Diözese Rottenburg-Stuttgart Basis will bei Bischofswahl mitreden

Bischof Gebhard Fürst wird am 2. Dezember 75 Jahre alt und scheidet dann aus dem Amt. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart braucht bald einen neuen Bischof. Bei dessen Wahl soll die Basis stärker beteiligt werden als bisher. Das wurde jetzt beschlossen. Gibt es dagegen Widerstand aus Rom?

Familie/Bildung/Soziales: Michael Trauthig (rau)

Mühe haben sich die zehn Mitglieder des Diözesanrats wahrlich gegeben, die mehr Einfluss der Basis auf die Wahl eines Bischofs für die Diözese Rottenburg-Stuttgart verlangen. Sieben Seiten umfasst der dreigeteilte Antrag, den sie am Wochenende beim katholischen Diözesanrat zur Abstimmung brachten. Rund eine Stunde debattierte das Gremium im Kloster Schöntal über den Vorschlag. Dabei prallten die Meinungen aufeinander. Die Antragsteller, zu denen der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes gehört, wollten das traditionelle Verfahren in Richtung echter Mitbestimmung der Laien verändern. Andere warnten, auf diese Weise Rom zu provozieren.

 

Rom soll nicht zu sehr provoziert werden

Womöglich, so die Sorge der Skeptiker, ernenne der Vatikan dann einen autoritären Bischof für Württemberg, der nicht hierher passe und auf große Widerstände in der Basis stoße. Solche Bedenken überzeugten am Ende die meisten. Der zentrale Punkt des Antrages, die Gründung eines neuen „Bischofswahlausschusses“, in dem Laien vertreten wären, fand keine Mehrheit. „Ich habe es ohnehin für unwahrscheinlich gehalten, dass das durchgeht“, sagt Christian Hermes hernach. „Uns war freilich wichtig, dass wir den früheren Beschlüssen des Diözesanrats und des Synodalen Weges treu bleiben.“ Bei diesem bundesweiten Reformprojekt der katholischen Kirche war eine echte Beteiligung der Laien an der Bischofswahl gefordert worden. Konkrete Vorstöße dazu hat der Vatikan jedoch mittlerweile – etwa in Paderborn – zurückgewiesen. Das hat die Mitglieder des Diözesanrats sichtlich beeindruckt. „Der Papst hat eindeutig Grenzen gezogen“, sagt Stadtdekan Hermes dazu. In keiner der vier Diözesen in Deutschland, in denen Bischofswahlen anstehen, würden die Beschlüsse des Synodalen Weges nun komplett umgesetzt.

Dieses Urteil wiederum mag Johannes Warmbrunn, der Sprecher des Diözesanrats, nicht stehen lassen. Schließlich sind andere Teile des ursprünglichen Antrags durchgekommen. Als Folge wird es im Januar gemeinsame Beratungen des Diözesanrats und des Domkapitels – des eigentlichen Wahlgremiums – geben. Dann wollen Priester und Laien ein Eignungsprofil für den neuen Bistumschef erstellen, und der Diözesanrat darf auch Besetzungsvorschläge machen. Ob das mit leitenden Priestern besetzte Domkapitel die Vorschläge aufnimmt, wird sich freilich zeigen. „Wir erwarten, dass unser Rat ernst genommen wird. Insofern haben wir Einfluss“, erklärt Warmbrunn. Auch der unmittelbar nach seinem 75. Geburtstag am 2. Dezember aus dem Amt scheidende Bischof Gebhard Fürst – Papst Franziskus hat dessen altersbedingten Amtsverzicht jetzt angenommen – sei in „19 von 20 Fällen“ der Empfehlung des Diözesanrats gefolgt.

Gibt es eine echte Wahl?

„Wir wollten auf keinen Fall die Rechtmäßigkeit der Wahl gefährden“, sagt der Generalvikar Clemens Stroppel zu der überschaubaren Neuerung. Stoppel wird das Wahlverfahren leiten. „Wir versuchen, den bestehenden Spielraum zu nutzen.“ Den Laien werde mehr als nur eine formale Beteiligung ermöglicht, verspricht Stroppel. Der Theologe ist zuversichtlich, dass Rom die kleine Reform akzeptiert. Denn nach der Beratung von Laien und Priestern im Januar kann alles immer noch so ablaufen, wie es das Badische Konkordat von 1932 vorsieht: Das Domkapitel reicht dem Heiligen Stuhl eine Liste „geeigneter Kandidaten“ ein. Die Vorschläge hat der Vatikan dann lediglich zu „würdigen“. Er kann sie also auch außer Acht lassen.

Zum Schluss schickt Rom eine Liste nach Württemberg, auf der drei Namen stehen. Von diesen Männern muss mindestens einer aus der Diözese stammen oder hier länger gearbeitet haben. Das Domkapitel bestimmt dann einen aus der Liste. Allerdings könnten auch zwei Personen völlig ungeeignet sein, und der dritte Bewerber ist dann der, den der Vatikan will. „Wir hoffen, dass die Liste eine echte Wahl ermöglicht“, sagt Stroppel, und ein wenig Skepsis klingt durch.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Katholische Kirche