreren Schichten: Über die Basis-Navigationsschicht erfolge die Berechnung der Fahrtroute. Anhand der sogenannten Lokalisierungsschicht ermittle ein automatisiertes Fahrzeug seine genaue Position in einer Fahrspur. Dazu vergleiche es zum Beispiel Informationen zu Objekten, die es über die Umfeldsensoren erhalten hat, mit den entsprechenden Informationen in der Lokalisierungsschicht. So bestimme das Fahrzeug seine relative Position zu diesen Objekten.

Kartierungsflotte regelmäßig unterwegs

Die darüber liegende Planungsschicht beinhaltet neben Informationen zu Fahrbahnmarkierungen, Verkehrsschildern oder Tempolimits auch Details zur Fahrbahngeometrie, wie zum Beispiel Kurvenradien und Gefälle. Mit Hilfe der Planungsschicht entscheide ein automatisiert fahrendes Fahrzeug beispielsweise, wann es die Spur wechsle.

Neben diesen technischen Eigenschaften sei Aktualität wichtig. Bosch und Tom Tom setzen hier auf mehrere Bausteine. Die Kartierungsflotte von Tom Tom werde regelmäßig neue Straßen und Streckenführungen genau vermessen. Um auch kurzfristige Veränderungen im Straßenbild wie Staus oder neu aufgestellte Verkehrszeichen zu erkennen, planen Tom Tom und Bosch den Einsatz weiterer Fahrzeugflotten mit entsprechend sensiblen Sensoren an Bord. Die Informationen sollen direkt an einen Server gemeldet, überprüft und in die digitalen Kartendaten eingetragen werden.

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