Digitaler Supermarkt in Stuttgart Tante Emmas Enkel ist ein Automat

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Die Supermarktkette Real und das Stuttgarter Start-Up Smark haben am Rosenbergplatz im Westen gemeinsam den ersten digitalen Supermarkt Stuttgarts eröffnet: Emmas Enkel. Das löst aber nicht überall Begeisterung aus.

Gerald Schönbucher,   Mehmet Tözge, Maximilian Ittermann, Philipp Hoening und Patrick Müller-Sarmiento (von links) führen die Einkaufsstation in Emmas Enkel am Rosenbergplatz vor. Der Laden hat täglich rund um die Uhr geöffnet. Foto: Lichtgut/Martin Stollberg
Gerald Schönbucher, Mehmet Tözge, Maximilian Ittermann, Philipp Hoening und Patrick Müller-Sarmiento (von links) führen die Einkaufsstation in Emmas Enkel am Rosenbergplatz vor. Der Laden hat täglich rund um die Uhr geöffnet. Foto: Lichtgut/Martin Stollberg

Stuttgart - Im Tante-Emma-Laden gab es einst nichts, was es nicht gab. „Irgendwo hat die Verkäuferin alles rausgezogen, was man brauchte“, sagt Patrick Müller-Sarmiento, Vorsitzender der Geschäftsführung von Real. Gemeinsam mit dem Stuttgarter Start-up Smark hat sein Unternehmen nun den Tante-Emma-Laden 2.0 entwickelt. Die Kooperation liegt nahe: Smark experimentiert bereits im Kessellädle an der Bebelstraße mit Lebensmittelautomaten. „Wir haben die Sortimenten-Power“, sagt Müller-Sarmiento.

Emmas Enkel haben sie den Laden sinnigerweise getauft, ein Supermarkt ohne Verkäufer und Kassierer. „Eine Weltneuheit“, so Müller-Sarmiento. „Wir sind alle mächtig stolz darauf!“ Zum Einkauf im Tante-Emma-Laden gehörte aber irgendwie halt auch der Plausch mit den Nachbarn und den Verkäufern. Den sozialen Austausch gewährleistet das Café Herbertz mit einem Stehcafé, das Montag bis Samstag von 7 bis 18 Uhr geöffnet hat.

Kunden bestellen die Lebensmittel via App oder am Automaten

Emmas Enkel befindet sich mitten im Stuttgarter Westen am Rosenbergplatz 1. Es solle ein Geschäft aus dem Westen für den Westen sein, betont der Geschäftsführer. „Wir legen Wert auf regionale und Biolebensmittel.“ So kommt das Obst und Gemüse vom Grünen Eck, Brot und Backwaren von der Boulangerie und den Brotfreunden Grau – also alles von nebenan.

Die Produkte können die Kunden entweder via Smartphone-App bestellen oder an dem Automat im Geschäft auswählen. Die Bezahlung funktioniert per Kartenzahlung; im Anschluss erhalten die Kunden ihren Beleg. Den darauf abgebildeten QR-Code müssen sie dann am Ausgabeautomaten scannen; die Maschine hinter der Wand sucht dann die Lebensmittel aus den Lagerregalen. Obst, Gemüse und Backwaren können sich die Kunden nach dem Bezahlen einfach aus den Regalen nehmen –das geschieht auf Vertrauensbasis. „Wir haben ein positives Menschenbild“, sagt Müller-Sarmiento dazu salopp. Aber es gibt natürlich Überwachungskameras und tagsüber sind die Mitarbeiter des Cafés da.

Flexibles und zentrales Einkaufen im Westen

Manches mag für Kunden, die es gewohnt sind, mit dem Einkaufskorb durch den Laden zu schlendern, irritierend sein. Müller-Sarmiento glaubt aber, der autonome Supermarkt sei eine Revolution in Bezug auf die Kundenbedürfnisse. Denn viele junge Menschen wollten sich nicht nach Öffnungszeiten richten. „Diesem urbanen Trend folgen wir“, sagt er.

So bietet Emmas Enkel durch die digitale Kasse die Möglichkeit, 24 Stunden an sieben Tagen die Woche einzukaufen. Der digitale Supermarkt – auch eine Möglichkeit, Personalkosten zu sparen? Keineswegs, sagt der Real-Geschäftsführer. So benötige man im Lager in Böblingen nun viel mehr Hände. Auch betreibe Real eine eigene Küche in Balingen. „Da bauen wir Personal auf. Ich würde sagen, es ist in Balance.“ Wenn der autonome Supermarkt funktioniere, könne man sich eine flächendeckende Einführung vorstellen. „Es gibt ja längst viele Regionen ohne Nahversorgung“, sagt er.

Personalsituation im Handel ändert sich – Mitarbeiter werden an anderer Stelle gebraucht

Bei der Gewerkschaft Verdi steht man dem Konzept skeptisch gegenüber. Nicht, weil es kein Personal direkt im Laden gibt. „Personal brauchen die auch, an anderer Stelle“, sagt der für Handel zuständige Gewerkschaftssekretär Wolfgang Krüger. Aber innerhalb der Lebensmittelbranche gebe es einen starken Konkurrenzdruck unter Beschäftigten. „Ich bezweifle, dass die Gesellschaft mehr Flexibilität auf Kosten von Beschäftigten wünscht“, sagt er.

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